70. Berlinale: Johnny Depp will mit Kraft der Bilder Missstände aufzeigen

In seiner Rolle als Fotograf W. Eugene Smith (1918-1978) im Film „Minamata" sei Johnny Depp erst deutlich geworden, welche Kraft das Kino haben kann. Der von ihm mitproduzierte Film läuft in der Reihe „Berlinale Special".

Johnny Depp am Donnerstag auf der Berlinale.
© AFP/Macdougall

Berlin, Los Angeles – Ein Kampf für das Kino – Hollywoodstar Johnny Depp (56) hat am ersten Tag der Berlinale die Kraft der bewegten Bilder beschworen, um gegen soziale und politische Missstände anzutreten. Sein neuer Film „Minamata" über die Massenvergiftung mit Quecksilber in einer japanischen Kleinstadt sei eine der wichtigsten Arbeiten seiner Karriere. „Das war eine Geschichte, die erzählt werden musste", so Depp.

Der von ihm mitproduzierte Film läuft in der Reihe „Berlinale Special", also nicht im Wettbewerb. In seiner Rolle als Fotograf W. Eugene Smith (1918-1978) sei ihm deutlich geworden, welche Kraft das Kino haben kann, um Missstände darzustellen und vielleicht so „den Menschen die Augen zu öffnen".

Filmcrew von „Minamata": Hiroyuki Sanada, Andrew Levitas, Johnny Depp und Minami.
© dpa/Carstensen

Der Film von Regisseur Andrew Levitas kreist um den Einsatz von Smith und seiner Frau Aileen für eine Fotoreportage über die Verklappung von Quecksilber nahe der Stadt Minamata seit den 1950er Jahren. Dadurch wurden etwa 20.000 Menschen teilweise schwer geschädigt, die Folgen dauern bis heute an. Dank Smiths Dokumentation konnten die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden, der Fotograf wurde bei einem Angriff des Werkschutzes dauerhaft verletzt.

Er habe sich von Beginn an für den „Albtraum" der Menschen von Minamata interessiert und auch ihre Ohnmacht nachvollziehen können, sagte Depp. Smiths' Fotos gäben eine Ahnung vom Leiden der Menschen. „Für zwei Jahre war Minamata unsere Heimat", sagte Aileen Mioko Smith vor den Berlinale-Journalisten. „Eugene wäre über diesen Film sehr glücklich."

Johnny Depp in „Minamata" als vollbärtige Fotografenikone

Kaum jemand weiß heute mehr etwas über die Einleitung von quecksilberhältigen Abwässern in einen japanischen See, an dessen Ufer Fischer wohnten, die durch die Brühe vergiftet wurden. Dabei ist sogar die chronische Quecksilbervergiftung danach benannt worden: Minamata-Krankheit.

Als eine Delegation aus Minamata den gefeierten Starfotografen Smith in New York um Hilfe bittet, will dieser anfangs nicht anbeißen: Ein körperliches und nervliches Wrack, ein von den Kriegserlebnissen, die er dokumentierte, traumatisierter Mensch, alkohol- und drogenabhängig. Dennoch fährt er mit ihnen, lässt sich immer weiter in die Sache der bisher vergebens protestierenden Menschen ziehen und dokumentiert mit der Kamera: Verkrüppelte, hilflose Menschen, ein hilfloser Schrei gegen das Umweltverbrechen.

Trotz zunehmenden Drucks durch das Unternehmen gelingt es Smith, die Fotografien an das US-Magazin Life zu schicken. "Wir müssen zahlen", ist der Kommentar des Firmenchefs mit der steinernen Mine, als das Heft auf seinem Schreibtisch liegt. In einem Prozess wird das Unternehmen zur höchsten Entschädigung verurteilt, die je ein Industrieunternehmen in Japan zahlen musste.

Es waren die letzten Fotos, die Smith für die Öffentlichkeit schoss. Ein Jahr nach seiner Dokumentation heiratet er Aileen, die ihn als Abgesandte in New York besucht hatte. Wenige Jahre später stirbt er, nicht zuletzt an den Verletzungen, die ihm der Werkschutz 1971 zugefügt hatte. Das erzählt der Abspann. Und er zeigt Fotos von Menschen, die durch diverse von der Industrie weltweit verursachte Umweltkatastrophen entstellt wurden.

Johnny Depp kommt dem historischen W. Eugene Smith äußerlich sehr nahe und zeigt als vollbärtige, rüpelhafte Fotografenikone auch seine schauspielerische Wandlungsfähigkeit. (APA/Stefan May)


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