Coronavirus: Außenministerium rät von Reisen in Provinz Hubei ab

Es ist eine Abschottungsaktion von schwer vorstellbarer Größenordnung: Mehr als 40 Millionen Menschen in China dürfen ihre Stadt nicht mehr verlassen. Nah- und Fernverkehr ruhen in mehr als zehn großen Metropolen. Wird das die neue Lungenkrankheit eindämmen?

Es wird vermutet, dass das neuartige Coronavirus von einem Tiermarkt in der chinesischen Stadt kommt. In China sind inzwischen bereits hunderte Infektionen nachgewiesen.
© AFP/Candida NG

Peking, Wuhan – Aus Angst vor einer Verbreitung des Coronavirus in China sind inzwischen mehr als 43 Millionen Menschen weitgehend von der Außenwelt abgeschottet worden. Auch in den Metropolen Yichang und Tianmen wurden am Freitag der öffentliche Nahverkehr, Fernbusse, Fähren und Züge gestoppt, wie die Behörden mitteilten. Die Zahl der bestätigten Infektionen in China stieg auf rund 900.

Bisher sind 26 Menschen gestorben. Die meisten hatten schon Vorerkrankungen. In Europa ist bisher keine Infektion mit dem neuartigen Virus bekannt.

Außenministerium rät von Reisen in Provinz Hubei ab

Das österreichische Außenministerium rät aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus von nicht notwendigen Reisen in die hauptbetroffene zentralchinesische Provinz Hubei ab. Das teilte Ministeriumssprecher Peter Guschelbauer Freitagmittag in Wien mit. Für Hubei wurde ein hohes Sicherheitsrisiko (Sicherheitsstufe 3) angenommen.

Übertragungsmuster im Detail weiter unklar

Nach Angaben des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) ist es noch zu früh, um einzuschätzen, ob die Absperrung einer Stadt wie Wuhan etwas Grundlegendes gegen den Ausbruch bringe. Solange das Übertragungsmuster im Detail weiter unklar sei, sei es sehr schwierig, die potenziell positiven Auswirkungen abzuschätzen, teilte ECDC mit. Es sei jedenfalls ratsam, das allgemeine Risiko für akute Infektionen der Atemwege einzuschränken. Dies schließe auch mit ein, den Kontakt mit Menschen zu beschränken, die möglicherweise infiziert seien. Bewegungseinschränkungen seien ein möglicher Ansatz bei dem Versuch, eine weitere Ausbreitung des Virus zu vermeiden.

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Völlig neu ist Chinas Schritt nach Angaben der Behörde nicht: In geringerem Umfang und an kleineren Orten als Wuhan hat China in der Vergangenheit ähnliche Ansätze verfolgt, um beispielsweise einen Pestausbruch einzudämmen. Mit den drastischen Maßnahmen ist nunmehr bereits in mehr als zehn Städten der schwer betroffenen Provinz Hubei die Bewegungsfreiheit der Bewohner stark eingeschränkt. Als erstes waren in der Provinzhauptstadt Wuhan der Bus- und Bahnverkehr, die Flüge und Züge gestoppt worden. Zudem sollen in der Öffentlichkeit Schutzmasken getragen werden. Etliche Besucher konnten die Stadt vorerst nicht mehr verlassen.

Auch medizinisches Personal des Militärs mobilisiert

In Wuhan wird auch das Militär eingesetzt. Als Reaktion auf den öffentlichen Gesundheitsnotstand übernehme die Logistikabteilung der Militärkommission die Führung über die "gemeinsame Kontrollarbeit", berichtete das Staatsfernsehen am Freitag.

Zudem wird medizinisches Personal des Militärs im Kampf gegen das Coronavirus mobilisiert. Zu Beginn seien 40 medizinische Kräfte des Militärhospitals von Wuhan organisiert worden, um mit der Behandlung in der Intensivstation des Hospitals für Lungenkrankheiten der Stadt zu beginnen, berichtete das Staatsfernsehen.

Weitere Details wie etwa die Zahl der eingesetzten Soldaten wurden nicht genannt. In China wird die Volksbefreiungsarmee häufig zur Bewältigung von Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen oder anderen Notfällen eingesetzt.

Reisen zum Neujahrsfest verstärkt Gefahr einer Ausbreitung

Die auf einen neuartigen Coronavirus zurückgehende Infektionswelle überschattet das chinesische Neujahrsfest, das in der Nacht zum Samstag gefeiert wird. Allerdings steht das öffentliche Leben zu dem wichtigsten chinesischen Familienfest ohnehin weitgehend still. In Fabriken und Büros wird nicht gearbeitet. Die meisten Geschäfte haben geschlossen. Studenten und Schüler haben frei.

Zu dem zweiwöchigen Fest sind Hunderte Millionen Chinesen in ihre Heimatorte gereist – was die Sorge vor einer Ausbreitung des Virus noch vergrößerte. Die Behörden riefen die Menschen auf, Mundschutz zu tragen und andere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Aus Angst vor dem Virus schloss auch Disneyland in Shanghai seine Pforten.

China untersagte Verkauf von Pauschalreisen

China hat allen Reisebüros den Verkauf von Pauschalreisen ins Ausland und im Land selbst untersagt. Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf ein entsprechendes Dokument berichtete, habe das Ministerium für Kultur und Tourismus die Reisebüros und Veranstalter angewiesen, den Verkauf solcher Pauschalurlaube ab Freitag zu stoppen.

Der Schritt ist ein schwerer Schlag für die Tourismusindustrie. Chinesische Touristen haben allein 2018 mehr als 110 Milliarden Euro im Ausland ausgegeben.

Die türkischen Behörden kontrollieren aus Sorge vor einer Einschleppung Reisende aus China mit einer Wärmebildkamera. Am Istanbuler Flughafen, der ein internationales Drehkreuz ist, würden Fluggäste aus China seit dem frühen Freitagmorgen sofort nach dem Verlassen des Flugzeuges gescannt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Noch keine Notlage von internationaler Tragweite, aber das kann es noch werden
WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah bisher keinen Grund, eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite auszurufen. Sie empfiehlt auch keine Reise- oder Handelsbeschränkungen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am Donnerstagabend, der Ausbruch werde aber extrem ernst genommen. „Es ist noch keine Notlage von internationaler Tragweite, aber das kann es noch werden." (APA/dpa)


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