Coronavirus in Italien: „Kein Grund zur Panik“ in Österreich und Tirol

In Österreich gibt es bis dato keinen Coronavirus-Fall. Innenminister Nehammer nimmt die Bedrohung angesichts der Lage in Italien „sehr ernst“, sieht aber „keinen Grund zur Panik“. Auch die Tiroler Gesundheitsbehörden beobachten die Situation südlich der Grenze genau.

Innenminister Karl Nehammer bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Franz Lang, dem Leiter des Bundeskriminalamts (BK).
© HANS PUNZ

Wien – Der rasche Anstieg der Infektionen mit dem Coronavirus in Italien wird von den heimischen Sicherheitsbehörden „sehr ernst“ genommen, es gebe aber „keinen Grund zur Panik“, betonte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Sonntag: „Wir sind gut gerüstet in Österreich.“ Hierzulande gibt es nach 181 negativ getesteten Verdachtsfällen weiterhin keinen bestätigten Fall.

📽️ Video | Statement von Innenminister Nehammer

Der Ressortchef ließ sich im Einsatz- und Koordinationscenter (EKC) im Innenministerium über die aktuelle Situation unterrichten. „Wir sind gut vorbereitet auf alle Entwicklungen, die möglich sind“, bilanzierte er danach vor Journalisten. Die italienischen Behörden würden mit Hochdruck an Schutzmaßnahmen arbeiten. „Wir sind in enger Abstimmung, auch mit den Verbindungsbeamten vor Ort, um allfällige Koordinierungsmaßnahmen rasch gemeinsam mit Italien durchführen zu können.“

„Die Lage in Italien nehmen wir hier sehr ernst, auch als Sicherheitsbehörde. Im Umgang in einem Krisenfall wie diesem hat das Gesundheitsministerium die inhaltliche Führung. Die Polizei sichert alle notwendigen Maßnahmen, wenn nötig auch mit Zwangsmaßnahmen“, so der Innenminister.

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SARS-CoV-2 „vor der Haustür“

Vor Italien stand auch schon in Deutschland, vor allem mit einem Ausbruch im Jänner in Bayern, SARS-CoV-2 praktisch „vor der Haustür“. Nunmehr gehe es vor allem um die „auffällige“ Fallzahl, sagte Nehammer. „Weil sich die Lage in Italien derzeit dynamisch entwickelt, ist es wichtig, da auch sofort die gleichen Sorgfaltsmaßnahmen einzuleiten, die wir auch gegenüber Bayern geleistet haben.“

Zur von Italien aus von verschiedenen Stellen bereits erhobenen Forderung nach Schließung der Grenzen im Stiefelstaat verwies Nehammer auf die Einschätzung der Experten, die auch morgen, Montag, wieder unter Beteiligung des Gesundheitsministeriums und Ländervertretern im BMI zum Einsatzstab zusammentreten und die neuesten Entwicklungen abwägen werden. Grundsätzlich wäre ein solcher Schritt „sehr rasch umzusetzen“. Binnen Minuten bzw. binnen einer Stunde könnten Grenzkontrollen „hochgefahren werden“, erläuterte Franz Lang, Leiter des Bundeskriminalamts (BK) – abhängig davon, welche Maßnahmen, vor allem gesundheitsspezifischer Natur, man durchführen wolle.

📽️ Video | Nehammer besucht Einsatzstab

„Wenn aufgrund dieser Gefahrenlage die Grenzen geschlossen und Grenzkontrollen eingeführt werden, dann ist die spannende Frage, wie man das tut, welche gesundheitsbezogenen Maßnahmen führt man an der Grenze durch, ähnlich wie beim Flughafen zum Beispiel oder müssen wir spezifische Maßnahmen ergreifen. Das alles wird schon seit einiger Zeit beraten“, sagte Lang.

Maßnahmen „nach vorne und hinten“

Grundsätzlich müssten „beim ersten Auftreten einer erkrankten Person“ in Österreich gleichzeitig „die Maßnahmen nach vorne“ erfolgen – mit funktionierender medizinischer Versorgungskette ab der ersten Minute, Quarantäne etc. sowie „die Maßnahmen nach hinten“ – die genaue Abklärung, wie der Reiseweg verlief, welche Kontaktpersonen und Kontaminationsquellen es geben könnte, usw. Beides müsse gleich präzise erfolgen, um eine mögliche Ausbreitungsgefahr einzuschätzen, erklärte Lang.

Im Einsatzstab am Montag wird „über die Entwicklung beraten und darüber, welche neuen Maßnahmen unter Umständen zu setzen sind. Es werden auch immer wieder Lagen durchgespielt, sollte es tatsächlich einmal in Österreich einen bestätigten Fall geben“, so Nehammer.

Der Innenminister gab überdies bekannt, dass am Sonntag ein Transportflieger mit Hilfsgütern vom Flughafen Wien in Schwechat gestartet ist. Die Maschine soll rund 50 Tonnen medizinisches Material in die von der SARS-CoV-2-Epidemie hauptbetroffene chinesische Stadt Wuhan bringen, darunter 100.000 Chirurgenmasken, 2,3 Millionen Einmalhandschuhe, Schutzanzüge und Desinfektionsmittel. Die Hilfslieferung wurde vom BMI mit Außenministerium, Land Salzburg und Rotem Kreuz und gemeinsam mit den Ländern Ungarn, Tschechien und Slowenien auf die Beine gestellt.

Erhöhte Wachsamkeit in Tirol

Auch in Tirol nimmt man die Lage in Norditalien „sehr ernst“, warnt aber vor Panik. Es gebe in Tirol nach wie vor keinen einzigen bestätigten Fall einer Corona-Erkrankung, betonte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg am Sonntag in einer Aussendung.

Selbst wenn Tirol eine Corona-Erkrankung zu verzeichnen hätte, seien Tirols Krankenhäuser und Gesundheitsbehörden bestmöglich vorbereitet: „Wir haben gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden, Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten alle entsprechenden Vorkehrungen getroffen“, so der Gesundheitslandesrat, der sich auch mit dem Bund und den anderen Bundesländern und auch Südtirol in engem Kontakt befindet. „Ich stehe mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober in ständigem Austausch und habe erst heute Vormittag mit ihm telefoniert. Und auch mit Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber gibt es eine sehr enge Abstimmung“, so Tilg.

Gemeinsam werde man die Entwicklungen der nächsten Stunden und Tage genau im Auge behalten, um allenfalls in gemeinsamer Abstimmung weitere Schritte zu setzen.

Kärntens LH rät von Reisen nach Italien ab

Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) rät indes der Bevölkerung derzeit davon ab, Reisen nach Italien zu unternehmen. Wenn es nicht notwendig sei, sollte man die betroffenen Regionen meiden, sagte Kaiser am Sonntag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Klagenfurt. Welche Auswirkungen die Ausrufung des Notstands in Friaul-Julisch Venetien haben wird, sei derzeit unklar. (APA)


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