Eiskunstläuferin Abitbol klagt an: Entrüstung in Frankreich über Missbrauchs-Enthüllung

Die mehrfache Medaillengewinnerin Sarah Abitbol brach ihr Schweigen. Als 15-Jährige sei sie von ihrem Trainer mehrere Jahre lang missbraucht worden. Weitere Sportler meldeten Übergriffe.

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2001 gewann Sarah Abitbol Bronze bei der EM. Ihre Enthüllungen schockten eine ganze Nation.
© OLIVIER MORIN

Paris – Die ehemalige französische Eiskunstläuferin Sarah Abitbol hat schwere Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen Trainer erhoben und in Frankreich für Entsetzen gesorgt. „Ich wurde vergewaltigt, als ich 15 Jahre alt war. Es war das erste Mal, dass mich ein Mann berührte“, sagte Abitbol der Zeitung L‘Obs. Die Übergriffe hätten zwischen 1990 und 1992 stattgefunden.

Der Trainer habe sie damals in Umkleideräumen, auf dem Parkplatz oder anderswo missbraucht, gab die heute 44-Jährige an. Abitbol wurde im Jahr 2000 WM-Dritte im Eiskunstlauf und holte bei Europameisterschaften mehrfach die Silber- und Bronzemedaille. „Ich erwarte von den Verbänden (...) ein echtes Engagement und einen Mentalitätswandel“, forderte Sportministerin Roxana Maracineanu am Donnerstag im Sender France Inter.

Nach den Recherchen von L‘Obs war Abitbol nicht die einzige Eiskunstläuferin, die missbraucht wurde. Auch andere junge Mädchen waren demnach Opfer des Trainers, einige meldeten dies damals auch den Verbänden. Im Zuge einer Untersuchung gegen den Trainer im Jahr 2000 verlor dieser einen wichtigen Sport-Posten beim Ministerium. Allerdings hat er bis heute wichtige Funktionen in der Eislaufbranche inne.

Konfrontiert mit den Vorwürfen habe er nicht explizit auf die Anschuldigungen von Abitbol reagiert, so L‘Obs. Die Anschuldigungen einer anderen Eisläuferin hat er demnach bestritten und außerdem auf ein eingestelltes Verfahren im Jahr 2002 verwiesen. Am Mittwoch beschuldigten außerdem mehrere ehemalige hochrangige Eiskunstläufer und Schwimmer in der Sportzeitung L‘Equipe ehemalige Trainer, sie als Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. (APA,dpa)


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