Sorge wegen Schweinepest: Maßnahmenkatalog für Tirol erarbeitet

Fälle von Afrikanischer Schweinepest gibt es bereits in Osteuropa. In Tirol rechnet man mit der Einschleppung des Virus, nun wird ein Maßnahmenkatalog erarbeitet.

Über infizierte Wurst und Fleischwaren kann sich das äußerst ansteckende Virus verbreiten.
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Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien – Die Afrikanische Schweinpest – die Wild- und Hausschweine befällt – breitet sich seit 2014 vor allem in Osteuropa aus. Seit dieser Woche ist ein Fall in der Nähe von Budapest bekannt, die Tierseuche rückt damit noch näher an Österreich heran. Im Burgenland sind die Behörden alarmiert und rüsten sich gemeinsam mit Bauern und Jägern gegen die Ausbreitung.

Dass Handlungsbedarf besteht, bestätigt Simon Stockreiter vom Gesundheitsministerium, wo sich Experten seit Langem mit dem Thema beschäftigen. „Wir gehen davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis uns in Österreich das Virus betrifft“, so Stockreiter. Seit zwei Jahren setzt man daher auf eine Infokampagne. Unter anderem wird an Rastplätzen der Autobahnen darauf aufmerksam gemacht, keine Fleisch- oder Wurstspeisereste wegzuwerfen, die von infizierten Tieren stammen können, denn so kann das Virus auf heimische Wildschweine, die die Tonnen plündern, übertragen werden.

2019 wurden bei knapp 2200 Kontrollen 13.442 kg illegal eingeführte tierische Produkte beschlagnahmt.
Gerhard Marosi (Finanzministerium)
Gerhard Marosi.
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„Sind die Tiere einmal angesteckt, endet die Krankheit eigentlich immer tödlich. Bei Hausschweinen muss dann der ganze Bestand getötet, der Hof desinfiziert und alle Betriebe im Umkreis veterinärbehördlich geprüft werden“, erklärt Stockreiter. Um Österreich so lange wie möglich schweinepestfrei zu halten, wurde Ende 2019 eine weitere Maßnahme ergriffen. Im Auftrag des Gesundheitsministeriums „haben wir die mobilen Kontrollen des Reiseverkehrs aus Drittstaaten intensiviert“, sagt Gerhard Marosi vom Finanzministerium. Kontrolliert werden Pkw, Lkw und Busse auf illegal eingeführte tierische Produkte. Fündig ist man dabei bereits im vergangenen Jahr geworden. „Bei knapp 2200 Kontrollen im Reiseverkehr und an den Flughäfen wurden 13.442 Kilogramm illegale Erzeugnisse beschlagnahmt“, so Marosi. Auch in Tirol rüstet man sich intensiv für den Worst Case. „Wir haben mit der Infokampagne des Ministeriums schon bisher die 1700 Betriebe mit Schweinehaltung auf den neuesten Stand gebracht. Nächste Woche planen wir zudem ein Treffen mit den Veterinärbehörden, um einen Maßnahmenkatalog zu erstellen“, so Rudolf Hußl von der Landwirtschaftskammer Tirol. Sorgen macht sich der Tierzuchtdirektor vor allem um die Almschweine, die im Sommer auf rund 80 Almen kommen, und die Bioschweine, denen die rund 40 in Tirol produzierenden Betriebe laut Gesetz Freilauf geben müssen. „Es geht um praktikable Lösungen, wie wir im Fall der Schweinepest verfahren werden. Wenn Gefahr besteht, geht es um Zäune oder andere Schutzmaßnahmen.“ Im Ernstfall kann laut Hußl die gesamte Freilandhaltung von Schweinen zum Problem werden.

In puncto Wildschweine braucht sich Tirol weniger Sorgen zu machen, wie Landesjägermeister Anton Larcher sagt. „Wir haben einfach wenige Wildschweine bei uns. Dennoch bereiten wir uns auf das Virus vor.“ Anders sieht Larcher die Lage bei den Hausschweinbeständen. „Da ist der Mensch der Hauptüberträger, vor allem durch mangelnde Hygiene, denn das Virus ist auch über Kleidung und Schuhe übertragbar. Und wenn man da nicht restriktiv ist, kann die Schweinepest schon in einem Jahr in Österreich sein“, sagt Larcher.

Keine Gefahr für Menschen

Die Afrikanische Schweinepest ist eine äußerst ansteckende Seuche. Sie befällt Haus- und Wildschweine, stellt jedoch für andere Tiere und Menschen keine Gefahr dar. Der Erreger, ein Virus, ist sehr widerstandsfähig. Er kann Wochen bis Monate in Fleisch und Fleischwaren sowie in Schlachtabfällen überleben, in gefrorenem Fleisch sogar mehrere Jahre, informiert das Gesundheitsministerium auf der Internetseite www.verbrauchergesundheit.gv.at (wa)


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