35-Stunden-Woche: Pflegepersonal demonstrierte Streikbereitschaft

Mehr als 1000 Streikende haben am Mittwoch vor dem Sozialministerium in Wien ihre Forderung nach einer 35-Stunden-Woche in der Sozialwirtschaft erneuert.

Demonstration vor dem Sozialministerium in Wien am Mittwoch.
© HELMUT FOHRINGER

Wien – Mit Trillerpfeifen und Plakaten versammelten sich gestern mehr als 1000 Mitarbeiter der Sozialwirtschaft vor dem Sozialministerium. Prominenter Beobachter war Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne), der auf dem Weg ins Ministerium war. Die Forderung der Streikenden: In der Sozialwirtschaft soll die 35-Stunden-Woche im Kollektivvertrag verankert werden. Die Arbeitszeitverkürzung brauche es vor allem zur Burnout-Prävention und zur Gesundheitsförderung.

Auch in Tirol gab es Warnstreiks für verbesserte Arbeitsbedingungen. „Gestern Vormittag wurde in einem Betrieb die Arbeit niedergelegt, heute gibt es in vier weiteren Betrieben Warnstreiks“, erzählt Ralf Wiestner, Sekretär der GPA-djp in Tirol. Und in Betriebsversammlungen würden laufend weitere Streikbeschlüsse gefasst. In Tirol sind rund 11.000 Frauen und Männer im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich beschäftigt.

📽 Video | 35-Stunden-Woche: Warnstreik vor Sozialministerium

Eine 35-Stunden-Woche, die im Kollektivvertrag verankert ist, wäre ein Novum in Österreich. GPA-djp-Sekretär Wiestner kennt Betriebe in Österreich, in denen die Arbeitszeit per Betriebsvereinbarung reduziert wurde, „mit besten Erfahrungen“. Am Montag gehen die KV-Verhandlungen in die sechste Runde, der Gewerkschafter hofft, „dass die Arbeitgeber endlich gesprächsbereit“ sind. Das Angebot, ab 2021 die wöchentliche Arbeitszeit per Betriebsvereinbarung um eine Stunde auf 37 zu reduzieren, sieht Wiestner als „Themaverfehlung“. Denn das sei „nur eine Kann-Bestimmung“, betont er.

Bei der Demo in Wien zeigten sich die Betriebsratsvorsitzenden kampfbereit – notfalls könnten die Arbeitsniederlegungen auch bis in den Sommer weitergeführt werden, hieß es. Eva Scherz, Verhandlerin für die Gewerkschaft, ist optimistisch, dass eine Einigung in der kommenden Verhandlungsrunde gelingen kann. Den möglichen Kompromiss, dass die 35-Stunden-Woche etappenweise eingeführt wird, nannte sie einen „gangbaren Weg“.

Die Gewerkschaft hat nach der ergebnislosen fünften Runde der Kollektivvertrags-Verhandlungen in der Sozialwirtschaft zu Warnstreiks aufgerufen.
© HELMUT FOHRINGER

rbeitgeber warnten trotz der hohen Streikbeteiligung von mehr als 250 Standorten erneut vor einem Personalmangel. „Wenn wir die Arbeitszeit verkürzen, verschärfen wir diese Situation sehenden Auges.“ (ritz, APA)


Kommentieren


Schlagworte