Schramböck: „Grenzschließung zu Italien wegen Coronavirus noch kein Thema”

Im schwer vom Coronavirus betroffenen Norden Italiens nehmen die Neuinfektionen weiter zu. Ein Fehlalarm hatte am Sonntagabend den auch Zugverkehr am Brenner zwischen Italien und Österreich über Stunden lahmgelegt. Österreichs Regierung warnt vor Hysterie.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP).
© HANS PUNZ

Wien, Innsbruck - Die österreichische Regierung hat vor Panik und Hysterie angesichts des Ausbruchs der neuen Lungenkrankheit Covid-19 im benachbarten Italien gewarnt. „Wir sind nach wie vor in einer sicheren, stabilen Situation“, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Montag vor der Tagung von Fachgruppen und dem Einsatzstab. Es bestehe kein Grund zur Panik, bekräftigte auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Alle 189 Tests auf das Coronavirus, die bisher in Österreich erfolgt seien, seien negativ. Die Behörden seien international in engem Kontakt.

📽 Video | Innenminister Nehammer zur aktuellen Lage

Österreich wird seine Grenze zu Italien trotz des Coronavirus-Ausbruchs in Norditalien vorerst nicht schließen. „Im Moment steht das noch nicht zur Debatte. Langfristig, wenn es sich ausweitet, muss man sehen, welche Schritte zu setzen sind", sagte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) am Montag. Sie geht auch davon aus, dass der Hafenbetrieb in Genua aufrechterhalten wird.

"Das Thema ist ganz oben angekommen"

Zum Ausbruch im südlichen Nachbarland sagte die Ministerin, dass man da „ganz am Anfang" stehe. „Wir werden sehen, wie es sich weiterentwickelt. Wenn man nach Italien schaut, kann man sehen, dass die italienische Regierung alle notwendigen Schritte ergreift. Jetzt gilt es mal zuzuwarten und vorbereitet zu sein."

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Schramböck verwies auf den am Montagnachmittag in Wien anstehenden Krisenstab. "Unser Kanzler Sebastian Kurz ist mit dabei. Das heißt, es ist das Thema ganz oben angekommen", beruhigte die Wirtschaftsministerin in einer Pressekonferenz.

Erkrankung in Tiroler Grenzgemeinden Thema

Nachdem am Sonntagabend ein Zug wegen zwei Corona-Verdachtsfällen am Bahnhof Brenner angehalten worden war, ist die Erkrankung auch in den Tiroler Grenzgemeinden zum Thema geworden. Große Verunsicherung oder gar Panik gebe es aber nicht, schilderten zwei Bürgermeister am Montag.

📽 Video | Entwarnung nach Aufregung am Brenner

"Gestern Abend sind einige Anrufe von besorgten Bürgern bei mir eingegangen", sagte Karl Mühlsteiger, Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner. Man verfolge das Thema in der Gemeinde mit "Adlersaugen", auch weil es mittlerweile doch sehr nahe sei. "Es ist zu spüren, dass das Thema die Bevölkerung beschäftigt", meinte Mühlsteiger. Man würde sich mittlerweile sehr gut überlegen, ob man Richtung Süden fährt. Panik gebe es aber definitiv keine.

Weniger besorgt zeigten sich offenbar die Bürger der Grenzgemeinde Vals. Das Alltagsleben im Ort laufe "ganz normal", es gebe auch keine besorgten Anrufe bzw. Anfragen bei der Gemeinde, sagte Bürgermeister Klaus Ungerank. Er stelle keine außergewöhnliche Beunruhigung fest, so Ungerank. Höchstens zum Nachdenken komme man ein wenig ob der Schnelle der Entwicklung - habe man doch bisher geglaubt, dass das Virus "weit weg" sei.

Zugverkehr läuft wieder regulär

Bei den ÖBB läuft der Betrieb seit Montag indes wieder normal weiter. Am Vormittag tage zwar der Einsatzstab, vorerst wurden aber keine Maßnahmen gesetzt. "Wir sind aber in ständiger Verbindung mit den Behörden", meinte ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Weder im Personen-, noch im Güterverkehr kam es am Montag zu Einschränkungen. ÖBB-Kunden können jedoch ihre bereits gekauften Tickets in Richtung Italien bis inklusive Mittwoch kostenlos stornieren, informierte Gasser-Mair. Auch seitens der Polizei gab es vorerst keine Kontrollen am Brenner, hieß es. (TT.com, APA)


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