Konzerne finanzierten angeblich prominenten Klimawandel-Skeptiker

Jahrelang sollen große Konzerne wie Shell und KLM den niederländischen Klimawandel-Skeptiker Frits Böttcher finanziell großzügig gesponsert haben: Ziel sei es gewesen, Zweifel am menschengemachten Klimawandel zu säen, hieß es dazu in gerade veröffentlichten investigativen Berichten.

Shell gab auf die Vorwürfe angesprochen an, die Finanzierungen nicht überprüfen zu können, weil sie schon zu weit in der Vergangenheit lägen.
© BEN STANSALL / AFP

London/Den Haag - Dutzende internationale Unternehmen wie der Ölkonzern Shell und die niederländische Fluggesellschaft KLM haben laut Medienberichten jahrelang den prominenten niederländischen Klimawandel-Skeptiker Frits Böttcher finanziell unterstützt.

In den am Samstag von Investigativjournalisten der Plattform für authentischen Journalismus (PAJ) veröffentlichten "Shell Papers" heißt es, Böttcher habe zwischen 1989 und 1998 Hunderttausende Euro von den Firmen erhalten. Ziel sei es gewesen, Zweifel am menschengemachten Klimawandel zu säen.

Veröffentlicht wurden die "Shell Papers" in der Zeitung De Volkskrant sowie auf dem niederländischen Investigativ-Portal Follow the Money. Demnach erhielt der inzwischen verstorbene Chemieprofessor Böttcher insgesamt mehr als eine Million niederländische Gulden (450.000 Euro) von den Firmen, die er zur Veröffentlichung klimawandel-skeptischer Artikel und Meinungsbeiträge einsetzte.

Böttcher hielt Treibhausgaseffekt für "Mythos"

Zu Böttchers namhaftesten Unterstützern zählten den Journalisten zufolge neben Shell und KLM auch der deutsche Industriekonzern ThyssenKrupp sowie die niederländische Bankengruppe ING.

Böttcher war 1968 eines der Gründungsmitglieder der einflussreichen Expertengruppe Club of Rome. Der Chemieprofessor der Universität Leiden war bekannt dafür, den Treibhausgaseffekt, der zur Erderwärmung führt, für einen "Mythos" zu halten. Seiner Einschätzung nach war CO2 sogar "gut für den Planeten".

Mehrere der in den Recherchen genannten Unternehmen gaben an, die Vorwürfe nicht überprüfen zu können. Die angeblichen Finanzhilfen für Böttcher lägen zu lange zurück. "Das war vor 25, 30 Jahren. Wir können nicht darüber spekulieren, was genau passiert ist und in welchem Kontext", erklärte Shell. KLM teilte mit, es gebe "keine Hinweise", dass das Unternehmen Böttcher vor 30 Jahren unterstützt habe. Auch ThyssenKrupp erklärte, es könne die Vorwürfe nicht bestätigten, versicherte aber, das Unternehmen unterstütze keine "Klimawandel-Skeptiker". (APA/AFP)


Kommentieren


Schlagworte