"Aus Geschichte Schlüsse ziehen": Dresden gedenkt Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Vor 75 Jahren bombardierten die Alliierten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Dresden. 25.000 Menschen wurden binnen dreier Tage getötet. Bei einer Gedenkveranstaltung unter Anwesenheit des Bundespräsidenten wird der Opfer gedacht.

Die Frauenkirche wird vor einer dunklen Wolkenkulisse von der Wintersonne angestrahlt.
© Jens Büttner

Dresden – Mit einer Kranzniederlegung für die Opfer der alliierten Luftangriffe auf Dresden hat am Donnerstag das Gedenken an die Zerstörung des historischen Stadtzentrums der ostdeutschen Stadt vor 75 Jahren begonnen.

Rund 200 Menschen versammelten sich dazu auf dem Heidefriedhof im Norden der sächsischen Landeshauptstadt. "Es ist wichtig, dass wir uns erinnern, weil sich Geschichte dann nicht wiederholt, wenn wir sie kennen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen", erklärte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer in einer Mitteilung. "Wir alle tragen Verantwortung für unsere Demokratie und ein friedliches Miteinander", fügte er hinzu.

Die von mehreren Initiativen organisierte Ehrung ist traditionell Auftakt des offiziellen Gedenkens für die geschätzt 25.000 Toten der Bombardierungen zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Viele von ihnen sind auf dem Waldfriedhof bestattet. An den Gedenkveranstaltungen nimmt auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil. (APA, dpa)

📽 Video | Dresden gedenkt der Bombenangriffe vor 75 Jahren

Historiker über Luftangriffe auf Dresden: Nicht mehr als 25.000 Tote

Tausende Menschen kamen bei den Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 ums Leben. Mitunter ist die Rede von bis zu 500.000 oder sogar einer Million Menschen, die bei den Attacken der Alliierten in der historischen deutschen Stadt an der Elbe gestorben sein sollen. Zuletzt teilte unter anderem AfD-Co-Chef Tino Chrupalla mit: "Ich gehe von etwa 100.000 Opfern aus."

BEWERTUNG: Dafür gibt es keine Belege. Einer Historikerkommission zufolge waren es nicht mehr als 25.000 Tote.

FAKTEN: Vom 13. bis zum 15. Februar 1945 griffen britische und US-amerikanische Bomberverbände Dresden an. Tausende Tonnen Brand-und Sprengbomben fielen auf die Stadt und entfachten einen tödlichen Feuersturm. Ein Großteil des Stadtzentrums wurde nahezu vollständig zerstört.

Weil die Zahl der Opfer dieser Angriffe über Jahrzehnte umstritten war - die Angaben schwankten in der Regel zwischen etwa 20.000 und 500.000 Menschen -, setzte im Jahr 2004 der damalige Dresdner Bürgermeister Ingolf Roßberg eine Historikerkommission ein.

Rechtsextremisten relativierten Kriegsschuld mit Dresden-Bomben

Vor allem Rechtsextremisten hatten die Angriffe immer wieder als beispiellos hingestellt und somit versucht, die deutsche Kriegsschuld zu relativieren. Es war ein Mythos, den schon der Propagandaapparat der Nationalsozialisten am Ende des Zweiten Weltkriegs für sich zu nutzen versuchte.

In ihrem fast 100 Seiten starken Bericht kam die Historikerkommission nach mehr als fünf Jahren Forschung zu dem Schluss, dass bei den Angriffen nicht mehr als 25.000 Menschen ums Leben kamen.

Die Experten untersuchten unter anderem Friedhofsunterlagen nach Angaben zu den Todesopfern und werteten mehr als 1.300 Aussagen von Zeitzeugen aus. Außerdem gingen die Forscher der Behauptung nach, Tausende Menschen seien im Flammeninferno spurlos verbrannt - und dadurch liege die Zahl der Opfer in Wahrheit weit höher.

Nach der Konsultation von Experten – unter anderem aus Brandschutz, Rechtsmedizin, Archäologie und Architektur – kamen die Historiker aber zu dem Schluss, dass das spurlose Verschwinden einer größeren Zahl von Menschen unmöglich gewesen sei.

AfD beharrt und greift Argumente der rechtsextremen NPD auf

Dessen ungeachtet behauptet AfD-Co-Chef Chrupalla, das Rote Kreuz habe 1948 von 275.000 Toten geschrieben. Das halte er für glaubwürdiger. Mit derselben vermeintlichen Quelle hatte unter anderem auch die rechtsextreme NPD argumentiert.

Die Historikerkommission bezeichnet die Angaben in dem mehr als 70 Jahre alten Bericht des Roten Kreuzes als "nicht belastbar" oder "zumindest nicht nachprüfbar". In dem Report von 1948 heißt es ausdrücklich, die Angaben basierten etwa auf Augenzeugenberichten, Zeitungsmeldungen oder Angaben anderer Hilfsorganisationen - und nicht auf eigenen Untersuchungen.

Die Dresdner Experten konnten weder aus der Rekonstruktion der Ereignisse noch bei der Prüfung von Dokumenten, Erinnerungen, Statistiken oder militärtechnischen Untersuchungen "belastbare Argumente für Totenzahlen von 100 000 und mehr" feststellen.


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