Gut zu wissen: So schützt man sich vor dem neuen Coronavirus

Seit seinem ersten Auftreten vor einem Monat breitet sich das neue Virus aus Fernost sprunghaft aus. Ob man sich Sorgen machen muss, wie die Übertragung erfolgt, wie die Symptome aussehen und wie man sich am besten schützen kann, lesen Sie hier.

Eine Frau in Peking schützt sich mit einer Gesichtsmaske.
© AFP/Celis

Wien, Wuhan – Jeden Tag mindestens eine neue Hiobsbotschaft: Mit der Ausbreitung des neuen Coronavirus (2019-nCoV) ist die Zahl der Toten in China am Samstag auf über 250 gestiegen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden mittlerweile über 11.790 Infizierte in Festland-China registriert. Zudem wurden rund 150 Coronavirus-Infektionen in 25 weiteren Ländern bestätigt. In Österreich gibt es immer wieder Meldungen über Verdachtsfälle, bestätigt wurde bisher allerdings keiner von ihnen.

Bisher bekannte Antworten auf wichtige Fragen rund um die Lungenkrankheit:

Wie erfolgt die Übertragung?

Die Übertragung des neuartigen Coronavirus passierte – wie bei anderen Coronaviren – von Tier zu Mensch. Nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen hat das Virus seinen Ursprung im Huanan Seafood-Großhandelsmarkt, einem Markt für Meeresfrüchte in Wuhan und wurde offenbar von Fledermäusen auf Schlangen und dann auf den Menschen übertragen. Auf diesem Markt wird mit lebenden und frisch geschlachteten Tieren gehandelt, auch Schlangen werden in China gegessen. Der Markt wurde bereits Anfang des Jahres von den chinesischen Behörden geschlossen. Die genaue Herkunft des Virus ist aber noch unklar. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist laut WHO nachgewiesen.

📽 Video | Infektologe Florian Thalhammer über das Virus

Wodurch ist das Coronavirus gekennzeichnet?

Da die Gensequenz des neuen Virus früh von Wissenschaftern bestimmt und öffentlich zugänglich gemacht wurde, ist bekannt, dass es sich bei dem neuen Erreger um ein Beta-Coronavirus handelt, das genetisch zu über 80 Prozent mit dem SARS-Coronavirus übereinstimmt. Die Familie der Coronaviren umfasst zahlreiche mit einer Hülle umgebene Viren mit einem Genom aus einer Einzelstrang-RNA. Sie sind genetisch sehr variabel und können verschiedene Wirtsorganismen befallen. Die häufigsten Coronaviren, die beim Menschen Infektionen und Symptome auslösten, seien das Alphacoronavirus 229E und das Betacoronavirus OC43, erklärte Elisabeth Puchhammer-Stöckl vom Zentrum für Virologie in Wien. Beide können harmlos verlaufende Atemwegsinfektionen verursachen. Dem SARS-Virus, das seinen Weg ebenfalls in China begann, und bei betroffenen Personen schwere Pneumonien verursachte, fielen weltweit an die 800 Menschen zum Opfer. Das seit 2012 bekannte MERS-Coronavirus, wird vor allem auf der arabischen Halbinsel über Dromedare sporadisch auf Menschen übertragen und kann bei den Betroffenen ebenfalls lebensbedrohliche Pneumonien verursachen.

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Welche Symptome gibt es?

Laut WHO löst das neue Virus Atembeschwerden, Fieber und Husten aus. In schwereren Fällen kann es eine Lungenentzündung verursachen, und zu Nierenversagen und zum Tod führen. Todesfälle traten bisher vor allem bei Patienten auf, die bereits zuvor an schweren Grunderkrankungen litten bzw. älter waren. Die Coronavirus-Erkrankungen, auch jene, die jetzt in Europa festgestellt wurden, sind alle mit Reisen nach Wuhan etc. in China oder Ansteckungen mit betroffenen Personen in Verbindung zu bringen.

Die echte Grippe ist aktuell bei uns viel näher und gefährlicher als das Coronavirus.
Rudolf Anschober (Gesundheitsminister)

Wie unterscheidet sich das Virus von Influenza?

Da in Österreich derzeit eine Grippewelle herrscht, muss abgeklärt werden, ob ein Kontakt mit dem neuen Coronavirus überhaupt möglich gewesen sein kann. Empfohlen wird, sich im Fall eines Verdachts in Österreich an die Rettung zu wenden oder an Ärzte bzw. Allgemeinmediziner. Auch bei der „Gesundheits-Hotline" unter der Telefonnummer 1450 bekommt man Informationen. Nach wie vor wird gegen Influenza die in Österreich erhältliche Impfung empfohlen. „Die echte Grippe ist aktuell bei uns viel näher und gefährlicher als das Coronavirus, man kann sich aber schützen. Den wirksamsten Schutz bietet die Influenza-Impfung – auch während der Grippesaison", sagte Gesundheitsminister Anschober. In der vorigen Grippesaison starben in Österreich nach Expertenschätzungen über 1000 Menschen an den Folgen der Grippe.

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Wie kann man sich schützen?

Um generell die Ausbreitung von Infektionskrankheiten der Atemwege zu vermeiden, sollte besonders in Regionen mit Fällen des neuartigen Coronavirus auf gute Händehygiene geachtet werden und die Husten- und Nies-Etikette sowie Abstand zu Erkrankten eingehalten werden. In Anbetracht der herrschenden Grippewelle sind diese Maßnahmen derzeit aber überall und jederzeit angeraten. Eine Impfung wird wohl nicht vor 2021 erhältlich sein. Eine rasche Weiterverbreitung innerhalb der EU wird bei der Einhaltung von krankenhaushygienischen Maßnahmen und entsprechender Kontaktnachverfolgung derzeit als gering eingestuft, hieß es vom Gesundheitsministerium.

📽 Video | So kann man sich vor der Infektion schützen

Schutzmaßnahme Hygiene

● Hände gründlich (über 20 Sekunden) mit Wasser und Seife waschen, dann sorgfältig mit einem sauberen Tuch abtrocknen

● Schleimhäute von Augen, Mund und Nase so wenig wie möglich mit den Händen berühren

● Händeschütteln möglichst vermeiden und Abstand zu niesenden oder hustenden Personen halten

● wenn kein Taschentuch griffbereit, beim Husten und Niesen die Armbeuge vor Mund und Nase halten und sich dabei von anderen Personen abwenden

● nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten gründlich die Hände waschen

● bei Krankheitssymptomen zu Hause bleiben

Besteht in Österreich Grund zur Sorge?

Nein, wie mehrere Experten, etwa der medizinische Direktor des Wiener KAV, Michael Binder und auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonen. „Wir können der weiteren Entwicklung mit professioneller Gelassenheit entgegenblicken", sagte Binder vergangenen Sonntag. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg stellte ebenfalls fest, dass es in Tirol „keinen Grund zur Berunruhigung" gibt. Im Falle von Fieber handle es sich derzeit mit viel höherer Wahrscheinlichkeit um Influenza als um das neue Coronavirus.

Selbst im Fall einer Erkrankung mit dem Virus in Tirol sei die Gefahr einer ausgedehnten Weiterverbreitung in der Bevölkerung als niedrig einzustufen: Das Coronavirus dürfte zwar etwas ansteckender sein als Influenza und Zeichen eines tiefen Atemwegsinfektes zeigen. Die Fälle in China mit tödlichem Ausgang hätten aber vorwiegend ältere Personen mit Vorerkrankungen oder mit bereits geschwächtem Immunsystem betroffen. „Die Krankenhäuser und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Tirol für den Fall einer Coronavirus-Erkrankung ungeachtet dessen bestens vorbereitet“, so LR Tilg.

Die dafür notwendigen Labortests stehen zur Verfügung. Patienten mit verdächtigen Symptomen nach einem Aufenthalt in der Provinz Hubei in China oder nach Kontakt zu einem Erkrankten müssten im Krankenhaus in Quarantäne, also in eine vorübergehende Isolierung in ein Einzelzimmer. „Darauf sind die Krankenhaushygieneteams vorbereitet. So beugt man einer Ansteckung anderer Menschen vor“, erklärt Tilg.

In ganz Österreich seien die Spitäler laut Anschober gut gerüstet, Pläne – die im Fall der Grippe ohnehin laufen – seien aktiv. Die internationale Zusammenarbeit zwischen den Institutionen funktioniere auch sehr gut, so der Gesundheitsminister.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erst am Donnerstag eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" ausgerufen. Damit sind konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg möglichst einzudämmen. Noch sei die Zahl der Infektionen außerhalb Chinas aber relativ gering, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde.

Für Österreich habe dieser Notstand laut Anschober "vorerst keine unmittelbaren Konsequenzen". Die Verhängung der Notlage erfolgte wegen des Ausbruchs des Coronavirus in China und sei "vorwiegend eine Präventivmaßnahme, um vor allem jenen Ländern schneller helfen zu können, die ein weniger entwickeltes Gesundheitssystem haben".

Wie sollten Reiserückkehrer aus China vorgehen?

ReiserückkehrerInnen aus der Provinz Hubei in China, die Fieber, Husten oder Atemprobleme innerhalb von 14 Tagen nach einem dortigen Aufenthalt oder nach Kontakt mit einem nachgewiesenermaßen am Virus Erkrankten, bekommen, sollten am besten zu Hause bleiben und einen Arzt telefonisch kontaktieren. Mund und Nase sollen, wenn man hustet oder niest, mit einem Papiertaschentuch oder mit der Armbeuge abgedeckt werden – nicht mit den Händen.

Wie wird verhindert, dass sich das Virus weiter ausbreitet?

Ein Versuch, die Verbreitung des Virus einzudämmen, sind so genannte Entry-Screenings an Flughäfen. Mit Wärmebildkameras werden die ankommenden Reisenden daraufhin untersucht, ob sie Fieber haben könnten. Eine Studie aus dem Jahr 2015 kam jedoch zu dem Schluss, dass diese Maßnahme nicht sehr effektiv ist. So seien in Singapur 2009 von 116 Schweinepest-Infizierten nur 15 am Flughafen entdeckt worden. In Japan konnten nur 10 von 151 Reisenden mit Schweinepest herausgefiltert werden. Das Problem dabei: Reisende können bereits infiziert sein und das Virus in sich tragen, ohne dabei schon Symptome wie Fieber zu entwickeln.

Sinnvoller seien: Exit Screenings – also Kontrollen bei der Ausreise. Wuhan hat diese eingeführt. Und nicht nur das – um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, haben die chinesischen Behörden wichtige Verkehrsverbindungen von und nach Wuhan gekappt: Busse, U-Bahnen, Züge, Fähren und auch der Flugverkehr wurden vorerst gestoppt. (TT.com, APA)

So hat sich das Virus bisher verbreitet

Dezember 2019: Erste Infektionen werden bekannt. Sie sollen auf einen Markt in der Millionenstadt Wuhan zurückgehen, wo Fische und Wildtiere verkauft werden.

31. Dezember: Bisher seien 27 Erkrankte identifiziert worden, teilt die Gesundheitsbehörde in Wuhan mit. Die Ursache der Erkrankungen gibt noch Rätsel auf.

6. Jänner 2020: Angaben aus Wuhan zufolge ist die Zahl der Erkrankungen auf 59 gestiegen, Verdachtsfälle gibt es in Hongkong und Singapur. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schaltet sich ein.

9. Jänner: Experten identifizieren laut WHO als Erreger das neue Coronavirus.

11. Jänner: Chinas Behörden melden einen ersten Todesfall, sieben Patienten seien in kritischem Zustand.

14. Jänner: Der Erreger wird laut WHO in Thailand und damit erstmals im Ausland nachgewiesen. Dem Berliner Virologen Christian Drosten zufolge handelt es sich um ein Sars-Virus – ähnlich dem bei der Sars-Pandemie 2002/03. Sars steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome", also Schweres Akutes Atemwegssyndrom.

20. Jänner: Das Coronavirus sei von Mensch zu Mensch übertragbar, berichten chinesische Experten. Die Zahl der bestätigten Infektionen ist nach Angaben aus Wuhan auf 200 gestiegen, bei drei Todesfällen.

22. Jänner: Trotz rasanter Zunahme der Infektionen ruft die WHO keine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" aus. Die Zahl der Toten in China sei auf 17 gestiegen, heißt es aus Wuhan. Londoner Forscher schätzen die Zahl der Infizierten bereits auf mehr als 4000.

24./25. Jänner: Das Coronavirus hat Europa erreicht, in Frankreich werden drei Fälle bekannt. Aus Angst vor weiterer Verbreitung werden in China inzwischen mehr als 43 Millionen Menschen weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. Die Behörden sprechen nun von 41 Toten. Fälle gibt es auch in den USA, Japan, Südkorea, Thailand, Vietnam, Nepal, Singapur, Taiwan und Australien. In Wien wird eine Frau mit Verdacht auf die Krankheit ins Kaiser-Franz-Josef-Spital gebracht, doch gibt es schon tags darauf Entwarnung.

26. Jänner: Die chinesischen Behörden sprechen von rund 2000 Infizierten und 56 Todesfällen. Außerhalb des Landes gibt es nach Angaben der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC 38 bestätigte Fälle. Am Abend gibt der Wiener Krankenanstaltenverbund einen weiteren Verdachtsfall in der österreichischen Hauptstadt bekannt.

27. Jänner: Die Zahl der Toten ist nochmals um 25 auf 81 gestiegen. Innerhalb eines Tages klettert die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuen Coronavirus um mehr als 700 auf 2744. Mit den rund 50 Fällen außerhalb Chinas sind damit bisher knapp 2800 Fälle weltweit bestätigt. In Deutschland wird am Abend der erste Krankheitsfall bekannt.

28. Jänner: Bestätigung von erster Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb Asiens und mehr als hundert Todesopfer in China. Der erste Fall in Deutschland erweist sich als der erste bekannte Fall einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb Asiens. Der 33-jährige Patient steckte sich nach Behördenangaben wohl bei einer aus China angereisten Kollegin an.

29. Jänner: Die Weltgesundheitsbehörde WHO hat angesichts der Ausbreitung des Virus erneut darüber beraten, ob sie einen weltweiten Gesundheitsnotstand ausrufen soll. In China stieg die Zahl der Todesfälle indes um 38 auf 170.

30. Jänner: Trotz drastischer Maßnahmen steigt die Zahl der mit dem neuen Coronavirus Infizierten in China auf 7.830 an. In Bayern wurden fünf Infektionen bestätigt, in Italien zwei. Die WHO ruft am Abend den weltweiten Gesundheitsnotstand aus.

31. Jänner: Die Abschottung vor dem Virus aus China wird verschärft. China und das Ausland haben ihre Maßnahmen nochmals verschärft. Die US-Regierung gab eine Reisewarnung für China aus, Singapur und die Mongolei wollen keine Chinesen oder Reisende aus China mehr ins Land lassen. Auch Österreich erhöhte seine Sicherheitsstufe und gab eine partielle Reisewarnung für die Krisenregion in China aus. Nach den sechs Infektionen in Bayern haben weitere Tests bei der betroffenen Firma Webasto im Landkreis Starnberg indes vorerst keine weiteren Erkrankungen ergeben.

1. Februar: Die Zahl der Infizierten in China ist auf knapp 12.000 gestiegen. Mit 46 neuen Todesfällen sind 259 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben. In Österreich wurden am Samstag mehrere Verdachtsfälle gemeldet, bestätigt wurde keiner.


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