Trotz russischen Dopingfluchs winkt ein Geldsegen für ÖSV-Biathleten

Die Biathlon-Szene hat sich auf Alexander Loginow (RUS) als Übeltäter eingeschossen. Die ÖOC-Staffel könnte nachträglich Prämien bekommen, sollte aus Olympia-Bronze noch -Silber werden.

Links Weltmeister Alex Loginow, daneben sein Gegner Martin Fourcade und kritische Journalisten.
© gepa

Von Florian Madl

Innsbruck – Wenn Dorothea Wierer die Lichtgestalt der Biathlon-Weltmeisterschaft in Antholz verkörpert, sozusagen den Sonnenstrahl in einem vom Biathlonsport beseelten Hochtal, dann steht Alexander Loginow für das Gegenteil. „Jedi-Ritter“ wie Tarjei Bö und Martin Fourcade können die Sauberkeit des Sports propagieren, der Russe indes steht stellvertretend für das Böse: Doping.

Schon einmal gesperrt, mittlerweile zurück in Amt und – das bestreiten seine Gegner zumindest – Würden. Denn die Siegerehrung nach seinem Sprint-Gold in Antholz kam mehr einem Spießrutenlauf als einer Würdigung gleich. Teils kuriose Szenen garnierten die Pressekonferenz: „Wer einmal dopt, dem glaubt man nicht“, titelte die Süddeutsche Zeitung den Medienauftritt, in dem sich Loginow als Zyniker entpuppte. „Meine Frau und ich haben nun eine größere Wohnung und würden uns freuen, alle einzuladen, meine Alltagsroutine zu beobachten und sich zu vergewissern, dass bei mir alles sauber abläuft.“

„Es ist traurig, wenn ein ehemaliger Doper Weltmeister wird.“

Tarjei Bö sieht im Russen kein Mitglied der Biathlon-Familie: „Loginow zählen wir nicht mehr mit.“ Und sein Bruder Johannes Thingnes Bö erklärte: „Es ist traurig, wenn ein ehemaliger Doper Weltmeister wird.“ Der Schwede Sebastian Samuelsson schüttelte den Kopf: „Es ist ein trauriger Tag fürs Biathlon.“

Der Deutsche Arnd Pfeifer bleibt zurückhaltend: „Da ist ein gewisses Geschmäckle dabei.“ Nur Martin Fourcade, der Loginow vor drei Jahren in Hochfilzen den Handschlag verweigert hatte, übte sich in Diplomatie: „Wir haben hier eine wundervolle WM in Ant­holz und sollten uns auf das Sportliche konzentrieren.“

>>> Ex-Dopingsünder Loginow holte WM-Gold im Sprint

>>> Franzose Jacquelin überraschte mit Gold, Tiroler Leitner bester ÖSV-Biathlet

Dass Österreichs Staffel aufgrund der Doping-Untersuchungen von Sotschi 2014 statt Olympia-Bronze möglicherweise Silber erbt (Ausschluss der Russen), lässt Tirols Aushängeschild Dominik Landertinger kalt: „Ich hätte mich damals auch über Silber kaum mehr freuen können.“ Trauriger sei das wohl eher für die nunmehr drittplatzierten Norweger, die um ihre Medaillenfeier gebracht wurden. Oder um die wohl bald als Olympiasieger geführten Deutschen.

Ob Österreichs Staffel nun die erhöhten Prämien des Österreichischen Olympischen Komitees bekommt (12.300 Euro für Silber statt 10.400 für Bronze)? ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel bestätigt aus dem fernen Tokio: „Im Sinne der Fairness müssen wir das intern auf jeden Fall zum Thema machen.“


Kommentieren


Schlagworte