Startschuss für US-Vorwahlen rückt näher: Wähler in Iowa unentschlossen

In Iowa fällt mit den Wählerversammlungen der Startschuss für die US-Vorwahlen. Die Demokraten suchen jemanden, der es mit US-Präsident Donald Trump aufnehmen wird.

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Senator Bernie Sanders holte zuletzt in den Umfragen in Iowa deutlich auf.
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Von Siegmund Skalar, APA aus Council Bluffs, Iowa (USA)

Des Moines – Der Ort Council Bluffs ist kein Ort zum Ferien machen. Die 62.000-Einwohner Stadt in Iowa gleich am Missouri River liegt nur einen Steinwurf von Nebraska entfernt und hat definitiv bessere Zeiten gesehen, wie zahlreiche leerstehende Gebäude im Stadtkern beweisen. Dennoch haben in Council Bluffs alle wichtigen Kandidaten der US-Demokraten ein Wahlkampfquartier aufgeschlagen. In Iowa geht es derzeit um alles. Eine Woche vor dem Iowa-Caucus sind viele Wähler noch unentschlossen, wie ein Lokalaugenschein am Wochenende belegt.

Karte und Daten zum Bundesstaat Iowa.
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Ex-Vizepräsident Joe Biden hat in einem leerstehenden Ziegelbau nahe des Stadtzentrums von Council Bluffs sein lokales Hauptquartier aufgeschlagen. „We're ridin' with Biden" steht auf den T-Shirts der Joe Biden Unterstützer. Nicht unweit davon finden sich die Anhänger von Andrew Yang und Pete Buttigieg. Ebenfalls nur wenige Minuten weiter in einem ehemaligen Ladenlokal residiert das lokale Feldlager des Teams von Senatorin Amy Klobuchar. In Iowa zählt ein gutes Netzwerk und die Präsenz vor Ort: denn noch immer wird in dem Bundesstaat um jede zusätzliche Stimme gekämpft.

Schilder weisen bereits auf den Wahlgang hin. In Iowa ist man stolz, den Vorwahlreigen zu eröffnen.
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Schwung aus erstem Wahlgang entscheidend

Für Neulinge auf dem politischen Bundesparkett wie Yang, Buttigieg oder Klobuchar geht es in Iowa um alles. „Es geht nicht um die Anzahl an Delegierten, sondern um das Momentum", erklärt eine Wahlhelferin in Council Bluffs. Iowa entsendet zum Bundeskongress, wo der finale Präsidentschaftskandidat der Demokraten entschieden wird, nur wenige Abgeordnete. „Hier kann man sich jedoch einen Namen machen". Die Veranstaltungen in Iowa sind für die Spitzenkandidaten mühevolle Kleinarbeit: Auf einer Fläche von knapp zwei mal Österreich kommen in Iowa nur 3 Mio. Einwohner. Die unbekannten Kandidaten bereisen insbesondere auch die Kleinstädte mit knapp 1.000 Einwohnern, um in sogenannten „Town Halls", also Wählerversammlungen, vor den potenziellen Wählern zu sprechen.

Ex-Vizepräsident Joe Biden liegt in landesweiten Umfragen gegen US-Präsident Donald Trump am deutlichsten in Führung.
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Wer kann Trump in Präsidentschaftswahl schlagen?

„Ich war bei Biden und Steyer" meint Terrill, ein Vater von 3 Kindern. „Ich habe mich aber noch nicht entschieden". „Ich muss mir denjenigen gegen Trump vorstellen können", meint Terrill und spricht damit das Hauptthema an. In Iowa geht es in den letzten und entscheidenden Tagen um die „Wählbarkeit" (Electability), erklärt eine der Aktivistinnen, die in Council Bluffs von Tür zu Tür gehen und Leute von ihrem Kandidaten überzeugen wollen. Die Frage für viele Wähler ist damit: „Wer hätte das Potenzial, Trump zu schlagen?" „Viele Leute haben gesagt, dass sie sich höchstwahrscheinlich erst am Tag der Vorwahl entscheiden werden", so die Aktivistin, die für das Team von „Mayor Pete" Buttigieg Unterstützung einwirbt.

Entwicklung der Zustimmungswerte seit Anfang 2019.
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Vanessa Bauer und Haley Wallace aus Carroll County in Iowa haben eine der zahlreichen Veranstaltungen knapp eine Woche vor Wahlbeginn besucht, sind jedoch wie viele noch unentschlossen, was den Kandidaten angeht. Für die 59-jährige Deb und die 62-jährige Deanne geht es darum, dass der neue Präsident vor allem „die Beziehungen zu anderen Staaten reparieren" müsse. „Wir haben einen Clown als Präsidenten!" meint Deb, die beim kommenden Caucus zum ersten Mal teilnehmen würde. Wer auch immer bei der Wahl am 3. November gewinnt, hat in jedem Fall viel zu tun. „Den nächsten Präsidenten beneide ich nicht", meint auch Terrill.

Senatorin Elizabeth Warren gilt neben Bernie Sanders als liberalste Kandidatin der Demokraten.
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Schaden durch Trumps Amtszeit möglichst begrenzen

Ernüchterung und der Wunsch nach Schadensbegrenzung von Donald Trumps Amtszeit ist bei vielen demokratisch gesinnten Wählern in Iowa ganz vorne auf der Agenda. Das betrifft auch die Engagements der USA im Ausland. In den umliegenden Counties von Council Bluffs ist die Präsenz des Militärs spürbar. Die Werbeplakate der US-Armee stechen auch zwischen den zahllosen Maisfeldern gut sichtbar hervor. Auch Council Bluffs hat, wie viele andere Kleinstädte in Iowa, ein eigenes Rekrutierungsbüro der US-Armee. Das extensive Engagement des US-Militärs im Ausland sehen jedoch viele auch kritisch. „Deswegen hasst uns ja jeder" , meint Deb. Auch Debs Sohn dient in der US-Armee – derzeit in Deutschland.

Der Bürgermeister der Kleinstadt South Bend, Indiana, Pete Buttigieg schwang sich in den Kandidat der engeren Favoriten auf.
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In einer Wahlveranstaltung von Pete Buttgieg im Carrollton Centre, knapp 2 Autostunden vom Stadtzentrum Council Bluffs entfernt, werden am Samstagabend viele Probleme geäußert, die auch schon bei den bundesweiten TV-Debatten der demokratischen Spitzenkandidaten dominiert haben: Das marode US-Gesundheitssystem, die systemische Waffengewalt, unzureichende Wasserversorgung sowie Obdachlosigkeit und mentale Gesundheit. Im Fall von Iowa kommt auch Religion als zusätzlicher Faktor hinzu. „Ich habe es satt, als Demokratin immer dargestellt zu werden, als wäre ich automatisch gegen Christus", so eine Besucherin der Town Hall in der Fragezeit mit Pete Buttigieg.

Die Termine bei den US-Vorwahlen.
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In den letzten Umfragen für Iowa wechseln einander Joe Biden und Bernie Sanders an der Spitze ab, gefolgt von Pete Buttigieg, Elizabeth Warren, der Senatorin aus Massachusetts und ihrer Senatskollegin Amy Klobuchar aus Minnesota.


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