Heimsieg für Gut-Behrami in Crans Montana, Tirolerin Venier am Podest

Schweizer Doppelsieg beim Weltcup in Crans Montana: Hinter Lara Gut-Behrami und Corinne Suter landete die Tirolerin Stephanie Venier auf Rang drei. Überschattet wurde das Rennen vom schweren Sturz der ÖSV-Läuferin Elisabeth Reisinger.

Beim Schweizer Doppelsieg durch Gut-Behrami und Suter hatte auch die Oberperferin Stephanie Venier Grund zum Jubeln.
© GEPA pictures/ Mathias Mandl

Crans Montana – Die erste Damen-Weltcupfahrt in Crans-Montana hat einen Heim-Doppelerfolg für die Schweiz gebracht. Hinter Überraschungssiegerin Lara Gut-Behrami sowie Corinne Suter lieferte Stephanie Venier am Freitag als Dritte ein Positiv-Erlebnis für die ÖSV-Abfahrtsdamen ab. Nina Ortlieb wurde im Ersatzrennen für Sotschi zudem Sechste. Für Gut-Behrami war der 25. Weltcup-Sieg der erste seit über zwei Jahren.

Das Rennen in Crans war wie so oft geprägt von einer wegen starker Sonneneinstrahlung aufweichenden Piste. Immer wieder rutschten Soldaten auf Ski mit ihren skurrilen Brezelsalz-Gebläsen über die Strecke. Trotzdem musste die Abfahrt nach einem Sturz der Österreicherin Elisabeth Reisinger lange unterbrochen werden. Die Europacup-Gesamtsiegerin aus Oberösterreich, zuletzt in Garmisch und Bansko jeweils beste ÖSV-Abfahrerin, wurde mit Schmerzen im linken Knie vom Notarzt-Hubschrauber zur Untersuchung nach Sion geflogen. Dort wurde ein Kreuzbandriss sowie eine Prellung des Schienbeinkopfes diagnostiziert. Die 23-Jährige wird in den kommenden Tagen in Österreich operiert. Die Saison ist für Reisinger gelaufen.

Suter mit einer Hand am Abfahrts-Kristall

Auf dem Sonnenhang im Wallis sind vordere Startnummern grundsätzlich ein Vorteil. Trotzdem schaffte es Gut-Behrami mit der 18 ganz nach vorne, mit acht Zehnteln vor Suter fiel der erste Abfahrtssieg seit über drei Jahren der nach ihrer Heirat mit dem Fußballer Valon Behrami (2018) mancherorts schon abgeschriebenen Gesamt-Weltcupsiegerin von 2015/16 sogar deutlich aus. „Wenn die Lockerheit wieder da ist und sich das Skifahren leicht anfühlt, ist man gleich wieder schnell“, meinte die 28-jährige Tessinerin. „Ich spüre schon seit Wochen, dass vieles wieder zusammenkommt. Jetzt bin ich im Rennen nicht mehr am Überlegen, sondern am Skifahren.“

Dass ausgerechnet beim Heimrennen eine Schweizerin einer anderen Eidgenossin den Sieg wegschnappte konnte nicht verhindern, dass Suter nun am Samstag erstmals und vorzeitig die Abfahrts-Weltcupkugel gewinnen kann. Bei 120 Punkten Vorsprung auf Ester Ledecka kann die Zauchensee-Siegerin Suter nach fünf Podestplätzen schon vor dem Finale alles klar machen. Suter wäre die erste Abfahrts-Weltcupsiegerin aus der Schweiz seit Chantal Bournissen 1991.

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Weltcup-Wertungen Damen

Abfahrt

1. Corinne Suter (SUI) 397 Punkte

2. Ester Ledecka (CZE) 277

3. Federica Brignone (ITA) 270

Weiter: 7. Stephanie Venier (AUT) 193, 8. Nicole Schmidhofer (AUT) 192

Gesamtweltcup

1. Mikaela Shiffrin (USA) 1225 Punkte

2. Federica Brignone (ITA) 1148

3. Petra Vlhova (SVK) 1121

Weiter: 11. Katharina Liensberger (AUT) 401, 12. Nicole Schmidhofer (AUT) 398, 13. Stephanie Venier (AUT) 378

Für die mit Nicole Schmidhofer die Titelverteidigerin stellenden ÖSV-Damen ist diese Möglichkeit dahin. Platz drei für Venier war für die im Vorjahr so erfolgsverwöhnte Speed-Damen aber ein absoluter Lichtblick, war es doch der erst vierte Podestplatz dieses Winters und der erste in der Abfahrt seit dem Jahreswechsel überhaupt.

Für Venier war es der erste Podestplatz seit Platz drei Anfang Dezember in Lake Louise. „Ich hatte zwar wieder Fehler, die haben mich aber schneller gemacht“, meinte die Tirolerin über ihren Befreiungsschlag. „Mit Platz drei muss man zufrieden sein. Morgen muss ich oben sauberer fahren und vor dem Ziel etwas direkter. Dann schaut es gut aus“, glaubt die Vizeweltmeisterin von 2017.

Shiffrin noch immer vorne im Gesamtweltcup

Podesthoffnungen hatte sich auch Nina Ortlieb nach ihrer überlegenen Trainingsbestzeit gemacht. Platz sechs bedeutet zwar das zweitbeste Saison- und Karriere-Ergebnis für die Aufsteigerin, Ortlieb war dennoch nur bedingt happy. „Nach so einer Trainingsleistung weiß man, dass man Chancen hat. Deshalb ärgere ich mich schon über meine Fehler“, sagte die Oberlecherin. „Wenn man ganz vorne mitspielen will, darf man sich das nicht erlauben.“

Die Crans-Originalabfahrt am Samstag beginnt um 10.30 und damit eine halbe Stunde später. Trotz der Höhenlage ist beim WM-Kontrahenten von Saalbach-Hinterglemm daher erneut mit schwierigen Pistenverhältnissen zu rechnen. Die wegen ihrer Familien-Tragödie weiterhin fehlende Mikaela Shiffrin hat in der Gesamtwertung nur noch 77 Punkte Vorsprung auf die Tages-Siebente Federica Brignone (ITA) und 104 auf die slowakische Technik-Spezialistin Petra Vlhova, die am Freitag als Abfahrts-Vierte überraschte. Shiffrin trainiert zwar in den USA, ihre Rückkehr ist nach dem unerwarteten Ableben ihres Vaters aber weiter offen. (APA)


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