Vorwahl in New Hampshire läuft: Sanders geht als Favorit ins Rennen

In New Hampshire findet heute die zweite Runde der US-Vorwahlen statt. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet – weil es die erste richtige Vorwahl ist und weil Pete Buttigieg überraschend in Iowa gewinnen konnte. Mit Ergebnissen wird Mittwochfrüh gerechnet.

Senator Bernie Sanders liegt in Iowa Umfragen zufolge vorne.
© AFP/Prezioso

Manchester – Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten geht der linke Senator Bernie Sanders Umfragen zufolge am Dienstag als Favorit in die zweite Vorwahl. Dicht auf den Fersen dürfte ihm im nordöstlichen Bundesstaat New Hampshire der gemäßigte frühere Bürgermeister Pete Buttigieg folgen. Er war in der vergangenen Woche nach dem ersten Votum in Iowa überraschend knapp in Führung gegangen.

Auch die Plätze drei und vier werden hart umkämpft sein, denn Kandidaten, die schlechter abschneiden, könnte der nötige Schwung ausgehen, weiter im Rennen zu bleiben. Der moderate Ex-Vizepräsident Joe Biden, der in landesweiten Umfragen lange als Favorit galt, hat seine Anhänger bereits vor einem schlechten Abschneiden gewarnt. In Iowa war er nur auf einen enttäuschenden vierten Platz gekommen. Die linke Senatorin Elizabeth Warren und ihre gemäßigten Amtskollegin Amy Klobuchar haben Umfragen zufolge ebenfalls Chancen auf die Plätze drei und vier.

Wahllokale geöffnet, Bloomberg gewinnt in Mini-Ort

Am Dienstagvormittag (Ortszeit) öffneten die Wahllokale, traditionell stimmten zuvor bereits die fünf Wahlberechtigten des winzigen Ortes Dixville Notch eine Minute nach Mitternacht ab.

In Dixville Notch, wo die abgegebenen Stimmen gleich nach Mitternacht gezählt wurden, gewann überraschend der Milliardär Michael Bloomberg. Dabei hatte der 77-Jährige angekündigt, die ersten Vorwahlen im Februar auszulassen, um sich auf den "Super Tuesday" am 3. März zu konzentrieren, an dem 14 Staaten gleichzeitig Vorwahlen abhalten.

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Mancherorts konnte in New Hampshire bereits um Mitternacht gewählt werden.
© AFP/Clary

Demokraten müssen sich nach Panne rehabilitieren

Eigentlich handelt sich bei der Vorwahl in New Hampshire sogar um die erste Vorwahl. In Iowa waren die Demokraten noch zu Wählerversammlungen zusammengekommen und hatten nach kompliziertem Verfahren abgestimmt.

Allerdings waren die Versammlungen (Caucus) in Iowa von einer technischen Panne bei der Übermittlung von Ergebnissen überschattet worden. Nach letztem Stand setzte sich Buttigieg mit dem hauchdünnen Vorsprung von zwei Delegierten gegen Sanders durch. Weil die Ergebnisse einiger Wahlbezirke aber überprüft werden sollten, stand ein endgültiges Ergebnis noch aus.

Bei den Republikanern wiederum gelten die Vorwahlen als Formsache: Präsident Donald Trump hat keine ernstzunehmende parteiinterne Konkurrenz. Die ersten Wahllokale in New Hampshire sollen um 6 Uhr (Ortszeit/12 Uhr MEZ) öffnen, die letzten um 20 Uhr (Ortszeit/2 Uhr MEZ Mittwoch) schließen. Im Anschluss wird mit ersten Ergebnissen gerechnet.

Umfrage

Sanders, Buttigieg und Biden schießen sich aufeinander ein

Die Favoriten in New Hampshire sind einander zuletzt heftig angegangen: Der bekennende "demokratische Sozialist" Sanders (78) kritisiert, dass Buttigiegs Kampagne Spenden von Milliardären erhält. Der 38-jährige Ex-Bürgermeister wiederum wirft Sanders vor, unrealistische Programme vorzuschlagen, die nicht finanzierbar seien. Buttigieg stellt sich als am besten geeignet dar, Wähler der Mitte zu gewinnen, um Trump zu besiegen. Ex-Vizepräsident Biden (77) wiederum, der Buttigieg die gemäßigten Wähler streitig machen will, kritisiert den früheren Rathauschef aus der Stadt South Bend als unerfahren.

Sanders kann einem Durchschnitt von Umfragen zufolge auf fast 29 Prozent der Stimmen hoffen, Buttigieg auf 21 Prozent. Dieser könnte seinen Stimmanteil aber verbessern durch sein gutes Abschneiden in Iowa, das von den Umfragen nur begrenzt berücksichtigt ist. Biden, Warren und Klobuchar können demnach nur auf etwa 11 Prozent hoffen.

Signalwirkung ohne großen Pool an Delegiertenstimmen

Bei den Vorwahlen in New Hampshire werden nur 24 Delegiertenstimmen vergeben. Um sich die Präsidentschaftskandidatur der Partei zu sichern, muss ein Bewerber fast 2000 Stimmen gewinnen. Die Bedeutung der Abstimmung liegt daher vor allem in ihrer Signalwirkung zu Beginn des langen Vorwahlkampfs: Ein gutes Abschneiden kann Kandidaten wichtigen Rückenwind geben, eine Niederlage kann dazu führen, dass die Parteispenden zurückgehen und Bewerber aufgeben müssen. Die erste große Entscheidung, bei der es um Hunderte Delegiertenstimmen gehen wird, steht am 3. März an. Am sogenannten "Super Tuesday" wird in mehr als einem Dutzend US-Bundesstaaten abgestimmt werden.

New Hampshire spielt trotz seiner nur 1,3 Millionen Einwohner außerdem noch aus einem anderen Grund eine wichtige Rolle in der politischen Landschaft der USA. Die Menschen gelten als Wechselwähler, der Staat als sogenannter Swing State, der stets bis zum Wahltag zwischen Republikanern und Demokraten heiß umkämpft ist.

📽 Video | Christophe Kohl (ORF) aus New Hampshire

Die Vorwahlen ziehen sich dann noch bis Juni hin. Anschließend küren beide Parteien ihren Präsidentschaftskandidaten offiziell. Die Präsidentenwahl ist für den 3. November angesetzt.

In einer landesweiten Umfrage der Universität Quinnipiac vom Montag lag Sanders mit 25 Prozent Zustimmung in Führung gefolgt von Biden (17 Prozent). Der frühere New Yorker Bürgermeister Mike Bloomberg, der in Iowa und New Hampshire gar nicht antrat, setzte seinen Vormarsch weiter fort und kam mit 15 Prozent auf den dritten Platz. Bloomberg konzentriert sich auf eine Kandidatur in den größeren Bundesstaaten, die bedeutend mehr Delegiertenstimmen vergeben. (APA, dpa)


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