Sozialwirtschaft: Streiks in 28 Tiroler Betrieben

Vergangene Woche brachte die sechste Kollektivvertrags-Verhandlungsrunde für die Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) erneut kein Ergebnis. Nun sind für Mittwoch und Donnerstag Warnstreiks und Betriebsversammlungen geplant.

Es gab bereits mehrmals Protestkundgebungen in ganz Österreich.
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Innsbruck - Vergangene Woche brachte die sechste Kollektivvertrags-Verhandlungsrunde für die Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) erneut kein Ergebnis. Nun haben die Gewerkschaften GPA-djp und vida in einem Krisengespräch mit rund 20 Tiroler Betriebsräten weitere Protestmaßnahmen beschlossen.

„Wir sind fest entschlossen, unser Ziel der längst notwendigen Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden pro Woche zu erreichen“, so die Gewerkschaften in einer Aussendung am Dienstag.

„Vom 26. bis 28. Februar werden wir mit Betriebsversammlungen, Streiks und Warnstreiks auf unsere Forderung nach einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich aufmerksam machen", erklärt Margit Luxner, Betriebsratsvorsitzende in einem Kitzbüheler Pflegeheim und Vorsitzende des Wirtschaftsbereichs Gesundheit und Soziales in der GPA-djp Tirol. Insgesamt seien sechs Streiks, 16 Warnstreiks und sechs Betriebsversammlungen geplant.

„Nicht nachgeben“

"Bestärkt werden wir durch den zahlreichen positiven Zuspruch von Angehörigen und aus der Bevölkerung. Sie unterstützen unsere Forderung und wollen ebenso, dass sich die Arbeitsbedingungen verbessern, schließlich sind diese die Grundlage für eine gute Betreuungsqualität“, so Sonja Föger-Kalchschmied, Betriebsratsvorsitzende der Lebenshilfe Tirol. Die Rückmeldungen seien so zahlreich wie noch nie.

Die siebte Verhandlungsrunde ist für 2. März angesetzt. Sollte sie erneut scheitern, hat die Gewerkschaft Demonstrationen in Wien, Graz und Linz für den 10. März angekündigt. „In Linz werden dann mit Sicherheit auch wir Tiroler zahlreich vertreten sein!“, so Luxner.

Streiks in mehr als 300 Betrieben österreichweit

Die Kampfmaßnahmen in der Sozialwirtschaft werden wegen der sich hinziehenden KV-Verhandlungen auf mehr als 300 Betriebe in ganz Österreich ausgedehnt. Am Mittwoch finden erste Streiks statt, am Donnerstag soll dann u.a. mit einer Streikdemo am Wiener Praterstern der Höhepunkt erreicht werden.

Bis zur nächsten Verhandlungsrunde wollen die Gewerkschaften GPA-djp und vida mit weiter Druck machen. Gestreikt werde, wo es geht, hieß es - allerdings immer unter der Wahrung von Gesundheit und Würde der zu betreuenden Menschen. Ausflüge in Pflegeheimen werden aber ebenso ausfallen wie Nachmittagsbetreuung oder nicht akut notwendige Therapiesitzungen. Im Vergleich zu den vergangenen Streiks werden sich dieses Mal mehr Standorte und mehr Menschen für einen noch längeren Zeitraum beteiligen, kündigten die Arbeitnehmervertreter an.

Unter anderem wird bei einem Standort der Lebenshilfe in Wien wird am Donnerstag "komplett zugesperrt", teilte der Betriebsratsvorsitzende der Lebenshilfe Wien im Gespräch mit der APA mit. Die Einrichtung in der Rueppgasse werde komplett bestreikt, hieß es. Wegen der schleppenden Verhandlungen soll es am Donnerstag weder Musik- noch Bewegungstherapie geben, auch sonstige Aktivitäten wie etwa eine Zeitungsgruppe werden gestrichen.

Die Forderung nach einer 35-Stunden-Woche in der Sozialwirtschaft mit teils sehr belastenden Tätigkeiten und unregelmäßigen Arbeitszeiten wird auch von der Caritas unterstützt. Bei der kirchlichen Hilfsorganisation war bereits am Montag gestreikt worden - zum ersten Mal in den 18 Jahren des eigenen Caritas-Kollektivvertrags, der sich am Abschluss der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) orientiert. Am Ende müsse eine Lösung stehen, die einerseits die Mitarbeiter stärke und andererseits das Wohl der Klienten sicherstelle, hieß es. (TT.com, hu)


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