Fasnacht, Fasching, Patschenbälle: So bunt wird der Februar in Tirol

Nicht nur am Unsinnigen Donnerstag regiert in Tirol der Unsinn: Zum Höhepunkt der fünften Jahreszeit ziehen den ganzen Monat lang wieder Faschingsumzüge durch die Dörfer, Bälle werden gefeiert und ganze Orte stehen kopf. Ein Überblick über die Veranstaltungshöhepunkte.

Das berühmte Imster Schemenlaufen wurde 2012 sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt. Am Sonntag ist es wieder soweit.
© Kurt Zebisch/Fasnachtsarchiv

Innsbruck – „Spiegeltuxer", „Melcher" und „Weißer" als Symbole für den Frühling und Sommer, „Zottler", „Zaggler", „Klötzler" und Hexen als Vertreter des Herbstes und Winters: Wild und ungestüm ziehen die „Matschgerer" dieser Tage wieder durch die Tiroler Straßen. Eine Auswahl der buntesten und traditionsreichsten Veranstaltungen landauf und landab finden Faschings- und Fasnachtsfreunde hier:

🎉 Mullerschaugn der Brauchtumsgruppe Vomp (Freitag, 7. Februar)

Im Unterland wird der Narren schon am Freitag gefrönt. Um 19.30 Uhr findet im Mehrzecksaal der Marktgemeinde Vomp das große „Mullerschaugn" statt. Für die musikalische Umrahmung sorgen Zillertal Power und DJ Andi. Zahlreiche Brauchtumsgruppen zeigen ihr Können – 400 bis 500 Teilnehmer erwartet Brauchtumsgruppen-Obmann Richard Winderl. Samstag steht das „Jungmullerschaugn" ab 13.30 Uhr für 300 bis 400 Kinder im Mehrzwecksaal auf dem Programm. Am 21. Februar findet von 14 bis 17 Uhr zudem im Mehrzwecksaal ein Kindermaskenfest unter dem Titel „Pyjamaparty“ statt.

Die Vomper „Muller" sind bereit für ihren großen Auftritt.
© Brauchtumsgruppe Vomp

🎉 Umzug in Maurauch am Achensee (Samstag, 8. Februar)

Ab 13.45 Uhr sind am darauffolgenden Samstag in Maurach die Narren los. Die Wagen ziehen vom Hotel Moser bis zur Raika beim Kreisverkehr. Speis und Trank sind vorhanden, Trubel ist garantiert.

🎉 Weibernacht der Schwazer Faschingsgilde (Samstag, 8. Februar)

Um 19.30 Uhr öffnen sich am 8. Februar die Pforten des SZentrums in Schwaz – aber nur für (maskierte) Frauen. Bis 23 Uhr feiern sie ausgelassen unter sich, ab 23 Uhr dürfen auch Männer der 40. Schwazer Weibernacht beiwohnen, die in den letzten Jahren durch besonders aufwändige Kostüme von sich reden macht. Schmankerl: Unter den ersten 150 (verkleideten) Gästen wird ein Wellness-Wochenende in der Gramai-Alm verlost. Eintritt sind 9,99 Euro.

🎉 Imster Schemenlaufen (Sonntag, 9. Februar)

Rund 900 Fasnachtsbegeisterte verwandeln Imst alle vier Jahre zu einem der farbenprächtigsten Fasnachtsspektakel in Tirol. Das Meer aus Schellern, Rollern, Hexen und Bären wurde 2012 sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt. 2020 ist es endlich wieder soweit und die Vorfreude bei den über 900 Imster Männern und Burschen, die am Schemenlaufen teilnehmen, groß. Los geht's am Sonntag um 9.30 Uhr mit dem Aufzug ab dem Stadtplatz. Der Eintritt beträgt 9 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist er frei.

Ablauf

Der Tag des Schemenlaufens beginnt traditionell frühmorgens um 6.30 Uhr mit der Fasnachtsmesse zum Gedenken an die verstorbenen Fasnachtler. Im „Figatter" wird danach in einer Art theatralischen Schauspiels ein Missgeschick eines Imsters auf launige Art aufgeführt.

Dann werden manche unter den Fasnachtlern buchstäblich in ihre Kostümierung eingenäht. Der Aufzug der Maskierten, die ab 9.30 Uhr vormittags einzeln oder gruppenweise den Weg von der Unterstadt in die Oberstadt bis zum Gasthof Hirschen beschreiten, ist seit jeher ein beliebtes Fotomotiv.

Nach dem Aufzug warten die Teilnehmer ungeduldig auf das Zwölfuhrläuten der Imster Pfarrkirche, welches den Beginn des Umzuges in umgekehrter Richtung markiert. Auf dem Weg in Richtung Unterstadt wird ein „Kroas" nach dem anderen gebildet. Roller und Scheller machen ihren bekannten Kreistanz.

Ist man am Stadtplatz in der Unterstadt angelangt, formiert man sich zu einem letzten, fulminanten Kreis, dem „Schlusskroas". Noch einmal gibt ein jeder Maskierte alles – es ist die Stunde der großen Emotionen, denn wer weiß, was in vier Jahren sein wird …

Vor dem Betläuten um 18 Uhr müssen nämlich die Larven abgenommen und dürfen bis zum nächsten Schemenlaufen nicht wieder aufgesetzt werden, so weiß es der Volksmund.

BEGINNZEITEN

9.30 Uhr: Beginn des Aufzuges ab dem Stadtplatz

12 Uhr: Beginn des Umzuges ab der Pfarrkirche

15 Uhr: Pause am Johannesplatz

17 Uhr: Schlusskroas am Stadtplatz

Die Larven dürfen nur während des Laufs getragen werden.
© TT/Thomas Böhm

🎉 Jubiläums-Faschingsumzug in Vomp (Sonntag, 9. Februar)

Nach fünf Jahren Pause veranstaltet die Brauchtumsgruppe Vomp 2020 am Sonntag den großen 45-Jahre-Jubiläums-Umzug durchs Dorf. Um 13 Uhr startet das bunte Treiben, anschließend (ab 16 Uhr) steigt im Foyer der Marktgemeinde Vomp ein „Patschenball". Im beheizten Festzelt legt DJ Andi auf. Der Eintritt zum Umzug kostet 5 Euro, der Eintritt beim Patschenball ist frei.

🎉 Maskenball und Umzug in Zell (Samstag, 15.2. & Sonntag, 23.2.)

Das Prinzenpaar gehört zum Zeller Fasching wie die Butter aufs Brot – heuer in Gestalt von Julia Rauch und Hans Daum. Im Zeller Dorfstadl findet dazu am 15. Februar ab 20 Uhr der große Maskenball des Zeller Theatervereins statt. Aufspielen werden ZPur, die schönsten Masken werden wieder prämiert. Wer nach 21 Uhr kommt, zahlt statt 6 Euro 8 Euro Eintritt.

Am 23. Februar um 13 Uhr startet dann der große Faschingsumzug für Groß und Klein durch den Ort, danach findet ein Kindermaskenfest im Dorfstadl statt.

🎉 Kinderfasching und Maskenball in Stumm (Samstag, 15.2. & 22.2.)

Nach dem Kinderfasching am 15. Februar ab 14 Uhr am Fußballplatz findet am Samstag darauf ab 20.30 Uhr der legendäre Maskenball der Stummer Fußballer im Westernfort Camping Aufenfeld in Aschau statt.

Am Rosenmontag (24. Februar) ab 20 Uhr marschieren die Kolsasser Muller bei der alljährlichen Turmwache am Dorfplatz auf. Höhepunkt ist der große Umzug am Faschingsdienstag (25. Februar) ab 13.33 Uhr beim Schwimmbadparkplatz.

🎉 Milser Matschgerer-Umzug (Sonntag, 16. Februar)

Eine Woche nach Vomp ist Mils dran: Mit streng vorgeschriebenen Schritten, Tänzen und Figuren ziehen die bekanntesten Faschingsgestalten durchs Dorf. Ein Schlag von den „Mullern" und „Matschgerern" auf die Schulter bedeutet Glück und Fruchtbarkeit. Der Umzug beginnt um 13.30 Uhr und findet bei jeder Witterung statt. Danach wird zum „Patschenball" in der Tiefgarage im Dorfzentrum geladen, aufspielen werden dort die Alpenvagabunden.

Die berühmte Figur des „Spiegeltuxers" wird in Mils auch mit von der Partie sein.
© Tirol Werbung

🎉 Wampelerreiten mit Axamer Fasnacht (Donnerstag, 20. Februar)

Auch die berühmten Axamer „Wampeler" ziehen jedes Jahr unzählige Besucher an. Rau geht es am Unsinnigen Donnerstag dort zu, wenn die Reiter versuchen, die Wampeler auf den Rücken zu werfen. Allerdings fallen diese weich, denn ihre „Wampe" aus Heu gibt ihnen Polsterung. Der Kampf steht im Zentrum des Faschingsumzuges in Axams und symbolisiert das Ringen zwischen Winter und Frühling. Aber auch andere außergewöhnliche Figuren wie „Tuxer", „Flitscheler", „Nadln", „Buijazzln" und „Altboarische Paarln" sind beim bunten Treiben mit dabei. Wie das Schemenlaufen wurde auch das Axamer Wampelerreiten 2016 von der UNCESO auf die Österreichische Liste des Immateriellen Kulturerbes gesetzt. Los geht's mit dem Treiben zu Mittag auf dem Dorfplatz.

Die Wampeler mit ihrer fülligen Oberkörperverkleidung symbolisieren den Winter.
© Fasnachtsverein Axams

🎉 Unsinniger Donnerstag in Schwaz (20. Februar)

Auch im Unterländer Fasching rund um Schwaz ist der Höhepunkt am Unsinnigen Donnerstag erreicht: Am 20.2. wird die Innenstadt ab 14 Uhr wieder zur großen Partymeile bei freiem Eintritt. Musik aus allen Ecken, unzählige Stände und noch viel mehr Narren machen den Tag zu einem bunten Feiertag.

Ganz Schwaz und Umgebung versammelt sich am „Unsinnigen" in der Innenstadt zum Feiern.
© Fankhauser

🎉 Tengl-Tengl am Unsinnigen in Jenbach (20. Februar)

Auch hier fiebern die Narren dem Unsinnigen Donnerstag entgegen, der heuer erstmals unter der Führung des neuen Narrenbürgermeisters Christian Amrainer vonstattengeht. Um 11.11 Uhr geht es los: der Südtiroler Platz wird zur Narrenzone. Um 11.12 Uhr findet der Einzug der Matschgerer statt, um 13.13 Uhr übergibt der Bürgermeister seine Amtsgeschäfte an den Narrenbürgermeister. Auf der Narrenbühne zeigen unterschiedliche Vereine wieder zahlreiche Aufführungen. Für musikalische Unterhaltung sorgen die BMK Jenbach und DJ Bambino, an den kulinarischen Ständen versorgen der Alpenrocker Jenbach, Figlclub Jenbach, Hobbyzugverein Jenbach, Hobbyclub Schiene, Sensn-Pass, Kegelverein KV Jenbach, Sozial- und Gesundheitssprengel Jenbach/Buch/Wiesing, WSV-Jenbach, die Schützenkompanie Jenbach/Rottenburg und der Trachtenverein Jenbach. Für die kleinen Narren fährt wieder der Tengl-Tengl-Express durch die Straßen von Jenbach.

🎉 Faschingstreiben im Bezirk Reutte (7., 15., 18. und 20. Februar)

Zwei Namen muss man kennen, um in Reutte Fasching zu feiern: „Gungler" und „Zuderer". Beides sind Faschingsvereine, der eine in Höfen, der andere in Weißenbach. Der „Gungler" zieht in Höfen in Begleitung des Gungler-Vereins jedes Jahr am ersten Samstag nach Dreikönig ins Dorf ein – und am Faschingsdienstag wieder aus. Gefeiert wird dies alljährlich mit dem großen Gungler-Ball (dieses Jahr am 18. Februar).

Der Gungler-Verein übernimmt in der Faschingszeit in Höfen das Ruder.
© Gungler-Verein Höfen

In Weißenbach wurde früher „Haus-gemaschgert“ – ein paar lustige Gesellen aus dem Dorf zogen verkleidet von Haus zu Haus. Mit der Zeit überlegte sich diese Runde daraus einen Verein zu gründen und weil das „Maschgern" damals „herumschludernd" und schmuddelig war, und diese Eigenschaften auch auf den Einheimischen Josef Forcher passten, der im Dorf herum-„zuderte“ – nannte sich der Verein „Zuderer". Die Figur des „Zuderers" hat heute eine Grabstätte am Dorfplatz, wo sie am ersten Samstag nach Dreikönig aus- und am Faschingsdienstag wieder eingegraben wird. Das „Zuderertreffen" dazu findet heuer am 7. Februar im Zelt am Weißenbacher Dorfplatz statt, der große Faschingsumzug durch den Ort am Samstag, dem 15. Februar.

In der Bezirkshauptstadt wird der Faschingshöhepunkt am Unsinnigen Donnerstag (20. Februar) gefeiert – mit großem Umzug der Faschingsgilde Reutte durch den Ober- und Untermarkt. Alle Infos zum Fasching in Reutte gibt's >> HIER.

🎉 Faschingsumzug in Niederau/Wildschönau (Freitag, 21. Februar)

Im Bezirk Kufstein geht es unter anderem in Niederau närrisch zu: Am Freitag um 14.30 Uhr startet das bunte Faschingstreiben beim Pavillonsgelände. Der Umzug folgt um 15.30 Uhr vom Hartlhof zum Pavillon. Dort werden die besten Kostüme prämiert.

🎉 Familienfasching in Kufstein (Sonntag, 23. Februar)

Verkleiden und dann nichts wie rein ins Getümmel heißt es auch in der Bezirkshauptstadt Kufstein: Beim Kinder- und Familienfasching in der Kufstein-Arena gibt es etwa eine Hüpfburg, Kistenklettern und eine Clownrutsche. Kreativ und bunt wird es beim Kinderschminken und beim Luftballon-Modellierer. Musik für Klein und Groß gibt’s mit DJ Rox und beim Bluatschink-Kinderkonzert. Das „Faschings-Schlaraffenland“ ist von 13.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

Weitere Faschings-Veranstaltungen im Bezirk Kufstein gibt's etwa in Schwoich (15. Februar), in Niederndorf (20. und 22. Februar) und in Thiersee (24. Februar). Alle Infos dazu >> HIER

🎉 Faschingsball und Umzug in Kundl (Samstag, 23.2. & Sonntag, 24.2.)

Mit dem legendären Faschingsball wird in Kundl am Samstagabend schon einer der Höhepunkte der fünften Jahreszeit gefeiert – mit Live-Musik und Maskenprämierung. Am nächsten Tag ist es nach drei Jahren endlich wieder Zeit für den großen Faschingsumzug. Am Sonntag, pünktlich um 12 Uhr, wird der Schlüssel an die Narren übergeben und nach der so genannten „Dachlrede“ startet der bunte Zug durch Kundl. Ab 16 Uhr wird im Kundler Gemeindesaal weitergefeiert. Genau dort steigt am nächsten Tag dann die Rosenmontagsparty der „Guggamusig" – für den passenden Sound sorgt ab 20 Uhr DJ Martin.

🎉 Faschingsumzug in Matrei in Osttirol (Sonntag, 23. Februar)

Auch in Osttirol wird der Faschingssonntag feierlich mit Umzug begangen: Am 23. Februar befindet sich etwa die Marktgemeinde Matrei wieder im Ausnahmezustand. Alle zwei Jahre ist zur Faschingszeit im „Mottinga Marktlen" einiges los, weil der traditionelle Umzug mit zahlreichen Wagen, Akteuren und Gruppen ab 13 Uhr durch das Ortszentrum zieht. Das Besondere am Matreier Faschingsumzug ist, dass es bis zum Aufmarsch der Gruppen ein Geheimnis bleibt, welche Themen im Umzugsgeschehen dargestellt werden.

Eine Übersicht über weitere Faschings-Veranstaltungen in Osttirol gibt's >> HIER. (TT.com/anl)


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