Spar-Boss gegen Handelsbashing, ÖVP-Mandatar wehrt sich

Der Umsatz von Spar erhöhte sich 2019 um 4,7 Prozent auf 15,72 Milliarden. Euro. Im Gesamtkonzern kamen voriges Jahr 2200 Jobs dazu, davon rund 1000 in Österreich. Der ÖVP-Abgeordnete Manfred Hofinger fordert mehr Verständnis von Lebensmittelhandel für die bäuerlichen Produktionsbedingungen.

Der Spar-Marktanteil stieg von 31,9 Prozent im Jahr 2018 auf 32,7 Prozent im Vorjahr.
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Wien, Salzburg - Der Handelskonzern Spar hat Umsatz, Gewinn und Marktanteile im vergangenen Jahr gesteigert. Der Umsatz erhöhte sich um 4,7 Prozent auf 15,72 Milliarden Euro. "Der Gewinn vor Steuern (EBT, Anm.) stieg von 324 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 352 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Die Netto-Umsatzrendite stieg von 3,1 auf 3,2 Prozent".

Spar-Chef Gerhard Drexel
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Besonders erfreulich sei, dass Spar einmal mehr über dem Markt gewachsen sei, denn auch der Umsatz der Spar-Geschäfte in Österreich kletterte um 4,7 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro", so Konzernchef Gerhard Drexel. Die Branche habe voriges Jahr um 2,1 Prozent zugelegt, so Drexel. Der Spar-Marktanteil stieg somit laut dem Konzernchef von 31,9 Prozent anno 2018 auf 32,7 Prozent im Vorjahr. "Das ist ein Höchststand und doch eine schöne Marktposition." 2018 lag Spar-Hauptkonkurrent Rewe (mit Billa, Adeg, Penny, Merkur) mit einem Marktanteil von 34,1 Prozent knapp vorne.

Investitionen und Expansion

Voriges Jahr hat Spar insgesamt 680 Mio. Euro investiert. "Heuer sieht der Investitionsplan 750 Millionen Euro vor", erklärte Drexel. Damit wurden bzw. werden im In- und Ausland neue Standorte eröffnet und bestehende modernisiert sowie auf das neue Supermarktkonzept umgestellt. Heuer sollen das zwischen 80 und 90 sein. Aktuell entsteht in Monselice bei Padua ein komplett neues Tann-Frischfleisch-Werk und ein neues Distributionszentrum für das Gebiet Norditalien. Die Einkaufszentren-Tochter der Spar, die SES, eröffnet noch im März ein 32.000-Quadratmeter-Shoppingcenter in Ljubljana.

Im Gesamtkonzern kamen voriges Jahr 2200 Jobs dazu, davon rund 1000 in Österreich. "Auch heuer wollen wir sicherlich wieder rund 1000 neue Arbeitsplätze schaffen." Spar hat rund 1500 Geschäfte in Österreich. Etwa 700 davon werden von selbstständigen Spar-Kaufleuten geführt.

Bei der Sport- und Freizeithandelstochter Hervis kam es zuletzt wegen "Auffassungsunterschieden" zu einem Wechsel der Geschäftsführung. Derzeit wird an einer Neuausrichtung gearbeitet, die in Richtung Qualität geht, so Drexel. Vor allem am Heimmarkt Österreich ist zuletzt viel Konkurrenz dazugekommen.

"Handelsbashing": Stammt aus Parallelwelt

Zuletzt ortete Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) einen "Missbrauch von Marktmacht" in der Preisbildung durch den Lebensmittelhandel. Solcherlei Kritik lässt Drexel nicht auf sich sitzen. Er verstehe die wieder aufgeflammte Kritik über angeblich niedrige Erzeugerpreise nicht und verteidigt die ganze heimische Branche gegen das "Handelsbashing", das nur aus einer "Parallelwelt" stammen könne.

"Ich kenne kein anderes Land auf der Welt, in dem der Lebensmittelhandel mit der heimischen Landwirtschaft so stark verbunden ist wie in Österreich", sagte Drexel. So stamme Rinds-, Schweins-, und Kalbfleisch bei Spar schon seit 25 Jahren nur mehr aus Österreich. "Der gesamte heimische Handel tut sehr viel, was die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft betrifft."

Bei den Regeln für die geplante verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel kommt es für Drexel darauf an, "wie bürokratisch oder wie pragmatisch" der Plan aufgezogen wird. "Es darf zu keinem Bürokratieexzess kommen." Bei Molkerei-, Fleisch- und Wurstprodukten werde schon jetzt oft die Herkunft der Primärzutat angegeben. "Bei verarbeiteten Produkten wie beispielsweise einer Tiefkühlpizza wird es aber verdammt schwierig", gibt der Spar-Chef zu bedenken.

"Vormacht einiger Handelsketten erdrückend"

Der ÖVP-Abgeordnete Manfred Hofinger hat nach der Kritik Drexel mehr Verständnis vom Lebensmittelhandel für die bäuerlichen Produktionsbedingungen gefordert. "Die Vormacht einiger Handelsketten im Lebensmittelbereich ist erdrückend", prangerte Hofinger in einer Aussendung am Donnerstag.

"Weder leben die Bäuerinnen und Bauern in einer 'Parallelwelt', reagierte Hofinger daraufhin, noch gehe es beim "Aufzeigen von Marktkonzentration und unfairer Preisbildung um 'Handelsbashing', sondern einzig und allein darum, ungerechtfertigte Preisschlachten am Rücken der produzierenden Bäuerinnen und Bauern abzustellen", heißt es in der Aussendung weiter. Die vier großen Supermarkt-Konzerne - Rewe Austria, die Spar-Gruppe, Hofer und Lidl - würden "verstärkt über die Preisentwicklung und das nicht immer zum Vorteil unserer bäuerlichen Familienbetriebe" bestimmen. "Qualität hat nicht nur einen Wert, sie muss auch einen Preis haben, der den tatsächlichen Produktionsbedingungen entspricht." (APA, TT.com)

Handelsriese Spar

Die Spar Österreich-Gruppe hat insgesamt 3207 Standorte und 85.006 Mitarbeiter in mehreren Ländern. Die gesamte Verkaufsfläche beläuft sich auf knapp 2,6 Millionen Quadratmeter. Hier Details und Geschäftszahlen zum Konzern für das Jahr 2019:

Spar Österreich besteht aus Spar, Eurospar, Interspar und Maximarkt. Es gibt 1.557 Standorte und 43.974 Mitarbeiter, davon 2.214 Lehrlinge. Der konsolidierte Brutto-Umsatz belief sich auf 6,42 Mrd. Euro ohne die rund 700 selbstständigen Spar-Kaufleute und auf 7,20 Mrd. Euro samt den Kaufleuten.

Austria Spar International AG (ASPIAG) ist in Italien, Slowenien, Ungarn und Kroatien tätig. Der Umsatz in diesen Ländern belief sich mit 37.393 Mitarbeitern (davon 671 Lehrlinge) im Vorjahr auf 5,99 Mrd. Euro. Größte Umsatzbringer waren die Geschäfte in Italien (2,33 Mrd. Euro), gefolgt von jenen in Ungarn (2,09 Mrd. Euro).

Hervis ist in Österreich mit 106 und im Ausland mit 131 Filialen tätig. Der Umsatz belief sich voriges Jahr auf 0,51 Mrd. Euro. Mitarbeiter zählt der Sporthändler 3.250, davon 389 Lehrlinge.

SES Spar European Shopping Centers verfügt über 29 Standorte und 389 Mitarbeiter. Die verpachtete Fläche beläuft sich auf 790.000 Quadratmeter. Der Umsatz betrug 2,83 Mrd. Euro.

Spar Österreich-Gruppe zählt somit insgesamt 85.006 Mitarbeiter, davon 45.764 in Österreich. Insgesamt werden 3271 Lehrlinge ausgebildet, davon 2485 in Österreich.


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