Traumwetter und Tausende Zuschauer: Das war das Imster Schemenlaufen 2020

Bei Traumwetter ging am Sonntag nach vier Jahren Pause wieder die Imster Fasnacht über die Bühne. Das Weltkulturerbe der UNESCO präsentierte sich von seiner schönsten Seite und zog die Besucher in seinen Bann. Rund 950 Masken beteiligten sich an diesem Umzug.

Im Mittelpunkt des Imster Schemenlaufens stehen Scheller und Roller, die im „Kroas“ das Gangle aufführen.
© Vanessa Rachlé

Von Alexander Paschinger

Imst – Sie müssen schon einen besonderen Draht zum Himmel haben – die Imster. Denn dieses Wetter ließ das Schemenlaufen am gestrigen Sonntag mit all seinen Farben so richtig glitzern und leuchten. Und damit auch die Tausenden Zuschauer, die sich von einer Fasnacht berauschen lassen konnten, die seit 2012 Weltkulturerbe ist.

Begonnen hatte das Spektakel im Morgengrauen mit einer Messe für die verstorbenen Fasnachter. Das Totengedenken war höchst aktuell, starb doch in der Nacht auf Sonntag mit Josef Thaler ein Imster, der mit seinen „Pemseln“ so manchen Roller ausstaffiert hatte. Der Messe folgte das Figatter. Für die Besucher aus allen Teilen Tirols wurde es ab 9.30 Uhr interessant: Beim Aufzug ging es von der Unterstadt hinauf zur Pfarrkirche.

Bildergalerie vom Schemenlaufen in Imst.

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© TT/Witting

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Sieben große Fasnachtswägen, die etwa das noch immer fehlende Imster Hallenbad oder alle Fasnachten des Oberlandes darstellten, sowie die gut 950 Roller, Scheller, Spritzer und Sackner, Hexen und Bären, Kaminer und Labera machten sich auf den Weg, gesäumt von Tausenden Zuschauern. Natürlich verzögert sich der Aufzug – so mancher Wagen muss sich durch die Engstellen zwängen und quälen.

Gut sechs Minuten nach Mittag beginnen die Kirchenglocken zu läuten. Ein Sirren liegt in der Luft: Die Roller, die bei ihrem Gangle hoch springen müssen, wärmen sich mit leichtem Tänzeln auf. Die Stadtmusikkapelle stimmt den Fasnachtsmarsch an, die meisten Imster stimmen textsicher ein. Das ist das Zeichen: Die Larve wird aufgesetzt, festgezurrt. Sie muss ja einige Stunden ständiger Bewegung standhalten. Aus dem Sirren wird ein Rollen, der „Pemsel“ hin- und hergeschwungen.

📽 Video | Die Imster Fasnacht 2020

Der Vorroller steht vorne ab allein, hinter ihm das 1. Untermarkter „Klöpfe-G’schall“. „Ich durfte es dreimal tragen“, meint Hans Strobl, „das ist schon etwas Besonderes. Nach der Pause bei der Johanneskirche geht dann das Obermarkter „G’schall“ voran.“ Auch Helmuth Schöffthaler steht etwas wehmütig da: Seinen Part und seine Ausrüstung als Laggescheller hat erstmals sein Sohn übernommen. Der ehemalige Vorroller und Fasnachtsfunktionär Luis­ Schlierenzauer schnallt seinem Sohn die Rollerlarve an – mit Tränen in den Augen.

Überblick über Fasnacht und Fasching in Tirol

Die Ordnungsmasken laufen ein, drängen die Besucher zurück, die Sackner holen aus und geben Stöße, die Spritzer setzen ihre Spritzen ein, die Kübelemajen haben eine Portion Puder parat. Es schließt sich der erste von mehreren „Kroasen“ an diesem Tag. Der Umzug mit dem Gangle, zu dem dann Prominente, Besucher, Freunde und Verwandte gegen einen Obulus beim „Einführen“ in den „Kroas“ geholt werden, kann beginnen. Dafür gibt es dann für den damit Geehrten ein kleines „Larvele“ oder eine Medaille. Hexen und „Hexenmusig“ sowie die Bären sind ebenso wichtig wie die anderen Gruppen: Kaminer, Vogelhändler, Korbweibelen und wie sie alle heißen – 950 Masken sind beteiligt.

Während des Aufzuges gibt es auch die „Fasnachtstaufe“ für Kinder, die seit der letzten Fasnacht geboren wurden.
© Paschinger

Der Weg führt hinunter zur Johanneskirche am Fuße des Bergls. Dort gibt es noch eine Pause. Das erste Obermarkter „G’schall“ übernimmt hier die Führung zum Ziel – dem Stadtplatz. Dort findet der letzte Höhepunkt um 17 Uhr statt: der „Schlusskroas“. Ein letztes großes „Z’sammschellen“. Und da wird den Teilnehmern bewusst: Jetzt, zum Betläuten um 18 Uhr, muss die Larve wieder runter. Und sie wird erst wieder in vier Jahren aufgesetzt. Wer weiß schon, was in dieser langen Zeit alles passiert. Für die Fasnachter ist nicht das Dabeisein allein alles – es ist viel mehr das Teil-Sein.

📽 Video | 20.000 Zaungäste beim Imster Schemenlaufen


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