Forscher beginnen Spurensuche im Vatikan zu Papst Pius XII.

Pius XII. stand von 1939 bis zu seinem Tod 1958 an der Spitze der Kirche. Im Fokus der Wissenschafter dürfte zunächst die Rolle der katholischen Kirche mit Blick auf den Holocaust stehen.

Ende der Geheimhaltung: Seit Montag haben Forscher Zugang zu den Archive aus der Zeit von Papst Pius Xii. im Vatikan.
© ALBERTO PIZZOLI

Rom – Mehr als 60 Jahre nach dem Tod von Pius XII. hat der Vatikan seine Archive aus der Zeit des historisch umstrittenen Papstes geöffnet. Die ersten Forscher gingen am Montagmorgen in das Apostolische Archiv des Kirchenstaates, um dort ihre Arbeit zu beginnen. Wissenschaftler aus aller Welt hatten die Freigabe lange gefordert.

Der deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf von der Universität In Münster sagte vor dem Einlasstor: „Wir hoffen, dass die Quellen uns Antworten auf die zentralen Fragen geben.“ Er sei sehr gespannt, was er heute in den ersten Kartons zu sehen bekomme.

Papst Pius XII. stand von 1939 bis zu seinem Tod 1958 an der Spitze der Kirche.
© AFP

Mehrere Hundert hatten nach der Ankündigung 2019 beim Vatikan darum beworben, in Rom auf Spurensuchen in Millionen von Dokumenten zu gehen. Im Fokus dürfte zunächst die Rolle der katholischen Kirche mit Blick auf den Holocaust stehen und die Frage, was ihr Oberhaupt wann über die Judenverfolgung der Nationalsozialisten wusste.

📽 Video | Archive über Papst Pius XII zugänglich

Pius XII. stand von 1939 bis zu seinem Tod 1958 an der Spitze der Kirche. In seine Phase fallen die Nazi-Herrschaft, der Zweite Weltkrieg und der Beginn des Kalten Krieges zwischen Ost und West. Der Italiener, geboren 1876, steht in der Kritik, nicht klar genug gegen den Holocaust und andere NS-Verbrechen protestiert zu haben. Seine Anhänger halten ihm zugute, dass die Kirche römische Juden vor ihren Verfolgern versteckt und gerettet habe.

Außer dem Apostolischen Archiv öffnen auch andere Organe, etwa die Glaubenskongregation und Kurienbehörden, die Zugänge zu ihren Beständen.

Zu den Unterlagen im Archiv gehört auch eine Liste der beim Massaker in den Fosse Ardeatine Getöteten.
© ALBERTO PIZZOLI

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wollen mit Hilfe neuer Informationen auch besser verstehen, welche Rolle der Vatikan bei der europäischen Einigung spielte. Spannend könnten zudem Funde werden zum Verhältnis der Kirche zu Moskau sowie zum Staat Israel.

Wegen des Coronavirus-Ausbruchs verschoben einige US-Forscher am Wochenende jedoch ihre Studien. Suzanne Brown-Fleming vom Holocaust-Gedenkmuseum der Vereinigten Staaten in Washington flog kurzfristig aus Rom heim. Sie und ihr Team würden erst „in den kommenden Monaten“ ihre Recherchen starten, sagte sie der dpa.

Papst Franziskus hatte das Ende der Geheimhaltung über das Pontifikat von Pius XII. im März 2019 angekündigt. Experten erwarten, dass die Auswertung Jahre dauern wird. (dpa)

Seit Montag ist das Archiv für Forscher geöffnet.
© ALBERTO PIZZOLI

Kommentieren


Schlagworte