Vier Coronavirus-Infektionen in Bayern, zwei Verdachtsfälle in Südtirol

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Virus ging in Wuhan mit rund 200 Fällen weniger als am Vortag erstmals zurück. In Bayern wurden am Dienstagabend drei neue Ansteckungen bestätigt, aus Südtirol wurden am Mittwoch zwei Verdachtsfälle gemeldet. Sieben Österreicher befinden sich indes noch im betroffenen Gebiet in China.

Weltweit versuchen sich Menschen (hier in Moskau) mit Gesichtsmasken vor dem Virus zu schützen.
© AFP/Nemenov

Wuhan, Wien, Bozen – Immer mehr österreichische Staatsbürger melden sich aus der vom Coronavirus besonders betroffenen chinesischen Provinz Hubei beim Außenministerium. „Mittlerweile gibt es dort sieben Österreicher, die wir bei ihrer Ausreise aus Hubei unterstützen", sagte Außenministeriumssprecher Peter Guschelbauer am Mittwoch. Die sieben Österreicher sollen noch „vor dem Wochenende" heimgeholt werden.

Alle sieben „sind wohlauf", sagte Guschelbauer. Sie waren „teils aus beruflichen, teils aus privaten Gründen" nach China gereist. Ihre Rückholung erfolge „in enger Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern, allen voran Frankreich und Deutschland", erklärte Guschelbauer.

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Die Provinz Hubei ist großteils abgeriegelt, was die Ausreise von Ausländern erschwert. Die Europäische Union will Hunderte von EU-Bürgern aus China herausholen. Die erste Maschine sollte nach Angaben der EU-Kommission am Mittwoch in der Früh in Frankreich starten und etwa 250 Franzosen nach Hause fliegen. Das zweite Flugzeug solle im Laufe der Woche folgen und mehr als 100 Europäer aus anderen EU-Ländern heimbringen, teilte die Kommission mit.

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Zwei Verdachtsfälle in Südtirol

Auch in Südtirol gibt es derzeit zwei Coronavirus-Verdachtsfälle. Die beiden Personen würden sich zur Abklärung in der Infektionsabteilung des Landeskrankenhauses Bozen befinden, teilte der Südtiroler Sanitätsbetrieb am Mittwoch mit. Beide Patienten waren in den vergangenen Zehn Tagen in China und klagten nun über Fieber.

Sie wurden mit einem Rettungsfahrzeug unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen Vorsichtmaßnahmen in das Landeskrankenhaus Bozen eingeliefert, hieß es. Rachen- und Mundabstriche wurden bereits an das zuständige Speziallabor in Rom geschickt. Bis zu einem Ergebnis der Analysen könne nicht von einer Infektion gesprochen werden, betonte der Südtiroler Sanitätsbetrieb.

Erste parallel vom Sanitätsbetrieb vorgenommene Test hätten eine Grippeinfektion (Influenza A) ergeben, was die Wahrscheinlichkeit einer zusätzlichen Infektion durch das Coronavirus reduziere, hieß es. Bei einem dritten möglichen Verdachtsfall wurde Mittwochnachmittag erst die Anamnese durchgeführt.

Erstmals Infektion in Finnland bestätigt

In Finnland ist erstmals eine Infektion bestätigt worden. Eine Touristin aus der chinesischen Millionenstadt Wuhan sei während eines Aufenthalts in Lappland positiv auf das Virus getestet worden, teilte die finnische Gesundheitsbehörde THL am Mittwochnachmittag mit.

Sie befinde sich in einem Krankenhaus der Stadt Rovaniemi in Isolation. Finnischen Medien zufolge soll es sich um eine 32-Jährige handeln. Grund zur Besorgnis bestehe nicht, erklärte THL-Direktor Mika Salminen. Nach Frankreich und Deutschland ist Finnland damit das dritte EU-Land, in dem die neue Lungenkrankheit nachgewiesen worden ist.

Entwarnung in Wien und Klagenfurt

In Wien gab es unterdessen auch beim jüngsten Coronavirus-Verdachtsfall Entwarnung. Bei der Betroffenen wurde eine milde Grippe-Symptomatik festgestellt, hieß es am Dienstag aus dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV). Die chinesische Touristin wurde erst an der Rudolfstiftung in der Notfallaufnahme behandelt und dann in der Medizinischen Abteilung des Kaiser-Franz-Josef-Spital aufgenommen.

Informationen zu aktuellen Verdachtsfällen

Die Frau stammt aus der südchinesischen Provinz Guangdong und klagte über Halsschmerzen. Sie ist somit der fünfte Coronavirus-Verdachtsfall in Wien, der sich als negativ herausstellte. Zuletzt hatten sich am Montag eine Frau und ein Mann unabhängig voneinander selbstständig in Krankenhäuser begeben, sie wiesen nach einer China-Reise grippeähnliche Symptome auf. Beide wurden ebenso auf der 4. Medizinische Abteilung im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital behandelt. Dort wurde von den Ärzten am Dienstag schließlich Entwarnung gegeben.

Entwarnung hatte es am Dienstag auch aus Klagenfurt gegeben. Ein Klagenfurter, der unter Schnupfen und Husten litt, hatte sich nach einer Chinareise in eine betroffene Region bei den Behörden gemeldet. Das Ergebnis der Untersuchung verlief negativ.

Weniger Neuerkrankungen in China

In China gibt es derweil offenbar erste Erfolge bei der Eindämmung des neuen Coronavirus. Wie aus am Mittwoch in Peking veröffentlichten Zahlen hervorgeht, ist die Zahl der Neuinfektionen erstmals zurückgegangen. Konkret wurden am Dienstag 1459 neue Fälle bestätigt, während es am Montag 1.700 gewesen waren. Die Zahl der Todesopfer stieg um 26 auf 132. Am Montag waren 24 Tote verbucht worden.

📽 Video | Coronavirus breitet sich langsamer aus

Nach dem Ausbruch der Krankheit in der Provinz Hubei hatten die Behörden drastische Eindämmungsmaßnahmen verhängt, von Ausreisesperren bis zum kompletten Stopp des öffentlichen Nahverkehrs. Den aktuellen Zahlen zufolge bleibt die Krankheit weiterhin stark auf die Provinz Hubei begrenzt. So wurde am Dienstag lediglich ein neuer Todesfall außerhalb der Provinz vermerkt.

Drei weitere bestätigte Fälle in Bayern

In Deutschland gibt es bisher vier Krankheitsfälle, diese alle in Bayern. Zunächst war die neue Lungenkrankheit bei einem 33 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Landsberg am Lech nachgewiesen worden. Er hatte sich in seiner Firma in einem Vorort von München bei einer Kollegin aus China infiziert. Am Dienstagabend teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit, dass sich drei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. „Auch diese Patienten sind Mitarbeiter der Firma aus dem Landkreis Starnberg", hieß es weiter.

Die vier Betroffenen wurden in der München Klinik Schwabing stationär aufgenommen und dort medizinisch überwacht und isoliert, wie das Ministerium mitteilte. Sie befänden sich im klinisch gutem Zustand. „Bei einigen weiteren Kontaktpersonen läuft derzeit ein Test, ob auch hier eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegt." Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte: „Es wurden insgesamt rund 40 Mitarbeiter der Firma ermittelt, die als enge Kontaktpersonen in Frage kommen. Die Betroffenen sollen am Mittwoch vorsichtshalber getestet werden." Dann will das Ministerium auch per Pressemitteilung über den aktuellen Sachstand informieren.

📽 Video | Drei weitere Fälle in Bayern

Der betroffene Autozulieferer Webasto schloss wegen des Krankheitsausbruchs seine Firmenzentrale im Landkreis Starnberg bis Sonntag. Bis dahin sollen Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Für China gelte sogar eine Sperre für zwei Wochen. Alle vier Betroffenen arbeiten in der Firmenzentrale, wo insgesamt rund tausend Menschen arbeiten. Das Unternehmen sei in engem Austausch mit den Behörden und orientiere sich an den Empfehlungen des Roland-Koch-Instituts.

Die vier Betroffenen werden in der München Klinik Schwabing medizinisch überwacht und isoliert.
© dpa/Hoppe

Höhepunkt des Virus-Ausbruchs erst in einer Woche

Nach Einschätzung eines führenden chinesischen Lungenexperten wird der Virus-Ausbruch erst in sieben bis zehn Tagen seinen Höhepunkt erreichen. Wie der Chef des nationalen Expertenteams im Kampf gegen das Virus, Zhong Nanshan, am Mittwoch der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua sagte, sind „frühe Entdeckung und frühe Isolation" entscheidend.

„Es ist sehr schwierig, definitiv vorherzusagen, wann der Ausbruch seinen Höhepunkt erreicht", sagte der renommierte Wissenschafter. „Aber ich denke, in einer Woche oder zehn Tagen wird der Höchststand erreicht werden – und danach wird es keinen Anstieg im großen Stil mehr geben." Eine Impfung sieht der Experte so schnell nicht. Die Entwicklung werde drei bis vier Monate oder auch länger dauern.

Ansteckung und Krankheitsverlauf des Virus.
© APA-Grafik

Der neuartige Erreger gleiche vom Ursprung her einem Virus, das 2017 in Fledermäusen entdeckt worden sei. Das 2019-nCov genannte neue Virus habe vermutlich einen Zwischenwirt in einem wilden Tier, sagte Zhong Nanshan. Es wird vermutet, dass das Virus seinen Ausgang auf einem Markt in der zentralchinesischen Stadt Metropole hatte, wo auch Wildtiere zum Verzehr verkauft wurden.

Er glaube nicht, dass der Ausbruch so lange dauern werde wie die Sars-Pandemie vor 17 Jahren, die sechs Monate dauerte. Sars steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome", also Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Es war anfangs vertuscht worden, so dass es Monate dauerte, bis das ganze Ausmaß bekannt wurden. Rund 8.000 Menschen erkrankten, 800 starben damals.

Australischen Forschern gelang erste Virus-Nachzüchtung

Australische Forscher berichteten indes von einem „bedeutenden Durchbruch" auf der Suche nach einem Gegenmittel für das neue Virus. Im Labor des Peter Doherty Institut für Infektionen und Immunität in Melbourne gelang es, das Virus nachzuzüchten. Es sei einem infizierten Patienten entnommen worden. „Mit dem echten Virus haben wir jetzt die Möglichkeit, alle Testmethoden zu validieren und zu verifizieren und ihre Empfindlichkeiten und Besonderheiten zu vergleichen", sagte Julian Druce, Leiter des Labors.

Nun könne in Zusammenarbeit mit anderen Instituten und der Weltgesundheitsorganisation WHO an einem Impfstoff gearbeitet werden.

Einsatz von HIV-Medikamenten gegen Virus

In der südchinesischen Stadt Shenzhen haben einem Medienbericht zufolge klinische Studien zum möglichen Einsatz von HIV-Medikamenten gegen das neue Coronavirus begonnen. Das berichtete die staatlich unterstützte Finanzzeitung Securities Times unter Berufung auf einen Beamten der nationalen Gesundheitskommission.

An der Suche nach möglichen Wirkstoffen zur Behandlung des neuen Coronavirus war auch das steirische Startup Innophore beteiligt gewesen. Das Unternehmen hatte den aus der HIV/Aids-Behandlung bekannten Wirkstoff Lopinavir vorgeschlagen, wobei eine von den Grazern entwickelte „Suchmaschine für Enzyme" eingesetzt worden war.

Mit insgesamt 5974 Erkrankten ist die Zahl der Fälle mittlerweile höher als seinerzeit bei der Sars-Epidemie. In den Jahren 2002 und 2003 waren 5327 Menschen in Festlandchina durch Sars erkrankt. Außerhalb von China wurden bisher insgesamt etwa 50 Fälle von Infektionen mit dem Virus verzeichnet, sie verteilen sich auf 15 Länder. (APA/Reuters/AFP/dpa/TT.com)


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