Syrische Truppen töteten sechs türkische Soldaten: Vergeltungsschlag

Die Türkei habe das mit dem syrischen Regime verbündete Russland aufgefordert, sich in den eskalierenden Konflikt nicht einzumischen. 35 syrische Soldaten starben bei einem Vergeltungsschlag.

Die Türkei hat mit einer Gegenoffensive auf die Tötung von vier Soldaten bei einem Angriff der syrischen Regierungstruppen in der Provinz Idlib reagiert.
© Omar HAJ KADOUR / AFP

Istanbul – Die syrische Armee hat beim Vormarsch auf die letzte größere Rebellen-Hochburg in der Provinz Idlib nach Angaben der Regierung in Ankara sechs türkische Soldaten getötet. "Wir haben mit gleicher Münze zurückgezahlt", sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag. "Und wir werden das weiterhin tun – sei es mit Artillerie oder mit Granaten." 30 bis 35 syrische Soldaten seien "neutralisiert" worden.

Die Türkei habe das mit dem syrischen Regime verbündete Russland aufgefordert, sich in den eskalierenden Konflikt nicht einzumischen. Ankara und Moskau unterstützen gegnerische Seiten im Syrien-Krieg. Die Truppen des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad rücken seit Tagen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe im Nordwesten vor. Die Türkei, die Anti-Assad-Rebellen unterstützt, hat bereits 3,6 Millionen Syrer aufgenommen. Sie fürchtet einen weiteren Zustrom von Flüchtlingen aus dem Nachbarland im Süden.

Zuvor Ziele in Idlib zerstört

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums wurden bei dem syrischen Angriff auch neun türkische Soldaten verletzt. Die türkischen Truppen hätten darauf mehrere Ziele in Idlib zerstört. Assads Soldaten hätten angegriffen, obwohl sie zuvor auf die türkischen Stellungen hingewiesen worden seien. Nach Angaben aus türkischen Sicherheitskreisen ereignete sich der Angriff bei Saraqeb. Die Stadt liegt 15 Kilometer östlich der Regionalhauptstadt Idlib. Das Gebiet um Idlib und das nördlich von Aleppo bilden die letzte größere Region in Syrien, in dem die Rebellen nach neun Jahren des Bürgerkrieges noch die Kontrolle haben.

Am Samstag hatten von der Türkei unterstützte Rebellen Stellungen der Assad-Truppen nordöstlich von Aleppo attackiert und damit eine neue Front eröffnet. Der Angriff konzentrierte sich Rebellen zufolge auf ein Gebiet nahe der Stadt Al-Bab. Türkische Soldaten hätten sich an den Kämpfen nicht beteiligt.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Erdogan will Einsatz fortführen

"Wir sind entschlossen, unseren Einsatz fortzuführen für die Sicherheit unseres Landes, unseres Volkes und der Brüder in Idlib", sagte Präsident Erdogan in Istanbul vor der Abreise zu einem Besuch in der Ukraine. "Diejenigen, die an unserer Entschlossenheit zweifeln, werden bald begreifen, dass sie einen Fehler machen." Russland sei in der Region nicht das Gegenüber der Türkei, sondern direkt die syrische Regierung. Es sei nicht möglich, einen solchen Angriff unbeantwortet zu lassen, sagte Erdogan. "Wir werden weiter Rechenschaft dafür verlangen." An Russland gerichtet mahnte er: "Ihr solltet uns nicht im Wege stehen."

Das russische Militär teilte mit, die türkische Seite habe die Russen nicht über ihre Bewegungen informiert. Dabei seien sie unter Beschuss der syrischen Regierungstruppen gekommen, die gegen "Terroristen" westlich von Saraqeb vorgehen wollten. Das russische Präsidialamt äußerte sich besorgt, dass in Idlib noch immer militante Gruppen Angriffe ausübten.

In Idlib hat die Türkei zwölf Beobachtungsposten. Basis dafür ist das De-Eskalationsabkommen von 2018. Ein Sprecher von Erdogans regierender AK-Partei sagte, die Türkei erachte syrische Soldaten in der Nähe dieser Beobachtungsposten als "Ziele".

Türkei schickte Militärfahrzeuge nach Idlib

Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf Informanten an Ort und Stelle stützt und der Opposition nahesteht, hat die Türkei am Wochenende etliche Militärfahrzeuge in die Provinz Idlib geschickt. Es handle sich um rund 320 Lastwagen und Militärfahrzeuge. Das seien weit mehr als üblich. Erdogan hatte unlängst mit einer Militäroffensive im Nordwesten Syriens gedroht, sollte die Lage in Idlib nicht sofort geklärt werden.

Idlib ist nach fast neun Jahren Bürgerkrieg das letzte große Rebellengebiet. Die syrische Armee und ihre Verbündeten, darunter auch der Iran, hatten im vergangenen Jahr eine Offensive auf die Region um die Stadt Idlib im Nordwesten des Landes begonnen. Kontrolliert wird das Rebellengebiet von der Al-Kaida-nahen Islamisten-Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS). Syrien und Russland argumentieren , ihre Angriffe in der Region richteten sich gegen Terroristen. Die Gewalt hatte zuletzt zugenommen. Sie ging auch weiter, nachdem Russland vor drei Wochen eine neue Waffenruhe verkündet hatte. Erdogan hatte Russland vergangene Woche vorgeworfen, sich nicht an mit Ankara getroffene Absprachen zu halten. (APA/AFP)


Kommentieren


Schlagworte