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„Dr. Google“ tut in Österreich zu wenig gegen Selbstmorde

Wer sich auf Google über das Thema Selbstmord informiert, wird in Österreich gar nicht auf Hilfsangebote aufmerksam gemacht. Das hat eine Studie der Uni Wien ergeben. Doch genau das könnte dabei helfen, die Suizidrate zu senken.

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Symbolfoto.
© AP

Innsbruck – Dass Medien eine wichtige Rolle bei der Suizidprävention spielen, ist bekannt. Auch digitale Technologien gewinnen diesbezüglich zunehmend an Bedeutung – so etwa Suchmaschinen. Mittlerweile ist es alles andere als ungewöhnlich, „Dr. Google“ bei gesundheitlichen Fragen zu konsultieren – auch beim Thema Selbstmord.

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In einigen Ländern zeigt der Internetriese bei derartigen Suchanfragen eine Info-Box mit Hilfsangeboten bzw. Beratungshotlines an. Wie ein Forscherteam der Universität Wien im Zuge einer Studie herausfand, wird in Österreich so eine Info-Box – in Fachkreisen auch „Suizid-Präventions-Resultat“ (SPR) genannt – überhaupt nicht angezeigt. Anders ist das in den USA, wo Google die Hilfsangebote sehr wohl ausspuckt. In Deutschland wird die Info auch angezeigt, allerdings nicht immer.

Problematisch ist das deswegen, weil ein Aufzeigen derartiger Services tatsächlich dazu führen würde, dass Nutzer sie öfter in Anspruch nehmen. Das hat eine frühere Studie gezeigt. Demnach haben in den USA nach der Einführung des SPR mehr Menschen bei der Telefonseelsorge „Lifeline“ angerufen als vorher. Außerdem gibt es Belege, dass Krisenintervention über einen telefonischen Beratungsservice zu einer Reduktion der Selbstmordrate beitragen kann.

Die aktuelle Studie, die Florian Arendt (Universität Wien) gemeinsam mit Mario Haim (Universität Leipzig) und Sebastian Scherr (KU Leuven) durchführte, präsentiert erstmals auch Daten für Österreich. Konkret führten die Forscher 137.937 Suchanfragen von programmierten „virtuellen Agenten“ in Österreich, Deutschland, Belgien und der Schweiz durch. Diese virtuellen Agenten simulierten das suizidbezogene Suchverhalten echter deutschsprachiger Nutzer. Das Ergebnis der Auswertung zeigte, dass das SPR in Österreich und Belgien nie angezeigt wurde; in Deutschland und der Schweiz nur in etwa 20 Prozent der Fälle. „Dieses Ergebnis deutet auf eine ‚digitale Kluft‘ hin“, so Arendt. Österreich scheine ein blinder Fleck zu sein.

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Google „stiehlt sich aus Verantwortung“

„Betreiber von Suchmaschinen wie Google haben eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung. Google macht schon einiges und das ist gut so. Aber: Als global agierendes Unternehmen hat Google auch eine globale Verantwortung und es scheint momentan so, als ob sich Google aus dieser Verantwortung stiehlt“, so Arendt. Es sei unverständlich, warum in Ländern wie Österreich die Infobox mit Hilfsangeboten überhaupt nicht eingeblendet wird.

Die Forscher weisen außerdem auf eine Schwachstelle im Google-Algorithmus hin: Wird etwa nach dem Suchbegriff „selbstmord“ gesucht, wurde in Deutschland bei ungefähr der Hälfte aller Suchanfragen das SPR eingeblendet. Wurde zusätzlich noch nach einem Promi suchte, der sich das Leben genommen hat – also etwa nach „robin williams selbstmord“ – wurde die Box gar nicht mehr eingeblendet. Das sei problematisch, weil gerade Suizide prominenter Personen starke mediale und öffentliche Aufmerksamkeit erfahren und die Nachahmungsgefahr daher vergleichsweise hoch sei. „Es sollte kontinuierlich an einer Verbesserung des Algorithmus gearbeitet werden, um das präventive Potential zu erhöhen“, so Arendt. (TT.com/reh)

Hier finden Sie Hilfe

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizidgedanken betroffen sind, finden Sie hier Hilfe:

Die Telefonseelsorge ist unter 142 kostenfrei rund um die Uhr jeden Tag erreichbar. Die Beratung ist vertraulich. Mail- und Chatberatung: www.onlineberatung-telefonseelsorge.at

Rat auf Draht: kostenloser Notruf für Kinder und Jugendliche, Tel. 147 (ohne Vorwahl) rund um die Uhr, https://www.rataufdraht.at/

Pro mente: https://promente-tirol.at/de/

Psychiatrische Ambulanz der Innsbrucker Klinik: Tel. +43 (0)50 504 23648

Notaufnahme des MZA, Anichstraße 35, Innsbruck: Tel. +43 (0)50 427 057

Psychosozialer Dienst in Hall in Tirol: www.psptirol.org,

Tel. +43 (0)52 2354 9 11

Kriseninterventionsdienst des Roten Kreuzes: Notruf 144


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