Leiche in Kössen gefunden: Ehemann noch nicht befragt

Mordalarm in Kössen: Nach dem gewaltsamen Tod einer 52-Jährigen steht der Ehemann unter „dringendem Tatverdacht“. Der 56-Jährige konnte auch am Freitagvormittag noch nicht befragt werden.

Die Polizei am Tatort: Die Leiche der Frau wurde im Keller gefunden.
© ZOOM.TIROL

Von Thomas Hörmann

Kössen – Frau tot, Ehemann unter Mordverdacht: So lautet die Kurzfassung eines Dramas in Kössen, das seit Donnerstagvormittag das Landeskriminalamt beschäftigt. „Wir gehen derzeit davon aus, dass die 52-Jährige erdrosselt oder erwürgt wurde“, beschreibt Katja Tersch, Leiterin des Landeskriminalamtes, den Ermittlungsstand. „Jedenfalls war’s ein Angriff gegen den Hals. Genaueres werden wir erst nach der Obduktion am Freitag wissen.“ Der Ehemann konnte noch nicht befragt werden. Er stand vermutlich unter dem starken Einfluss von Medikamenten.

Am Freitagvormittag wurde mit den Ärzten dann versucht abzuklären, wann man den Beschuldigten vernehmen könne. "Wir hoffen, dass es bald sein wird", meinte Tersch. Der 56-Jährige war am Donnerstag offenbar beeinträchtigt – die Polizei vermutete durch die Einnahme von Medikamenten – und wurde deshalb ins Krankenhaus eingeliefert. Ein Suizidversuch des Verdächtigen könne nicht ausgeschlossen werden. "Da wir den Todeszeitpunkt noch nicht wissen, wissen wir auch nicht, ob er die Medikamente vor oder nach dem Tod seiner Frau genommen hat", so die LKA-Leiterin. Die Obduktion der Leiche war am Freitagvormittag noch im Gange, die Ergebnisse wurden am Nachmittag erwartet.

Die Befragung der Arbeitskollegen des 56-Jährigen, die die Leiche der Frau gefunden hatten, ergab indes keine neuen Hinweise. "Sie bestätigten nur, was wir schon wussten", sagte Tersch. Das Ehepaar war jedenfalls in der Vergangenheit polizeilich nicht auffällig gewesen.

Reihenhaussiedlung war Schauplatz von Gewalttat

Schauplatz der Gewalttat war die Reihenhaussiedlung Blumenfeld. Mitarbeiter einer Unterländer Straßenmeisterei haben die Leiche der 52-Jährigen entdeckt. „Der Ehemann ist nicht zur Arbeit erschienen und war auch telefonisch nicht erreichbar“, schildert die LKA-Chefin: „Die Kollegen wollten nachschauen, was los ist.“ Als die Straßenmeisterei-Mitarbeiter kurz vor zehn Uhr an der Tür des Reihenhauses läuteten, öffnete der 56-Jährige. Der Mann war sichtlich benommen und kaum in der Lage, ein Gespräch zu führen.

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Da das Auto des Paares beim Haus stand, wollten die Zeugen auch nach der Ehefrau sehen. Im Keller machten die Arbeitskollegen dann eine schreckliche Entdeckung – dort fanden sie die leblose 52-Jährige. Ein Notruf war die Folge. Doch die Einsatzkräfte, die wenig später in Blumenfeld eintrafen, konnten nichts mehr tun – „die Frau war bereits tot“, sagt Tersch. Wann die Kössenerin starb, „ist derzeit noch unklar. Wir müssen das Obduktionsergebnis abwarten.“

Ehemann schwieg von Anfang an

Auch weil der Ehemann aufgrund seines Zustandes keinen Beitrag zur Klärung des Falles leisten konnte. „Er hat auch zu den Beamten der Funkstreife nichts gesagt, die als Erste am Tatort eintrafen“, erklärt Tersch. An eine Einvernahme des Verdächtigen war daher nicht zu denken – der Mann wurde ins Krankenhaus nach Kufstein gebracht. Voraussichtlich wird der 56-Jährige erst heute befragt werden können. Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Einnahme der Medikamente ein Suizidversuch war.

Der Ehemann ist für die Beamten der einzige Verdächtige: „Der Mann steht unter dringendem Tatverdacht“, erklärt Tersch. Ein Beschuldigter, der für die Polizei bisher ein unbeschriebenes Blatt war. „Das Ehepaar ist nie aufgefallen.“

Wie Nachbarn erzählen, sollen der 56-Jährige und seine Frau das Reihenhaus in Kössen vor etwa fünf Jahren gekauft und bezogen haben. Dort sind seit Donnerstag die Spurenexperten des Landeskriminalamtes am Werk: „Wir wollen uns ein Bild vom Geschehen machen, um es dann mit den Aussagen des Verdächtigen abzugleichen“, beschreibt LKA-Leiterin ­Tersch die weitere Vorgangsweise der Kriminalisten.


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