Land will Gatterabschüsse verbieten, fünf Tiere aus Kaisers Tbc-infiziert

Nach den grausamen Gatterabschüssen von Rotwild in Kaisers Sonntagnacht stellt LHStv. Josef Geisler klar, dass es so etwas künftig in Tirol nicht mehr geben soll. Auch die Tiroler Jägerschaft distanziert sich deutlich von der Vorgehensweise im Außerfern. Indes zeigt die Erstuntersuchung: Die Tbc-Infektionsrate in Kaisers liegt bei 15 Prozent.

Die Gemeindeführung hat Anzeige bei Polizei und Staatsanwaltschaft wegen Tierquälerei erstattet.
© Gemeinde Kaisers

Kaisers – Die Gatterabschüsse am Wochenende in Kaisers im Außerfern haben hohe Wellen geschlagen: Wie berichtet, wurden 33 Stück Wild innerhalb des Reduktionsgatters binnen kürzester Zeit abgeschossen. Die erboste Bevölkerung wollte die Jäger aufhalten, konnte aber nichts mehr ausrichten (die TT berichtet).

Die Bevölkerung in Kaisers zeigte sich nach dem „Gemetzel" aufgewühlt.
© Gemeinde Kaisers

Nach der Erstuntersuchung teilte das Land Tirol am Dienstag in einer Aussendung mit: Die Tbc-Infektionsrate beim Rotwild in Kaisers ist hoch. Fünf der 33 entnommenen Stück Rotwild sind demnach mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit infiziert, zwei davon sind so genannte Ausscheider und damit sogar hochansteckend. Die Tbc-Infektionsrate liegt folglich bei 15 Prozent. In anderen Revieren, in denen der Rotwildbestand konsequent reguliert wird, beträgt die Tbc-Infektionsrate unter drei Prozent. Zehn der 14 im Jagdjahr im Lechtal positiv auf Tbc-getesteten Stück Rotwild entfallen allein auf Kaisers, heißt es vom Land.

„Die vorliegenden Zahlen bestätigen, dass die Regulierung des Rotwildbestandes und die konsequente Bekämpfung von Tbc beim Rotwild absolut notwendig sind“, wird LHStv Josef Geisler zitiert. Im Zuge der Alpung wird Tbc vom Rotwild auf die Rinder übertragen. In den vergangenen Jahren mussten in Tirol rund 300 Rinder auf 119 Bauernhöfen aufgrund des vom Rotwild übertragenen Tbc-Erregers Mycobacterium caprae getötet werden, 115 davon allein im Außerfern.

Tbc kann vor allem für Landwirte gefährlich werden

„Tbc zählt zu jenen Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen durch direkten Kontakt oder indirekt über Lebensmittel übertragen werden können“, erklärt Franz Katzgraber von der Landessanitätsdirektion. Eine Darmtuberkulose sei beispielweise eine schmerzhafte Entzündungserkrankung, die auch tödlich enden kann. „Aufgrund der hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards im Veterinärwesen und Lebensmittelbereich sind Darmtuberkulosen bei Menschen heute weitgehend verschwunden.“

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Das Risiko einer direkten Tbc-Übertragung von Tier zu Mensch sei insbesondere für Landwirte gegeben. „Tuberkulose nimmt in Tirol seit Jahren ab. Dennoch darf man nicht wegsehen: Tuberkulose kann bei Tatenlosigkeit auch wieder eine Gefahr für den Menschen werden“, so Katzgraber.

Diese erste veterinärmedizinische Untersuchung wurde am Montag in der Sammelstelle für Tierkadaver in Weißenbach am Lech durchgeführt. Proben von allen 33 in Kaisers entnommenen Tieren werden nun zur weiteren Untersuchung zur Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) in Mödling geschickt. Im Zuge der dortigen Laboruntersuchungen könnte sich die Zahl der Tbc-Infektionen noch erhöhen.

Geisler: „Methoden nicht mehr zeitgemäß"

Das Land Tirol hatte die Vorgehensweise bereits zuvor mit der Gefahr möglicher Tbc-Ansteckungen verteidigt: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei solchen Tbc-Vorfällen keine andere Wahl als eine Regulierung besteht", erklärt Geisler in einer Aussendung. Er gibt aber zu, dass die Gatterjagd kein adäquates Mittel sei: „Die Methoden, die am vergangenen Sonntag angewendet wurden, sind aber nicht mehr zeitgemäß und abzulehnen.“

Für Geisler steht fest, dass es in Zukunft in Tirol keine derartigen Abschüsse mehr geben wird: „Eines ist für mich nach diesen Vorfällen klar: In Tirol werden wir Gatterabschüsse künftig verbieten. So etwas wird es in Tirol nicht geben“, schließt der Landeshauptmann-Stellvertreter.

Jägerverband distanziert sich von Vorgehen

Auch der Tiroler Jägerverband distanziert sich klar von den Vorgängen in Kaisers: In einer Aussendung sprechen die Jäger von „drastischen Mitteln", die von der Veterinärbehörde ergriffen worden seien. „Ein solch extremes Vorgehen wie in Kaisers wird vom Tiroler Jägerverband auf das Schärfste abgelehnt", so die Verantwortlichen weiter. In einer eigens einberufenen Vorstands- und Präsidiumssitzung wurde daher ein klarer Beschluss gefasst: „Derartige Massen-Keulungen haben mit weidgerechter Jagd und tierschutzrechtlichen Grundsätzen nichts zu tun; sie sind weder weidgerecht noch tierschonend. Der Tiroler Jägerverband distanziert sich klar und vorbehaltslos von solchen Maßnahmen“, erklärt Landesjägermeister Anton Larcher. Solche Aktionen dürften sich in Tirol keinesfalls wiederholen, stellt er klar.

Das Rotwild war in Panik, gefangen im Gatter, gegen die Zäune und aufeinander gesprungen. Schwere Verletzungen wie Kieferbrüche oder aufgerissene Flanken waren die Folge.
© Gemeinde Kaisers

Nach der Abschussaktion hatte sich die Kommunikation von Seiten des Landes übrigens noch anders gelesen. Dort hieß es: „33 Stück Rotwild wurden im Rahmen der Tbc-Bekämpfung Sonntagnacht im Wildgatter in Kaisers von erfahrenen Schützen in kürzester Zeit schonend und tierschutzgerecht entnommen. Damit konnte die Abschussquote, die zur Eindämmung der vom Tier auf Menschen übertragbaren Seuche Tbc notwendig ist, erstmals seit vielen Jahren erfüllt werden. Dem Urteil des Landesverwaltungsgerichts wurde Folge geleistet“, so Landesveterinärdirektor Josef Kössler.

Nach der Gatterjagd hat die Gemeindeführung Anzeige bei Polizei und Staatsanwaltschaft wegen Tierquälerei erstattet. Unterdessen fordert die Tiroler FPÖ in einer Stellungnahme angesichts „des bestialischen Massenmordes an Rotwild den Rücktritt von Landesveterinär Kössler und das Einschreiten des Tiroler Tierschutzombudsmannes“. (TT.com)


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