Wahl in Irland: Varadkar in Bedrängnis, Sinn Fein auf Umfragehoch

In Irland wird am Samstag ein neues Parlament gewählt. In Umfragen war zuletzt Sinn Fein überraschend stark – eine Partei, die an der Wiedervereinigung von Irland mit Nordirland arbeitet. Der bisherige Regierungschef könnte seine Macht abgeben müssen.

Leo Varadkar auf Wahlkampftour.
© BEN STANSALL

Dublin – Bei der Parlamentswahl in Irland am Samstag sind alle Augen auf das Abschneiden der Partei Sinn Fein gerichtet. Sinn Fein arbeitet an einer Wiedervereinigung Irlands mit dem britischen Nordirland und galt früher als politischer Arm der Untergrundorganisation IRA. Mit ihrem Fokus auf soziale Themen und der linken Ausrichtung scheint sie derzeit in ein Vakuum zu stoßen.

In jüngsten Umfragen hatte Sinn Fein überraschend stark abgeschnitten und die beiden etablierten Parteien Fine Gael und Fianna Fail überholt. Für Premierminister Leo Varadkar, der mit seiner liberal-konservativen Fine Gael zur Zeit eine Minderheitsregierung anführt, sieht es hingegen schlecht aus. Seine Partei landete in jüngsten Umfragen auf dem dritten Platz hinter Sinn Fein und der konservativen Fianna Fail.

Sinn Fein ist als einzige Partei in beiden Teilen der irischen Insel vertreten. Für eine Regierungsbildung dürfte es aber kaum reichen. Die Partei tritt gar nicht in allen Wahlkreisen an. Zudem schließen sowohl Fine Gael als auch Fianna Fail eine Zusammenarbeit mit Sinn Fein bisher aus. Am wahrscheinlichsten gelten eine Koalition von Fianna Fail und Fine Gael oder eine Minderheitsregierung von Fianna Fail, die von Fine Gael toleriert wird.

Das Thema Brexit scheint bei der Wahl überraschenderweise nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Ausgerechnet hier hatte Varadkar gehofft, sich profilieren zu können. Er fuhr in der Verhandlungen zwischen Brüssel und London über den britischen EU-Austritt einen harten Kurs und konnte sich mit seinen Forderungen weitgehend durchsetzen. Der Durchbruch bei den Brexit-Gesprächen gelang bei einem persönlichen Gespräch Varadkars mit dem britischen Premierminister Boris Johnson im vergangenen Herbst.

Für den Höhenflug von Sinn Fein ist wohl vor allem der Wunsch vieler irischer Wähler nach Veränderung verantwortlich. Die Partei scheint insbesondere bei jüngeren Iren mit ihrem Versprechen anzukommen, die Wohnungsnot zu lindern.

Das Wahlsystem ist kompliziert. In jedem der 39 Wahlkreise können bis zu fünf Kandidaten gewählt werden. Jeder Wähler hat nur eine Stimme, kann aber mehrere Präferenzen angeben. Damit wird verhindert, dass die Stimmen für Kandidaten verfallen, die in einem Wahlkreis nicht an erster Stelle abschneiden. Insgesamt hat das irische Parlament (Dail) 160 Sitze. (APA, dpa)


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