Fill hängte Skier endgültig an den Nagel: „Der größte Erfolg sind meine Kinder“

Kitzbühel-Sieger Peter Fill schnallte nach fast 18 Jahren im Weltcup seine Ski ab. Im TT-Interview spricht der 37-jährige Südtiroler über Fehler, Siege und Familie.

Nach 355 Weltcup-Rennen und zwei kleinen Kugeln im Abfahrts-Weltcup hörte der dreifache Familienvater Peter Fill in Garmisch auf.
© CHRISTOF STACHE

Herr Fill, Sie waren fast 18 Jahre lang im Weltcup unterwegs, haben zwei kleine Kugeln im Abfahrts-Weltcup sowie drei Rennen gewonnen (355 Weltcup-Starts). Als Sie die Entscheidung zum Rücktritt in Kitzbühel getroffen haben, sind Sie und Ihr Trainer in Tränen ausgebrochen. Wie schwierig ist es, nach der langen Zeit loszulassen?

Peter Fill: Es war sehr schwierig. Ich habe schon seit Längerem gewusst, dass es so kommen würde. Aber wenn man es laut ausspricht, dann packt es einen schon. Dabei ist mir die Idee für die Pressekonferenz in der Früh vor der Kitzbühel-Abfahrt gekommen. Nachdem ich ausgeschieden bin, bin ich zu meinem Trainer gefahren, der an der Strecke stand, und habe ihm gesagt: „Jetzt ist es Zeit.“ Wir sind beide in Tränen ausgebrochen.

Zeigen Ihnen solche Emotionen, wie sehr Sie am Sport hängen?

Fill: Auf jeden Fall. Wenn du siehst, wie sehr das deinem Trainer zu Herzen geht, dass du nicht mehr dabei bist, ist das schön zu sehen. Dabei haben mich die Emotionen schon überkommen, als ich alleine in Kitzbühel war. Da denkst du darüber nach, wie es ist, wenn du dein letztes Rennen bestreitest. Ich habe sehr viele Freunde im Weltcup gefunden – und ich werde das alles sehr vermissen.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Inwiefern hat Sie die Geburt Ihrer Tochter Maja im Sommer bei der Entscheidung zum Rücktritt beeinflusst (drittes Kind nach Leon/6 und Noah/3, Anm.)?

Fill: Gar nicht. Es war ein sehr schöner Moment, dass wir nach den beiden Buben ein Mädchen bekommen haben. Ich habe nicht gewusst, was es wird – meine Frau schon, aber ich wusste wiederum nicht, dass sie es wusste. Also war es eine positive Überraschung (lacht). Damit war meine Familie komplett. Und die wichtigsten Erfolge und Trophäen meines Lebens sind meine Kinder und meine Familie.

Wie hat es Ihr Leben als Vater verändert?

Fill: Anfangs hatte ich sehr große Angst, dass ich nichts mehr riskieren kann. Deshalb wollte ich lange keine Kinder haben. Aber der Nachwuchs hat mir stattdessen geholfen, lockerer und vollständiger zu werden. Seit ich eine Familie habe und für sie ein Haus gebaut habe, ist mein Leben richtig. Ich bin viel lockerer geworden und genieße den Sport mehr. Deshalb bin ich noch schneller geworden – und das sogar im Flachen, wo ich immer langsam war. Es haben sich also alle Ängste zum Positiven gewandelt.

Teamkollegen und Wegbegleiter ließen mit Fill in Garmisch noch einmal die Korken knallen.
© CHRISTOF STACHE

Welche Sporttrophäen schauen Sie sich am liebsten an, wenn Sie nach Hause kommen?

Fill: Der Sieg in Kitzbühel 2016 war mein größter Erfolg. Am selben Tag hat auch mein Sohn Leon den zweiten Geburtstag gefeiert, das macht das Ganze noch schöner. Der Sieg war ausschlaggebend, dass ich danach die zweite Kugel geholt habe. Jeder will in Kitzbühel einmal gewinnen, mir ist das gelungen, da bin ich mächtig stolz.

2013 kamen Sie in Kitzbühel schwer zu Sturz. Wann haben Sie Frieden mit der Streif geschlossen?

Fill: Das war im Jahr darauf, als mein Sohn zur Welt kam. Am Tag des einzigen Trainings hat mich meine Frau angerufen und gesagt, sie sei im Krankenhaus. Das Kind war zwei Wochen zu früh. Ich bin dann das Training gefahren, wieder zu weit runtergekommen, wieder Richtung Netz. Da habe ich mir gesagt: „Heute nicht!“ Gleich nach dem Training bin ich abgehauen, habe niemandem was gesagt. Da habe ich mit Kitzbühel Frieden geschlossen.

Bereuen Sie etwas, wenn Sie zurückblicken?

Fill: Nein. Natürlich ist man im Nachhinein schlauer, aber die Fehlentscheidungen haben mich geprägt und meine Karriere zu dem gemacht, was sie heute ist. Ich war immer ein Kämpfer, bin auch in schwierigen Zeiten wieder zurückgekommen. Darauf bin ich sehr stolz.

Das Gespräch führte
 Roman Stelzl


Kommentieren


Schlagworte