Coronavirus: Traditionelle chinesische Medizin soll helfen

Shuanghuanglian, ein Heilmittel der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), das unter anderem Geißblatt enthält, soll gegen das Coronavirus helfen. Online ist das Mittel bereits ausverkauft.

Die Zahl infizierter Personen ist in China erneut sprunghaft angestiegen.
© AFP

Peking – Zum Schutz vor dem neuen Coronavirus sollen die Chinesen Menschenansammlungen meiden. Vor den Apotheken standen viele in den vergangenen Tagen dennoch Schlange. Sie hofften das Mittel Shuanghuanglian zu ergattern – eine pflanzliche Lösung, die gegen das Virus helfen soll.

Shuanghuanglian ist ein Heilmittel der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und enthält unter anderem Geißblatt. Am Freitag berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua über Erkenntnisse der angesehenen chinesischen Akademie der Wissenschaften, wonach die Mixtur das Coronavirus „hemmen" könne. Diese Nachricht löste einen Sturm auf die Händler aus. Inzwischen ist das Mittel auch online ausverkauft.

Die staatlichen Medien mahnen mittlerweile zur Vorsicht. Traditionelle Medizin solle nicht ohne ärztlichen Rat angewandt werden, hieß es in der Volkszeitung. Zhang Boli, einer der führenden Wissenschaftler bei der Bekämpfung der Epidemie, warnte im Sender CCTV vor möglichen Nebenwirkungen.

Viele angebotene Mittel von fraglicher Qualität

Doch die chinesische Führung versucht, die traditionelle chinesische Medizin in ihren Kampf gegen das Virus einzubeziehen. So wurden vergangene Woche auch TCM-Heilpraktiker nach Wuhan geschickt, um das medizinische Personal in der am stärksten betroffenen Stadt zu unterstützen. Wissenschafter der staatlichen Akademie erforschen gerade, ob pflanzliche Auszüge des Japan-Knöterichs Symptome lindern können.

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TCM wird seit mehr als 2000 Jahren in China praktiziert und ist in der Volksrepublik bis heute populär. Auch bei der Sars-Epidemie 2002 und 2003 kam die traditionelle Heilkunst ergänzend zur Schulmedizin zum Einsatz. Eine Studie von 2012 kam jedoch zu dem Schluss, die Kombination aus traditioneller und westlicher Heilkunde habe keine Vorteile gebracht.

Traditionelle Heilmittel könnten Symptome wie Fieber und Verschleimung lindern, ist Marc Freard von der Akademie für chinesische Medizin in Frankreich überzeugt. Viele der angebotenen Mittel seien jedoch von fraglicher Qualität und es fehlten wissenschaftliche Standards.

TCM für Präsident Jinping „Schatz der chinesischen Zivilisation"

Die traditionelle Medizin ist in China ein riesiger Markt. Mit umgerechnet fast 120 Milliarden Euro im Jahr 2016 macht er laut Xinhua ein Drittel des Umsatzes im Gesundheitssektor aus.

Die chinesische Regierung versuchte in den vergangenen Jahren verstärkt, die traditionelle Heilkunst auch im Ausland zu propagieren. 2016 verkündete sie den Plan, in afrikanischen und südostasiatischen Entwicklungsländern TCM-Zentren zu errichten und Heilpraktiker dorthin zu entsenden.

Präsident Xi Jinping nannte TCM einen „Schatz der chinesischen Zivilisation" und forderte, sie gleichberechtigt mit der Schulmedizin einzusetzen. Nach jahrelangem Lobbying nahm die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die traditionelle chinesische Medizin im vergangenen Jahr in den offiziellen Krankheits- und Behandlungskatalog auf. Europäische Wissenschafter kritisierten diese Entscheidung, da TCM nicht evidenzbasiert arbeite. (APA/AFP)


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