Vom Schmusi zum Schmollchi: Das war die fünfte „Bachelor"-Folge

Da legt sich der „Bachelor“ extra einen ausgezüngelten Schmachtplan zurecht – und dann vermasseln ihm die mundsportfaulen Mädels die Tortour. Die Bussi-Buße lässt da nicht lange auf sich warten. Ansonsten changiert am Stammeltisch alles zwischen Schmolltalk und Schmaltalk. Und Basti mutiert zum Allzweckpeiniger. Das stinkt bis zum siebten Himmel. Eine TV-Kritik.

Nein, der „Bachelor“ läuft noch nicht auf ORF2. So etwas nennt man heutzutage „Date“.
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Von Tamara Stocker

Wäre der „Bachelor“ ein Pokémon, dann wäre er ein Schlurp.
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Innsbruck – Kennen Sie Schlurp? Dieses rosarote Schlecker-Pokémon mit übergroßer Zunge, das alles ableckt, was sich ihm in den Weg stellt? Im real Life nennt man diese seltene Spezies auch „Bachelor“. Und für unseren Speichelfetischisten Sebastian ist dieses ganze Rosenverteiler-Game ja auch ein bisschen wie „Pokemon Go“. Er sackelt einfach alles ein, was ihm vor die Fleischluke kommt. Schließlich hat er eine Mission und will der Allerbeste sein, wie keiner vor ihm war. Und sein Plan geht auch auf, denn aktuell ist er der allerbeste Vollhonk, den RTL für diese Sendung jemals gecastet hat.

Beschnuppern, aber richtig

Folge fünf begeht der Begehrte nämlich frei unter dem Motto „Wer nicht fummelt, verliert“. Joah, Strafe muss auch sein, das weiß Knasti-Basti aus eigener Erfahrung. Wie können es die Frauen auch wagen, seine Charmelippen nicht zu huldigen? Was glauben die eigentlich, wer sie sind? Selbstbestimmte Frauen mit Stolz, Selbstachtung und eigenen Prinzipien? Pfah! Nur logisch, dass dieses fummelverweigernde Fehlverhalten vom bußenerfahrenen Basti sofort geahndet wird.

Mit dem „Bachelor“ ist für normal nicht gut Entenfüttern.
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Denn der hat mächtig Druck im Schlüppi und scheut sich nicht, diesen auch auf die Kandidatinnen auszuüben. „Ein paar Mädchen, finde ich, haben sich zurückgelehnt“, meckert er und fordert „die nächste Instanz“. Ich übersetze: Basti will knattern. Schluss mit den Mandeluntersuchungen, der Muskelbergdoktor möchte noch etwas tiefer bohren: „Ich muss wissen, wie entspannt ist das Mädchen, kann sie auch so ein bisschen kuscheln, wie riecht sie?"

Erstmal riecht es nach Kacke. Denn beim Gruppendate hat eine Ente aufs Boot geschissen – und damit ist nicht die volllippige Duckface-Leah gemeint. Nein, wir haben es hier mit einem echten Federvieh zu tun, das dem „Bachelor“ mit dieser Geste entweder die Meinung geigt, oder sich wirklich vor Angst ins Gefieder scheißt. Denn dem Schwanenwürger von München geht bei diesem Anblick freilich gleich einer ab – glücklicherweise drückt er das Entchen aber nur an seinen eigenen Hals und dreht ihm nicht dessen Hals um.

Herpes-Horror in der Ladiesvilla

Ente gut, alles gut – außer bei Meckerliesl Denise-Jessica, die generell alles kacke findet außer den Basti und endlich ihren verstauchten Fuß bei ihm in die Tür bekommen will. Bei ihrer Solo-Audienz lässt die passionierte Lidchatterin dann ihren Emotzionen freien Lauf und knallt dem Minderinteressierten einen Schwank aus ihrem leidvollen Liebesleben in die Gehörgänge. Man stelle sich vor, da hatte doch tatsächlich jemand nach „sechs, sieben Dates“ keinen Bock mehr auf die Blondmähne mit ausgeprägtem Geltungsdrang. Mal ehrlich, wer diese Frau sechs, sieben Mal (!) trifft, verdient das Eiserne Kreuz. Oder ist Masochist. Und während die Gute gedanklich schon ihr Hochzeitsdirndl bügelt, wagt Basti den Griff in die Fremdwortkiste: „Zwischen uns ist es noch etwas platonisch. Ich weiß nicht, wie es weitergehen könnte.“

Wow. Ich bin beeindruckt. Erstens von dieser Wortwahl, zweitens von seiner Planlosigkeit. Bisher wusste Basti doch immer einen Ausweg; und der führte direkt in die Gaumengegend seines Gegenübers. Davon haben übrigens auch die Villaweiber schon Wind bekommen. Eines der Oral-Opfer, Diana, findet's mittlerweile „voll ekelhaft“ und „nicht chillig“ und hat bereits Herpes-Halluzinationen. „Wenn der da mit jeder rummacht, das ist schon krass. Ich mach mich ja nicht vor der ganzen Nation zur Lachnummer.“ Mädel, du hast dich beim Bachelor beworben. BEIM BACHELOR. Das ist schon längst passiert.

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Auch mit dem Alter kommt die Weisheit nicht

Sieht zwar aus wie Einstein, ist aber bloß dumm wie ein Stein.
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Der Einladung zum Einzeldate folgt die Angeekelte trotzdem. Diana steht auf Bastis Rangelliste ganz weit oben, daher muss er ja auch wissen, wie sie riecht. Und irgendwie müffelt es plötzlich nach alten Leuten, denn die beiden werden von Maskenbildnern zurechtgerunzelt, um ihren fiktiven 40. Hochzeitstag zu feiern. ÜBERTREIB! Es würd' ja schon reichen, wenn die Beziehungen dieser „Bachelor“-Pärchen überhaupt einmal länger als 40 Tage dauern würden.

Bastis Antikkörper ähnelt jedenfalls einer fresheren Version von Albert Einstein, beim Teekränzchen mit Diana beweist er aber gleich wieder, dass er lediglich dumm wie ein Stein ist. „Es sind schon einige da, die ich als interessant finde“, rechtfertigt er sich in gewohnt gewählter Mundart vor Diana, die ihn auf seine bisherigen Aschmusements anspricht, nur um ihr dann augenzwinkernd mitzuteilen: „Die Leute, die um uns herum getanzt haben, haben sich auch alle geküsst, aber da hab ich mir gedacht, ich kann dich jetzt nicht küssen, da komm ich rüber wie so ein... du weißt schon...“ – ähm, libidogestörter Vollhonk, für den Frauen nicht mehr als Ausleckware sind? Jep, stimme zu.

Wenn er sagt, er hat schon „ein paar Frauen geküsst“ und du erstmal deinen Herpes-Stand checkst.
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Diana reicht's, sie stellt den Spitzzüngler jetzt an den Kusspranger: „Kann es sein, dass du am Ende hier mit acht, neun Frauen rumgemacht hast?“ – „Ja, so ist das hier leider mal.“ Ist aber auch kein einfaches Leben, so als „Bachelor“. Diana = maximal angewidert. Dass er dann auch noch ihre Traumfrau-Qualitäten in Frage stellt, weil sie gerne feiern geht („Du bist ja 22, da ist das noch normal“), bringt das Tränenfass zum Überlaufen. Und Basti? Der wär' auch froh, wenn er endlich mal wieder Druck ablassen könnte, denn schön langsam stauen sich die Körperflüssigkeiten. Und das überall.

Die erste Bettkantschaft?

Die nächste auf der Preuss'schen Abkussliste ist Lockenkopf Linda. Die Favoritin hat den Basti schon öfter mal ins Schwitzen gebracht und soll nun alles wieder vertikal biegen. Am besten in der Horizontalen, schließlich wird sie nicht umsonst zum ersten Übernachtungsdate eingeladen. Von ihrem Unglück weiß die 24-Jährige allerdings noch nix und lässt sich deshalb erstmal nichtsahnend von Basti entführen. Im Geländewagen. Mit Augenbinde. Quer durch Mexiko. Ein Land, das für seine Frauenmorde bekannt ist. So geht Romantik. Danke, RTL.

Wenn sie nicht mit dir rummachen will, und du sie dann einfach entführst.
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In einem Duft-Hotel, das einer Inka-Ruine ähnelt, dürfen die beiden dann herausfinden, ob sie sich auch wirklich riechen können. Nach einer Rückenmassage will Basti selbst noch zum Attentat schreiten und seiner Auserwählten höchstpersönlich die Mundgegend massieren. Linda hat darauf aber mal so gar keinen Bock und dreht sich einfach weg. Ich bin beeindruckt von so viel Selbstachtung und frage mich, ob sie das mit dem Zungenentzug wirklich durchzieht oder der Typ bloß üblen Mundgeruch hat. Für den Verschmähten jedenfalls ist die Sachlage klar: „Es war ihr vielleicht unangenehm, weil wir nur im Bademantel dasaßen.“ Genau.

Vom Lustmolch zum Frustmolch

Als Linda dann in Badekleidung allerdings immer noch gegen den Schmusestrom schwimmt, wird Basti langsam zungeduldig. Wie ein hungriger Haifisch umkreist er im flachen Wasser seine Beute, allzeit bereit, zuzuschnappen. Als Linda nicht anbeißt, wagt der „Bachelor“ wie immer eine astreine Arschbombe in die Fettwanne der subtilen Kommunikation: „Wie ist es eigentlich mit dem Küssen bei dir?“ Von dieser Welle der Peinlichkeit eiskalt erfasst, bewahrt die subversive Surferin trotzdem die Haltung. „Es ist mir schon wichtig, aber der Moment muss halt passen. Und ich will nicht eine von vielen sein. Ich denke mir, wenn ich es dir wert bin, wirst du auch darauf warten.“

Na toll. Da bringt Mann extra literweise Massageöl, lauwarmes Poolwasser und prickelndes Mach-dich-mal-locker-Schampus an die Frau und dann hat die keine Lust, noch zusätzlich Körperflüssigkeiten auszutauschen. Das nachfolgende Gespräch hätte auch eine Mutter mit ihrem zwölfjährigen Sohn führen können („Wir sind hier nicht bei Wünsch' dir was“ – „Doch, sind wir!“) – allerdings ist es Basti, der Linda zur Strafe auf ihr Hotelzimmer schickt. Wie bitte? Seit wann ist das in dieser Sendung überhaupt eine Option?

Da hilft der ganze Schampus nix: Linda weist Basti zurück. Und der kriegt die Kusskrise.
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Am nächsten Morgen ist die Sache noch nicht vom Frühstückstisch. Der Hormonstaugeplagte hat wegen dieser Mundfinsternis nämlich die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Und wenn es mit Belästigung nicht hinhaut, dann muss es eben das schlechte Gewissen regeln: „Ich fand das sehr traurig, das hat mich gestern belastet“, lässt er Linda schmollend wissen, die das notgeile Geraune mit einem einfachen „Ich stehe zu meinen Entscheidungen“ quittiert. Basti versteht die Welt nicht mehr: „Was machst du nur? Du bist doch ein kluges Mädchen“ – und da sagt er doch glatt mal etwas Wahres. Bevor er Linda zurück in die Freiheit entlässt, rät er ihr noch, „daran zu arbeiten, wenn es ihr wichtig ist“. Lauf, Linda. LAUF!

Erst Haifisch auf Beutezug, jetzt Schmolle

Wenn du traurig bist, weil sich unten nix rührt, weil oben keine rein will.
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Die Schmollympischen Spiele sind somit eröffnet. Und freundlicherweise erklärt Basti in der Nacht der Rosen nochmal die Spielregeln: „Ja Ladys, wenn ihr euch für mich interessiert, dann könnt ihr auch Gas geben“. Heißt übersetzt: Steckt mir gefälligst die Zunge rein. Egal wo, egal wann, egal wie lange. Hauptsache, es schnalzt. Tja. Wäre ich Kandidatin, würde ich auch Gas geben. Allerdings im Fluchtwagen.

Schmolldshatterhand hat indes seine Niederlage noch immer nicht verkraftet und nimmt Ego-Shooterin Linda deshalb nocheinmal in die Kusslinie: „Hast du mir noch irgendwas zu sagen?“ – Also ganz ehrlich, auf Instagram hätte ich diesen Nerv schon längst blockiert. Linda aber wolle weiter um ihn kämpfen, sagt sie – und der Rest dieser Unterhaltung dürfte wohl in die TV-Geschichte eingehen:

Gefangen im Schlabbyrinth

Und zum ersten Mal in der Geschichte dieser von Grund auf sexistischen Kacksendung freue ich mich für jede Frau, die keine Rose bekommt – und das ist in diesem Fall Linda. „Es ist nicht wegen dem Kuss, den du mir verweigert hast. Wir waren einfach in einer Sackgasse“, begründet Basti seine Entscheidung und ich frage mich, von welchem Sack er genau spricht. Naja, jedenfalls: „Wer nicht fummelt, verliert“ – Sie erinnern sich? Aber wer sich selbst treu bleibt (und sich nicht im Schlabbyrinth eines toxischen Manneswesens verirrt, Anm.) gewinnt umso mehr.

Mit dem „Bachelor“ auf verstauchtem Kriegsfuß ist nun auch Denise-Jessica, die es nicht einmal in Bastis engeren Fummelkader geschafft hat und nun nach Hause humpeln muss. Die letzte Rose des Abends geht an Natali mit ohne E, der vor Schock fast die Augen aus der überpuderten Visage purzeln; die Statistin schaut drein, als wäre sie gerade von einem Haufen Faschisten zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt worden. Dabei hatte sie eben noch gemeint: „Es ist wie im Gefängnis. Ich sitze die Zeit ab und warte auf meine Entlassung“ – und ich fühle das. Geht mir mit dieser Sendung schließlich genauso.


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