„Mein Papa ist für mich die wichtigste Person“

Das Schigymnasium brach Tirols Biathletin Anna Gandler (19) ab, mit Papa und Ex-Weltmeister Markus als „neuer“ Trainer gab es nun Jugend-WM-Gold.

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Jung und erfolgreich: Anna Gandler überzeugte bei der Jugend-WM mit dem Gewinn der Goldmedaille.
© gepa

Von Roman Stelzl

Innsbruck – Als Markus Gand­ler und Österreichs Skiverband (ÖSV) im März des Vorjahres getrennte Wege gingen, schien vieles zerbrochen zu sein. Der Dopingfall rund um Athlet Johannes Dürr, die groß angelegte „Operation Aderlass“, die Beschuldigungen, ÖSV-Rennsportdirektor Gandler sei in die Vorgänge verwickelt, und schließlich der Abschied des 53-jährigen Ex-Langläufers.

Danach wurde es ruhig um Gandler. So ruhig, dass der Staffelweltmeister von 1999 und Olympia-Zweite von 1998 schon fast in die Kategorie „Was wurde aus?“ abtauchte. Die Antwort darauf gibt seine Tochter Anna, 19 Jahre alt, Österreichs größtes Talent im Biathlon und seit Sonntag Jugend-Weltmeisterin in der Verfolgung der WM in Lenzerheide (SUI).

„Papa ist mein Haupttrainer, er schreibt für mich die Trainingspläne. Ihm vertraue ich am meisten, er ist die wichtigste Person für mich“, sagt die in Innsbruck wohnhafte Athletin des Kitzbüheler Skiclubs und ergänzt mit einem Lächeln: „Er hat mir gesagt: Er habe selber so viele Fehler gemacht, wenn er das Wissen darum nicht weitergäbe, wäre er selbst blöd. Er weiß, wie es im Sport zugeht. Das ist sicher mein Vorteil.“

Und das ist ein Vorteil, der immer größer wird. Denn nach der 16-jährigen Tätigkeit als ÖSV-Renndirektor war bei Markus Gandler nach dem Abschied plötzlich viel Zeit da. Die sollte in die Familie investiert werden. Genauer gesagt in die Töchter Anna und Lara, 16 Jahre alt, ebenfalls eine große Zukunftshoffnung im Biathlon. In die kann Gandler nun weit mehr Zeit investieren als früher. „Vom Leistungssport habe ich die Nase voll“, sagt Markus Gand­ler. „Jetzt habe ich keinen anderen Schwerpunkt als meine Töchter. Das sind die einzigen Leistungssportler, die ich noch betreue.“

Neben dem Papa als wichtigster Bezugsperson vertraut Anna Gandler beim Schießen auf das Wort von Nachwuchs­trainer und Ex-Herren-Chef Reinhard Gössweiner. Zudem trainiert sie ab und an mit dem deutschen Team rund um Bernhard Kröll, der schon die deutschen Stars Laura Dahlmaier und Magdalena Neuner betreut hatte. „Es taugt mir sehr, wie das alles derzeit abläuft. Da sind so viele Leute im Hintergrund, die mir zum Erfolg verhelfen“, sagt Anna Gandler.

Und weil die selbsternannte Perfektionistin („Es ist schwierig, dass ich mal zufrieden bin“) mehr auf ihren eigenen Weg vertrauen wollte, verließ sie das Schigymnasium Stams und will nun nach den Externisten-Prüfungen in Salzburg im Sommer die Abendschule in Innsbruck machen. Ein wohlüberlegter Schritt, wie Anna Gandler sagt: „Ich war schon immer sehr selbstständig, im Internat wird dir alles abgenommen. Ich war oft krank, machte mir selbst Stress, fühlte mich nicht wohl. Daher musste ich mir alles wieder mehr selbst einteilen.“

Es ist ein Weg, der nun mit WM-Gold und WM-Bronze (Einzel) bestätigt wurde. „Damit habe ich alle meine Ziele erreicht – ich bin brutal zufrieden“, sagt die Jugend-Staatsmeisterin, die hinter sich starke Tiroler Nachwuchs-Athleten wie Anna-Lena Wolf nachkommen sieht. Das nächste Ziel ist nun ab heuer der Juniorenbereich. Und der Weltcup. „Ich will schon bald einmal in der Elite-Klasse mitlaufen. Und mein großes Ziel heißt Olympia. Vielleicht klappt es ja schon 2022.“


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