Ärger wegen Coronavirus im Ski-Weltcup: „Dann müssen wir in Quarantäne"

ÖSV-Herrenchef Andreas Puelacher ist aufgrund des drohenden Coronavirus klar für eine Absage des Weltcups in China (15./16.2.). Der Tiroler nimmt die FIS in die Pflicht – Cheftrainer sprechen sich alle gegen Rennen aus.

Herren-Cheftrainer Andreas Puelacher vertritt eine klare Meinung.
© EXPA/JOHANN GRODER

Von Roman Stelzl

Kitzbühel – Kaum sind die 80. Hahnenkammrennen Geschichte, blickt ÖSV-Herrenchef Andreas Puelacher in die Zukunft der Speedfahrer – und über der hängt derzeit eine dunkle Wolke. Grund dafür ist der Ausbruch des Coronavirus in China, wo der Ski-Weltcup am 15. und 16. Februar gastiert. In Yanqing soll die Olympia-Generalprobe für 2022 mit einem Super-G und einer Abfahrt stattfinden. Doch geht es nach Puleacher, darf es erst gar nicht so weit kommen.

„Der China-Weltcup muss meiner Meinung nach abgesagt werden“, spricht sich der sportliche Leiter klar gegen eine Austragung der Rennen aus. „Wenn es auch nur einen Verdachtsfall in der Region gibt – was anscheinend auch so ist –, dann ist das zu gefährlich für alle Beteiligten. Die Gesundheit der Athleten steht an erster Stelle.“

Puelacher nimmt dabei den Ski-Weltverband (FIS) in die Pflicht, der am Mittwoch in Garmisch-Partenkirchen eine Entscheidung fällen soll. „Die FIS muss Mut beweisen und im Sinne der Athleten handeln“, ergänzte der Tiroler. Die Ansprache von FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis bei der Mannschaftsführersitzung in Kitzbühel schürte den Ärger nur noch. „Sie wollte uns etwas von geringem Risiko erzählen, aber das ist ganz schwierig zu beurteilen“, sagte Puelacher und legte nach: „Wenn in China auch nur das Geringste passiert, müssen wir alle in Quarantäne. Dann steht der gesamte Weltcup! So etwas können wir nicht riskieren, dann verzichten wir lieber auf die Olympia-Generalprobe.“ Die FIS will sich laut Lewis bei der Entscheidungsfindung an die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) halten. Werden die Bewerbe abgesagt, haben die Herren keine Rennen vor Olympia auf der Strecke. Im kommenden Jahr sind bereits die Rennen der Damen geplant.

Puelacher ist mit seiner Meinung zur notwendigen Absage nicht alleine. „Wir Cheftrainer haben alle die gleiche Meinung“, sagte Pue­lacher. Demnach ist die Absage des Weltcups so gut wie sicher. Sollte es aber wider Erwarten dennoch zu einer Austragung kommen, stellt Puelacher jedem ÖSV-Athleten, -Trainer und -Betreuer frei, die Reise nach China anzutreten. „Wenn jemand nicht mitmöchte, habe ich dafür vollstes Verständnis. Wir werden keinen dazu überreden wollen, das muss jeder selbst entscheiden.“

134.250 Euro Preisgeld für Mayer in Kitzbühel

Das gilt auch für Matthias Mayer. Der Kärntner Abfahrtssieger, der gestern schon wieder frühmorgens zum Slalom-Schauen an der Piste stand, war nach dem Sieg in der Abfahrt (heuer zum Jubiläum 100.000 Euro Preisgeld) und Rang zwei im Super-G (34.250) mit insgesamt 134.250 Euro Siegerprämie der große Gewinner. Einzig der Schweizer Daniel Yule, der gestern als Sieger ebenfalls 100.000 Euro einheimste, rückte dem 29-Jährigen näher.

Doch auch Mayer hat sich zum Thema China schon seine Gedanken gemacht. „Was man jetzt so liest, würde ich es mir wirklich überlegen, ob ich da rüberfliege oder nicht. Ich muss es nicht unbedingt haben“, sagte der Doppel-Olympiasieger. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel meinte dazu, dass man anreisen werde, sofern die FIS grünes Licht gebe. „Wenn wir als Nation sagen, wir fahren nicht, haben wir einen Nachteil, darauf darf es nicht hinauslaufen“, so der Tiroler.

Mayer sah das Thema eines ÖSV-Alleingangs indes entspannter – und mit einem Lächeln: „Wenn die anderen einreisen und nicht mehr ausreisen können, bist halt bei den letzten Rennen alleine. Auch ein Vorteil, oder?“

Weitere Sportevents in China abgesagt oder verlegt

Weitere in China geplante Sportveranstaltungen sind nach den Ausbruch des Coronavirus abgesagt worden. Der Basketball-Weltverband FIBA verlegte das Olympia-Qualifikationsturnier der Frauen von Foshan nach Belgrad (6.-9.2.), die Hainan-Radrundfahrt im Süden Chinas (23.2.-1.3.) wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, wie der Weltverband UCI bekanntgab.

Bereits in den vergangenen Tagen wurden wegen des Gesundheits-Notstandes Absagen und Verschiebungen bekannt. Der asiatische Fußball-Kontinentalverband AFC verlegte das Qualifikationsturnier der Frauen für die Olympischen Spiele 2020 von Nanjing in der ostchinesischen Provinz Jiangsu nach Sydney. Der Internationale Tennisverband übersiedelt nach "nach Rücksprache mit unabhängigen Sicherheitsberatern" das Anfang Februar geplante Fed-Cup-Event der Asien/Ozeanien-Gruppe von Dongaguan nach Nur-Sultan in Kasachstan.

Wie das Internationale Olympische Committee (IOC) verlautbart hatte, wurde das Anfang März in Wuhan geplant gewesene Box-Qualifikationsturnier für die Sommerspiele in Tokio in die jordanische Hauptstadt Amman verlegt. Zudem wurden die nationalen Winterspiele verschoben, die als Vorbereitung für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking dienen sollten. Der Fußball-Supercup zwischen Meister Guangzhou Evergrande und Cupsieger Shanghai Greenland Shenhua am 5. Februar in Suzhou wurde vertagt.


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