Coronavirus breitet sich außerhalb Chinas aus, 16 neue Fälle in Norditalien

Im Kampf gegen das Coronavirus haben neue Infektionsherde in und außerhalb Chinas die Weltgesundheitsorganisation alarmiert. In der lombardischen Provinz Lodi in Norditalien wurden indes 14 Fälle gemeldet, zwei weitere im Raum von Padua.

Symbolfoto.
© JANE BARLOW

Mailand – In Norditalien haben sich mehrere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) angesteckt. 14 Fälle wurden in der lombardischen Provinz Lodi gemeldet, zwei weitere im Raum von Padua, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Hunderte Menschen wurden unter Quarantäne gestellt. In mehreren Gemeinden im Raum Lodi wurden öffentliche Lokale und Schulen geschlossen.

Ein 38-jähriger Patient lag am Freitag in kritischem Zustand auf der Intensivstation des Krankenhauses der Kleinstadt Codogno, wie Behörden mitteilten. Insgesamt seien bisher 14 Menschen in der Lombardei positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden, darunter fünf Krankenpfleger und die schwangere Frau des Schwerkranken, wie Giulio Gallera, der Gesundheitsbeauftragte der Lombardei am Freitag berichtete.

Bei den beiden in Padua (Region Venetien) gemeldeten Patienten handelt es sich um Senioren. Alle Personen, die in den letzten zwei Wochen aus China zurückgekehrt sind, müssen sich zu Hause in Quarantäne begeben, beschloss der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza am Freitag.

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Notfallmaßnahmen in zehn Gemeinden

Nachdem die lombardischen Gesundheitsbehörden die Coronavirus-Erkrankungen bestätigten, ergriffen zehn Gemeinden, aus denen die Infizierten stammen, Notfallmaßnahmen. Die Kommunen Codogno, Castiglione d‘Adda und Casalpusterlengo in der Provinz Lodi riefen ihre Bürger auf, zu Hause zu bleiben und auf „soziale Kontakte“ zu verzichten.

Die Gemeinde Codogno, aus der der 38-jährige Infizierte und seine ebenfalls erkrankte schwangere Frau stammen, beschloss die Schließung der Schulen, der Gemeindebüros und aller öffentlichen Lokale. Ähnliche Maßnahmen wurden auch in Castiglione d‘Adda und Casalpusterlengo, sowie in anderen Gemeinden der Provinz Lodi ergriffen.

Sorge über sprunghafte Verbreitung außerhalb Chinas

Die neuen Infektionsherde in und außerhalb Chinas haben die Weltgesundheitsorganisation WHO alarmiert. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte am Freitag, das „Zeitfenster“ zur Eindämmung der Epidemie schließe sich. Zuvor waren neue Infektionsherde sowohl aus China als auch aus mehreren anderen Ländern gemeldet worden.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.
© FABRICE COFFRINI

„Wir sind immer noch in einer Phase, wo die Eindämmung möglich ist“, sagte Ghebreyesus. „Aber das Zeitfenster schließt sich immer mehr.“ Wenn die Welt jetzt nicht „hart“ gegen das Virus vorgehe, werde sie vor einem „schwerwiegenden Problem“ stehen.

Die chinesischen Behörden räumten ein, dass es in mehreren Gefängnissen des Landes mehr als 500 Infizierte gebe. 230 Infektionen wurden allein im Frauengefängnis in Wuhan, dem Epizentrum der Epidemie, registriert. Außer in der Provinz Hubei gibt es auch in den östlichen Provinzen Shandong und Zhejiang Gefängnisse mit Coronavirus-Fällen. Zudem traten im Pekinger Fuxing-Krankenhaus gehäuft Neuinfektionen auf.

Chinas Staatschef Xi Jinping sagte bei einer Politbüro-Sitzung, der Höhepunkt der Epidemie sei „noch nicht gekommen“, vor allem die Lage in Hubei sei weiterhin „düster und kompliziert“. In Hubei war im Dezember der Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19 erstmals bei Menschen festgestellt worden. In Festlandchina steckten sich nach Behördenangaben bisher rund 75.000 Menschen mit dem Virus an, mehr als 2.200 von ihnen starben.

1100 Infektionen in 25 weiteren Ländern

In etwa 25 weiteren Ländern wurden insgesamt rund 1100 Infektionen nachgewiesen, 13 Infizierte starben. Besonders besorgniserregend ist die Lage in Südkorea: Bei 204 Menschen wurde bis Freitag das Virus nachgewiesen, vor allem in Daegu. Mehr als 120 von ihnen gehören der Shincheonji Church of Jesus an. Die Verbreitung des Virus in der christlichen Sekte ging nach Behördenangaben von einer 61-jährigen Anhängerin aus, die Virustests zunächst verweigert hatte und weiter zu Gottesdiensten in Daegu ging. „Mit so vielen Fällen hier habe ich Angst, dass Daegu zum zweiten Wuhan wird“, sagte Einwohner Seo Dong-min.

Auch von dem vor der japanischen Küste liegenden Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ könnte sich das Virus weiter ausbreiten. Nachdem am Mittwoch rund 500 Passagiere das Schiff nach zweiwöchiger Quarantäne verlassen durften, erwiesen sich mehrere der ursprünglich negativ getesteten Ex-Passagiere als infiziert. In Australien wurden nach Behördenangaben zwei frühere Passagiere nach ihrer Heimkehr positiv auf das Virus getestet. Auch bei Israels erstem Infektionsfall handelt es sich um eine frühere Passagierin der „Diamond Princess“.

Am Mittwoch durften rund 500 Passagiere die „Diamond Princess“ nach zweiwöchiger Quarantäne verlassen. Mehrere der ursprünglich negativ getesteten Ex-Passagiere erwiesen sich als infiziert.
© STR

Im Iran stieg die Zahl der Infizierten auf 18 – vier von ihnen starben. In den meisten Fällen handle es sich entweder um Menschen aus der Stadt Kom oder solche, die in den vergangenen Tagen oder Wochen dort waren, erklärte das Gesundheitsministerium. Kom ist sowohl ein Zentrum für islamische Studien als auch ein beliebtes Touristenziel. Wegen der Situation im Iran untersagte der Irak alle Reisen in und aus dem Nachbarland. Kuwait schränkte den Reiseverkehr ein.

Auch der Libanon vermeldete am Freitag die erste Coronavirus-Patientin, sie hatte sich laut Gesundheitsministerium kürzlich in Kom aufgehalten. In Ägypten und in den Vereinigten Arabischen Staaten gibt es ebenfalls Infektionsfälle.


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