Trendwende bei Firmenpleiten: Leichter Anstieg

Nachdem es 2018 so wenige Unternehmensinsolvenzen wie zuletzt 2001 gab, kam es 2019 wieder zu einem Anstieg. Stark stiegen die Pleiten in Tirol und Salzburg.

Den stärksten Anstieg an Insolvenzen gab es im Transportgewerbe. (Symbolfoto)
© Mühlanger

Wien, Innsbruck - Die endgültigen Zahlen der Gläubigerschutzorganisation Creditreform für 2019 zeigen eine Stabilisierung der Firmeninsolvenzverfahren auf niedrigem Niveau. Es gab lediglich um 0,2 Prozent oder 11 Fälle mehr als im Vergleichszeitraum. Die Zahl der eröffneten Verfahren ist dabei minimal um 0,6 Prozent auf 3133 Verfahren gestiegen. In 2102 Fällen ( minus 0,4 Prozent) wurden die Insolvenzanträge mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen. Dazu Gerhard Weinhofer, Creditreform-Geschäftsführer: „Österreichs Konjunktur erweist sich dank der starken Exporte und dem guten Binnenkonsum als stabil. Zudem haben sich die heimischen Unternehmen durch den Aufbau von Eigenkapital krisenresistenter gemacht.“

Den stärksten Rückgang verzeichneten Niederösterreich (minus 7,4 Prozent), die Steiermark (minus 4,9 Prozent) und Oberösterreich (minus 4,4 Prozent). Hingegen stiegen die Insolvenzen stark in Tirol (plus 35,4 Prozent), in Salzburg (plus 10,6 Prozent) und in Vorarlberg (plus 8,0 Prozent). Die höchste Insolvenzbetroffenheit herrschte in der Bundeshauptstadt mit rund 17 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen, die geringste in Vorarlberg mit 7 von 1.000 Unternehmen. Österreichweit mussten rund 11 von 1.000 Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten.

Die Insolvenzursachen liegen in Managementfehlern, im Wettbewerb (Konkurrenzdruck, sinkende Margen) sowie im Kapitalmangel. Mehr als 14.000 Arbeitsplätze waren betroffen. Die Insolvenzpassiva lagen in Summe bei über 1,7 Milliarden Euro. Laut einer Creditreform-Studie waren rund 41,5 Prozent der heimischen Unternehmen zumindest von einer oder mehreren Kundeninsolvenzen betroffen. 77 Prozent der Gläubiger waren dabei Kleingläubiger, die Insolvenzforderungen von maximal 10.000 Euro hatten.

Starker Anstieg im Transportwesen

Erfreulich ist die Entwicklung in den für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung wichtigen Branchen „Handel“ (minus 8,0 Prozent), „Sachgütererzeugung“ (minus 5,4 Prozent) und „Bauwesen“ (minus 2,3 Prozent). Einzig im Transportwesen („Verkehr- und Nachrichtenübermittlung“) ist die Zahl der Insolvenzen mit einem Plus von 27,9 Prozent sehr stark gestiegen. Trotz des Rauchverbotes gab es nur um 27 Verfahren mehr in der Gastronomie.

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Wenn es 2019 auch nur minimal um 11 Insolvenzen mehr gab, so habe doch eine Trendwende eingesetzt. 2018 verzeichnete man noch so wenige Firmeninsolvenzen wie zuletzt 2001. Eine Creditreform-Umfrage unter 1700 österreichischen Unternehmen im vergangenen Herbst zeige, dass der Optimismus seine Grenzen hat, die Zuversicht zurückgegangen ist und die Unternehmen vorsichtiger sind, so die Creditreform

Die Geschäftslage der Unternehmen sei zwar nach wie vor positiv, aber die Erwartungen für die kommenden Monate seien heruntergeschraubt. "Die Gründe dafür sind die anhaltende Verunsicherung in der Entwicklung der Weltwirtschaft, aktuell die Sorge vor den Auswirkungen des Coronavirus, der noch nicht abgewendete harte Brexit und nicht vorhersehbare Krisen im Nahen Osten oder auch Nordkorea. ", erläutert Weinhofer.

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Bundesländervergleich: 16 von 10.000 Erwachsenen sind insolvent

Bei den Privatinsolvenzen kam es 2019 zu einem Rückgang um fast fünf Prozent auf 10.800 Verfahren. Die durchschnittliche Verschuldung lag bei etwa 70.000 Euro. Rund ein Viertel aller Betroffenen machten hier ehemalige Selbstständige aus, die Schulden in Höhe von im Schnitt 124.000 Euro anhäuften. Häufigste Insolvenzursachen bei Privaten sind der Verlust des Arbeitsplatzes, sorgloser Umgang mit Geld und Ehescheidungen.

Ein Bundesländer-Vergleich zeigt den stärksten Rückgang in Vorarlberg (minus 27,1 Prozent), gefolgt von Tirol (minus 13,6 Prozent) und dem Burgenland (minus 10,4 Prozent). Entgegen dem Österreichtrend sind die Insolvenzen in zwei Bundesländern angestiegen: in Salzburg (plus 4,2 Prozent und in Wien (plus 3,5 Prozent). 36 Prozent aller Privatinsolvenzen finden in der Bundeshauptstadt statt, die auch Spitzenreiter bei der absoluten Zahl an Insolvenzen (3902 Fälle) wie auch bei der relativen Insolvenzbetroffenheit ist: 28 von 10.000 erwachsene Wiener mussten den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Österreichweit wurden hingegen 16 von 10.000 Erwachsenen zahlungsunfähig. (APA, TT.com)


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