Coronavirus: Tourismus massiver betroffen als bei SARS

Für Österreich ist die Corona-Virus-Epidemie vermutlich überschaubar. Weltweit hat die Krankheit aber doch gravierende Auswirkungen.

Für Österreich ist der Effekt des Coronavirus wahrscheinlich überschaubar. (Symbolfoto)
© Thomas Böhm

Wien - In der Tourismusbranche wachsen die Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie, die in China ihren Ausgang genommen hat. "Wir erwarten einen ähnlichen Verlauf wie 2003 bei SARS - der Einfluss wird aber ein größerer sein, weil China einen wesentlich größeren Anteil am weltweiten Tourismus hat", sagte der Reisebüro-Sprecher der Wirtschaftskammer, Gregor Kadanka, am Freitag.

Besonders betroffen seien Japan und Thailand, denn dort seien 20 Prozent der Urlauber Chinesen. "Die beiden Länder gehen doch von signifikanten Rückgängen aus", so der WKÖ-Fachverbandsobmann vor Journalisten in Wien. Für die beiden Destinationen werde derzeit mit einem Ausfall im Volumen von 1,5 Milliarden Euro gerechnet.

Auch Airline-Industrie betroffen

"Natürlich ist auch die Airline-Industrie betroffen - auf ihren Strecken nach China", ergänzte Kadanka. Unter dem Titel Coronavirus-Krise seien hier aktuellen Prognosen zufolge weltweit insgesamt Einbußen von 5 Milliarden Euro zu erwarten. "Im ersten Halbjahr wird es einen 'Dip' auf diesen Strecken geben, es ist aber zu erwarten, dass sich das danach relativ rasch wieder erholt", meinte der Branchenkenner.

"Für Österreich ist der Effekt des Coronavirus wahrscheinlich überschaubar", schätzt Kadanka. Der Anteil der Chinesen an der Gesamtzahl der Urlauber betrage nur etwa 2,2 Prozent. Und da deren durchschnittlicher Aufenthalt kürzer dauert als bei anderen Gästen, erreiche der Anteil an der Gesamtzahl aller Nächtigungen in den heimischen Hotels und Pensionen sogar nur ein Prozent.

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Freilich werde das Ausbleiben chinesischer Touristen "unterschiedliche Anbieter in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich betreffen", räumte der WKÖ-Fachverbandsobmann ein. Wien und Salzburg gehören beispielsweise zu den Lieblingszielen der Chinesen. Und es gebe auch heimische Reisebüros, die auf China-Urlauber spezialisiert seien und im "Incoming" ausschließlich am chinesischen Markt aktiv seien. "So etwas ist nicht versicherbar, das fällt unter kaufmännisches Risiko."

Aida Cruises beendet Asien-Saison vorzeitig

"Im Zusammenhang mit Kreuzfahrten sehen wir hier in Österreich derzeit noch keinen Effekt", betonte Kadanka. Allerdings hätten die Kreuzfahrtgesellschaften ihre Sicherheitsbestimmungen massiv verschärft und ließen etwa Kunden nicht mehr boarden, die in den vergangenen Wochen in China waren. "Viele Routen werden in andere Weltregionen verlegt - zum Beispiel von Asien in die Karibik", berichtete er weiters. Angesichts des sich in Ostasien weiter ausbreitenden Coronavirus und der zunehmenden Reiseeinschränkungen in diesen Regionen beendete etwa die Reederei Aida Cruises ihre Asien-Saison vorzeitig, wie sie am Freitag bekanntgab. Normalerweise hätte diese noch bis April gedauert. "Es gibt eindeutig einen 'Shift' weg von den asiatischen Routen - in den vergangenen Tagen haben viele angekündigt, dass das kommt", bekräftigte Kandanka. (APA)


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