Studie: Fake News machen Ausbrüche von Krankheiten nur noch schlimmer

Forscher haben herausgefunden, dass Menschen eher dazu neigen, Ratschläge zu Fehlverhalten zu teilen als Informationen von vertrauenswürdigen Stellen.

Das Corona-Virus (Archivfoto vom 01.04.2003). Im Frühjahr 2003 hatte die Lungenseuche SARS auch Europa erreicht.
© Rolf Vennenbernd

Norchwich, Wien – Gezielte Falschinformationen verschlimmern den Ausbruch gefährlicher Erkrankungen wie dem Coronavirus. Wie eine Studie der britischen University of East Anglia zeigte, erhöhen Verschwörungstheorien, Fake News und vor allem falsche Ratschläge das Risiko einer weiten Ausbreitung.

Die Forscher haben für ihre Studie eine Vielzahl von theoretischen Simulationen erstellt, mit denen sie die Auswirkungen von Epidemien untersuchten. Dabei berücksichtigten sie Daten über menschliches Verhalten in solchen Fällen, über die Ausbreitung von verschiedenen Krankheiten in der Vergangenheit sowie die Geschwindigkeit, mit der sich Informationen in sozialen Medien verbreiten. Sie benutzten auch Daten zur Tendenz von Usern, offiziellen Quellen zu misstrauen und stattdessen Verschwörungstheorien zu glauben.

Das Resultat der Simulation war, dass Fake News zu mehr Fehlverhalten bei Epidemien führen und so deren Ausbreitung beschleunigen. Zu schlechtem Handeln gehöre das mangelnde Händewaschen und Desinfizieren oder das Teilen von Essen mit Erkrankten. Menschen neigen laut der Studie eher dazu, Ratschläge zu solchem Verhalten zu teilen als Informationen von vertrauenswürdigen Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Um gefährliche Falschinformationen zu bekämpfen, müssen laut den Forschern offizielle Stellen mehr gute Ratschläge verbreiten sowie Menschen besser gegen Unwahrheiten „immunisieren“.

„Offizielle Stellen neigen dazu, Lage zu beschönigen“

„Im Falle einer Epidemie sollten sich Menschen ihre Informationen von öffentlichen Stellen holen. Fake News steigern das Misstrauen der Bevölkerung in diese, was allerdings nicht ganz unbegründet ist“, so „Blackout“-Experte Herbert Saurugg im Gespräch mit dem Portel pressetext. Offizielle Stellen würden dazu neigen, die Lage zu beschönigen oder nur Teilaspekte darzustellen. Saurugg: „Die Menschen spüren das und suchen daher alternative Quellen, womit genau das Gegenteil von dem erreicht wird, was beabsichtigt war.“

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Saurugg kritisiert die mangelnde Vorbereitung auf den potenziellen Ernstfall in Europa. „Die Versorgungsketten in und mit China zerbrechen gerade. Wir werden die Auswirkungen davon auch bald bei uns zu spüren bekommen. Bei einer tatsächlichen Pandemie und Massenerkrankung wären wir derzeit nicht in der Lage, die Versorgung innerhalb Europas aufrechtzuerhalten. Offizielle Stellen sollten daher auch diese Schwachstellen ansprechen und zur Eigenvorsorge aufrufen, anstatt vorzugeben, es wäre alles in Ordnung und unter Kontrolle.“ (pte, TT.com)


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