20 Jahre Super-Mario: Wer wandelt in Kitz auf Matts Ganslern-Spuren?

20 Jahre ist es her, als ein junger Arlberger mit Startnummer 47 und drogerieblonden Haaren am Ganslernhang triumphierte. Sein Name: Mario Matt. Am Sonntag (10.30/13.30 TT.com-Live-Ticker) wird Jagd auf einen jungen Franzosen gemacht: Vorjahressieger Clement Noel.

Mario Matt sorgte beim Kitz-Slalom im Jahr 2000 für die große Überraschung.
© Markus Leodolter

Michael Matt: „Schönreden funktioniert nicht“

Wo genau Michael Matt damals vor 20 Jahren war, als Bruder Mario den Kitzbühel-Slalom gewann, kann der Flirscher nicht mehr sagen. Aber das ist auch gut so, denn wenn der Vizeweltmeister etwas nicht will, dann ist es in der Vergangenheit leben. „Die letzten Rennen waren einfach schlecht, das ist so. Aber das ist Vergangenheit, jetzt blicke ich nach vorne“, sagt der 26-jährige Tiroler vor dem heutigen Slalom am Ganslern­hang.

Aus den letzten vier Torläufen nahm Matt gerade einmal sieben Weltcup-Punkte mit (24. in Adelboden) – dazu kommen ein 33. Rang sowie zwei Ausfälle. Sehr enttäuschend für einen, der sich anschickte, zum besten ÖSV-Slalomfahrer zu werden. Den Kopf in den Sand stecken will der Weltcupsieger nicht – vielmehr soll vom Tiefpunkt aus eine neue „Leichtigkeit des Seins“ entstehen. „Schön­reden funktioniert bei mir nicht. Ich muss mich auf meine Sachen besinnen und das umsetzen, was ich kann“, ergänzt Matt. Als Vorbereitung auf Kitzbühel diente vor den Trainingsläufen in Going und Kössen das Abschalten. „Ich bin ein wenig weggekommen vom Skifahren, das hat gutgetan.“ (rost)

Mit Zuversicht blickt Vizeweltmeister Michael Matt in die Zukunf­t und hofft dabei in Kitzbühel auf Besserung.
© GEPA pictures/ Mario Kneisl

Feller: „Kein Anwärter aufs Podium“

Nicht zuletzt nach einem „super Trainingstag“ in Kössen auf eisigem Untergrund und einem „gewaltigen Trainingstag“ in Goin­g mit sehr vielen Wellen blickt Manuel Feller dem heutigen Torlauf-Klassiker mit „ganz viel Vorfreud­e“ entgegen. „Ich bin nicht Top-Favorit und nicht Anwärter auf das Podium, das Ziel lautet Top Ten und ich nehme gerne alles, was besser ist“, sagt der Lokalmatador aus Fieberbrunn, der sich sieben Wochen nach seinem Bandscheibenvorfall im Aufwärtstrend befindet. „Es ist diese Woche bergauf gegangen, ich ziehe die Schwünge wieder besser, es ist mehr Selbstvertrauen da.“

Sorge, dass sich die lädierte Bandscheibe abermals bemerkbar machen könnte, hat der Jungpapa nicht. „Die Gefahr, dass wieder was passiert, ist nicht größer als bei anderen.“ Was nicht heißen soll, dass der 27-Jährige nicht nach wie vor beeinträchtigt sei. „Gewisse neurologische Sachen funktionieren noch nicht so wie früher“, nickt er und nennt ein Beispiel: „Wenn ich auf dem beeinträchtigen linken Bein eine Kniebeuge mache, ist es eine wackelige Geschichte. Rechts verläuft es wie auf einer Schiene.“ (m. i.)

WENGEN,SWITZERLAND,19.JAN.20 - ALPINE SKIING - FIS World Cup, slalom, men. Image shows Manuel Feller (AUT). Photo: GEPA pictures/ Mario Kneisl
© GEPA pictures/ Mario Kneisl

Schwarz: „Ich will um Siege mitfahren“

Mit viel Selbstvertrauen und großen Erwartungen, die auf seinen Schultern lasten, stößt sich Marco Schwarz heute am Ganslernhang aus dem Starthaus. Nach Rang drei in Adelboden und dem siebenten Platz in Wengen, nur acht Hundertstelsekunden hinter dem Podest, strotzt der 24-jährige Kärntner nur so vor Zuversicht.

„Ich will wieder um Podeste und Siege mitfahren. Das ist mein großes Ziel, da will ich hin“, sagte Schwarz, der sich im Februar des Vorjahres das Kreuzband gerissen hat und sich langsam Stück für Stück wieder an die Welt­spitze herantastete.

„Marco ist in einer super Form, er ist sicher derzeit unser stärkster Slalomfahrer“, sagt ÖSV-Slalomcoach Mark­o Pfeifer, der sein­e Schützlinge wie gewohnt in Going auf einem extr­a welligen Hang sowie in Kössen vorbereitete. „Wir sind bestens gerüstet“, sagte Schwarz, der sich wieder in die erste Startgruppe nach vorne gekämpft hat. Schon am Dienstag wartet das Night Race in Schladming. (rost)

In Adelboden fuhr der Kärntner Marco Schwarz auf den dritten Rang, in Kitzbühel will er wieder auf das Podest.
© GEPA pictures/ Mario Kneisl

Gstrein: „Muss nicht mehr groß denken“

Vor zwei Jahren, mit Startnummer 72, feierte Fabio Gstrein just in Kitzbühel sein Weltcup-Debüt. Nicht ganz unerwartet reichte es damals nicht zur Qualifikation für den zweiten Durchgang. So wie auch im Vorjahr, als er nach einem „depperten Fehler“, wie er sagte, disqualifiziert wurde.

Wenn der 22-jährige Sölder heute durch den Stangenwald am Ganslernhang pflügt, dann sind die Erwartungen unweit größer. Auch seitens der Fans. Spätestens mit Rang sieben in Adelboden und Laufbestzeit im Final­e von Wengen hat der Technikspezialist an die Tür zur Weltklasse angeklopft. „Ich muss nicht mehr viel denken im Moment. Das System funktioniert“, sagt einer, dem die Leichtigkeit des Seins anzumerken ist. Druck? „Ich sehe jeden Slalomlauf als eigenes Rennen an. Und da kann es nur Vollgas heißen.“

Wie groß die Ötztaler Fanschar sein wird, die heute anreist, weiß Gstrei­n nicht. „Die Famil­y kommt fix.“ Als­o Vater Gotthard, einst Skilehrer-Weltmeister, und Mama Anita (geborene Braunegger), ehemalige Weltcupläuferin. Und Großcousin Bernhard war jener Mann, der bei seinem einzigen Weltcupsieg 1988 einen gewissen Alberto Tomba und den Rest der Welt in die Slalom-Schranken wies – das war allerdings in Lienz. (m.i.)

Der Sölder Fabio Gstrein markierte zuletzt in Wengen Laufbestzeit und reiste mit breiter Brust nach Kitzbühel an.
© GEPA pictures/ Matic Klansek

Die Startnummern der Österreicher


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