Irland-Wahl: Sinn Fein stellt Regierungsanspruch

Parteichefin McDonald führte bereits Gespräche mit Grünen und kleineren linken Parteien und will Regierung der beiden Traditionsparteien FF und FG verhindern.

SF-Chefin Mary Lou McDonald stellte den Regierungsanspruch in Irland.
© AFP

Dublin - Die republikanische Sinn Fein hat nach ihrem historischen Erfolg bei der irischen Parlamentswahl den Regierungsanspruch gestellt. "Ich werde mit jedem reden und jedem zuhören", sagte SF-Chefin Mary Lou McDonald am Sonntagnachmittag in Dublin. Sie habe bereits mit den Grünen, den Sozialdemokraten und der Linkspartei "Solidarity - People Before Profit" über die Regierungsbildung gesprochen.

Ersten Prognosen der Tageszeitung "Irish Times" (Onlineausgabe) zufolge könnte die SF 36 der 160 Mandate im neuen Parlament (Dail) erreichen, um 14 mehr als bisher. Sie läge damit an dritter Stelle hinter der liberalen Oppositionspartei Fianna Fail (44) und der konservativen Regierungspartei Fine Gail (39) von Ministerpräsident Leo Varadkar.

Referendum für Wiedervereinigung versprochen

Die beiden Traditionsparteien haben bisher strikt ausgeschlossen, eine Koalition mit der SF zu bilden. Die linksgerichtete Partei wurde jahrzehntelang geächtet, weil sie als politischer Arm der Untergrundorganisation IRA galt, die sich nicht mit der Teilung Irlands abfinden konnte. Im Wahlkampf hat die SF ein Referendum über die Wiedervereinigung Irlands innerhalb der nächsten fünf Jahre versprochen. Verantwortlich für ihren Wahlerfolg dürften aber vor allem soziale Themen gewesen sein. Mit scharfer Kritik an den hohen Mieten im Land traf die Linkspartei den Nerv vieler Iren.

Die SF-Chefin hofft offenbar darauf, mit Unterstützung kleinerer linksgerichteter Parteien und unabhängiger Abgeordneter Regierungschefin werden zu können. So werden den Grünen zehn Mandate vorhergesagt, kleineren Linksparteien 15 und unabhängigen Kandidaten 18 Mandate. Entscheidend dürfte sein, ob die Mandatszahl von FF und FG unter 80 rutscht, weil sich dann nicht einmal mehr eine Große Koalition ausginge. FF und FG haben das politische Leben Irlands seit der Staatsgründung im Jahr 1920 bestimmt und praktisch durchgehend - abwechselnd mit kleineren Parteien - regiert. In der abgelaufenen Legislaturperiode stützte die FF die FG-Minderheitsregierung Varadkars. (APA)

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