Die Jagd geht weiter: Nun auf die Gatter-Schützen selbst

Einer der Schützen, die den Abschuss von 33 Stück Rotwild in Kaisers durchgeführt haben, ist Zielscheibe in sozialen Medien geworden. Auch deshalb ruft Bauernkammerpräsident Hechenberger den Jägerverband zur Sachlichkeit auf.

Der Abschuss von 33 Stück Wild traf die Einwohner von Kaisers völlig unerwartet.
© Gemeinde Kaisers

Kaisers, Innsbruck – Der sonntägliche Abschuss von 33 in einem Gatter gefangenen Stück Rotwild in Kaisers sorgt weiterhin für helle Aufregung. Die Maßnahme war wegen der Tbc-Durchseuchung des Rotwildes in der Region vom Land Tirol angeordnet worden. Der zuständige Agrarreferent LHStv. Josef Geisler (ÖVP) kündigte an, auf die Methode der Gattertötungen künftig verzichten zu wollen.

Wäre die Maßnahme – inklusive der Bilder – nicht schon schrecklich genug, wusste am Mittwoch ein Tiroler Jäger noch eins draufzusetzen. Er veröffentlichte auf Facebook das Foto eines der beiden mutmaßlichen Schützen, das ihn innerhalb des Gatters zeigt, und forderte dazu auf, das Bild so lange zu teilen, bis die Identität aufgedeckt sei.

📽 Video | Landesjägermeister Larcher im TT-Studio

Das Posting liegt der TT vor. In Jägerkreisen verteilte sich das Porträt in Windeseile. Ein Oberlechtaler, der auf Grund der ungeheuren Erregung nicht genannt werden will, appellierte an alle vernünftigen Kräfte im Land, diese „Hasenjagd“ sofort zu stoppen. Die Jagd gehe weiter, nun auf Menschen.

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Bürgermeister: Umdenken „Sternstunde“ für das Wild

Für den Bürgermeister von Kaisers, der sich von Anfang an mit allen Mitteln gegen das Reduktionsgatter gestemmt hatte, stellt das behördliche Umdenken nach Bekanntwerden des Gemetzels eine „Sternstunde“ dar. „Nämlich für das Wild. Nie mehr wieder wird es zu solch einem Abschlachten in Tirol kommen. Darüber kann man sich freuen.“ Zwei Jahre zuvor war bereits in der Nachbargemeinde Steeg ein Reduktionsgatter mit weit mehr „Opfern“ zum Einsatz gekommen. Damals störte sich niemand daran. Die Gemeinde trug es mit, die Bilder fehlten.

Landesjägermeister Larcher machte sich vor Ort in Kaisers selbst ein Bild und sprach mit Jägern des Bezirkes.
© TT/pirvat

Die Szenerie vom Massen-Abschuss ist auch für Landwirtschaftskammerpräsident und VP-Nationalrat Josef Hechenberger verstörend, „weil da etwas massiv falsch gelaufen sein muss“. Andererseits versteht er das Aufschaukeln durch die Jäger und Landesjägermeister Anton Larcher im Besonderen nicht. „Wären die Abschuss-
quoten wie in anderen betroffenen Gemeinden erfüllt worden, hätte es die Aktion gar nicht benötigt.“ Hechenberger fordert von Larcher deshalb die Rückkehr zur Sachlichkeit. „Die Sicherheit von Mensch und Tier haben oberste Priorität. Tbc ist hochansteckend und stellt eine Gefahr dar.“

Aus fachlicher Sicht war die Entscheidung zur Dezimierung der Rotwildbestände richtig.
Bauernkammerchef Josef Hechenberger

Aus Hechenbergers Sicht war das Wild mit dem derzeit festgestellten Durchseuchungsgrad von 15 Prozent der Tiere ein Gesundheitsrisiko für alle. „Leider gab es in den letzten Jahren auch Ansteckungen von Rindern, weshalb die Ställe teils komplett gekeult werden mussten.“ Das sei nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine emotionale Belastung für die betroffenen bäuerlichen Familien gewe-
sen. (hm, pn)


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