Afghanischer Präsident Ghani für zweite Amtszeit gewählt

Erst fünf Monate nach der Wahl in Afghanistan steht das Endergebnis fest. Präsident Ashraf Ghani eroberte demnach knapp die absolute Mehrheit der Stimmen.

Der afghanische Präsident Ashraf Ghani im Rahmen der Sicherheitskonferenz in München.
© CHRISTOF STACHE

Kabul – Fast fünf Monate nach der Präsidentschaftswahl in Afghanistan hat die Unabhängige Wahlkommission Aschraf Ghani zum Sieger erklärt. Demnach erhielt der amtierende Präsident 50,64 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission in einer Pressekonferenz am Dienstag mitteilte. Damit hat Ghani die Wahl bereits im ersten Durchgang gewonnen, es ist keine Stichwahl notwendig.

"Die Wahlkommission erklärt Herrn Aschraf Ghani (...) zum Präsidenten von Afghanistan", sagte Kommissionschefin Hawa Alam Nuristani. Insgesamt waren 18 Kandidaten zu der Wahl angetreten.

Herausforderer nur bei knapp 40 Prozent der Stimmen

Ghanis wichtigster Herausforderer, Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah, kam den Resultaten zufolge auf 39,52 Prozent der Stimmen. Von den weiteren Kandidaten kam niemand auch nur auf fünf Prozent der Stimmen.

Die Präsidentenwahl hatte am 28. September stattgefunden. Ende Dezember hatte die Wahlkommission nach wochenlangen Verzögerungen vorläufige Ergebnisse verkündet. Ghanis Gegner kritisieren, die Wahl sei durch massiven Betrug, technische Probleme, Angriffe und Unregelmäßigkeiten beeinträchtigt gewesen. Auch danach wurde für Ghani ein Wert von 50,64 Prozent der Stimmen ermittelt.

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Konkurrenten erkannten Resultat nicht an

Abdullah sowie weitere Präsidentschaftskandidaten hatten das vorläufige Resultat nicht anerkannt. Abdullah hatte 300.000 Stimmen beanstandet, die seiner Ansicht nach ungültig waren. Beobachter gingen davon aus, dass Abdullah auch das offizielle Endergebnis nicht anerkennen wird.

Vor der Wahl hatte es in Kabul viele Warnungen vor einer möglichen politischen Krise im Fall eines erneut umstrittenen Votums gegeben. Abdullah etwa hatte im Vorfeld erklärt, seine Anhänger seien nicht bereit, einen legitimen Wahlsieg zu opfern. Eine anhaltende politische Krise mit Straßenprotesten oder gar Gewalt könnten auch die Bemühungen, einen Friedensschluss mit den aufständischen Taliban zu erreichen, erschweren.

Die wieder erstarkten Taliban hatten die Bevölkerung aufgerufen, die Wahl zu boykottieren. Sie greifen seit Sonntagabend wieder verstärkt afghanische Regierungstruppen an. Binnen fünf Tagen solle eine Vereinbarung zwischen Taliban und den USA zur befristeten Verringerung der Gewalt in Kraft treten, teilte der amtierende afghanische Innenminister Massud Andarabi mit. Sie soll für eine Woche gelten.

Bei der vorangegangenen Präsidentschaftswahl vor fünf Jahren hatte es ein Patt gegeben: Sowohl Ghani als auch Abdullah erklärten sich damals zum Sieger. Erst durch Vermittlungen des damaligen US-Präsidenten Barack Obama einigten sich die beiden Kontrahenten auf einen Kompromiss: Ghani wurde Staats- und Abdullah Regierungschef. (APA, AFP)


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