Hochspannung in US-Vorwahlen: Was man zum Super Tuesday wissen muss

Am Dienstag findet in den USA der wichtigste Tag im Vorwahlreigen statt. Am "Super Tuesday" könnte sich entscheiden, wer im Herbst gegen Donald Trump in den Ring steigt. Was es dazu zu wissen gibt.

Unterstützer von Bernie Sanders feiern ihren Kandidaten.
© ERIC BARADAT

Von Matthias Sauermann

Washington – Die US-Politik steuert auf einen ihrer Höhepunkte zu: Den Super-Wahldienstag, bekannt als "Super Tuesday". Alle vier Jahre wird bekanntlich nicht nur der US-Präsident gewählt, sondern die Parteien nominieren zuvor in einem komplizierten Verfahren den jeweiligen Spitzenkandidaten, der dann im November auf dem Wahlzettel steht.

Über mehrere Monate zieht sich dieser Prozess – bis sich früher oder später dann Demokraten und Republikaner auf jeweils einen Kandidaten oder eine Kandidatin geeinigt haben. Der entscheidende Tag bei der Kandidatensuche fällt heuer auf den 3. März. Warum das so ist, was entschieden wird und wer überhaupt noch im Rennen ist, lesen Sie hier:

Was ist der "Super Tuesday"?

Der Kandidat von Demokraten und Republikanern wird in einem Wahljahr auf einem jeweiligen Nominierungsparteitag Ende des Frühjahres bzw. im Sommer bestimmt. Bei den Demokraten ist das heuer von 13. bis 16. Juli. Ähnlich des Wahlmännersystems bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl läuft diese Wahl so ab, dass von den einzelnen Bundesstaaten entsandte Delegierte ihre Stimmen abgeben. Deshalb finden von Februar bis Juni in den jeweiligen Bundesstaaten Vorwahlen oder Versammlungen statt, um die Delegierten auf die Kandidaten und Kandidatinnen zu verteilen. Je nach Bevölkerungsgröße stehen den Bundesstaaten dabei eine bestimmte Anzahl an Delegierten zu.

Bernie Sanders konnte vor dem "Super Tuesday" 60 Delegiertenstimmen für sich gewinnen. Von den 1991 für eine absolute Mehrheit ist er damit aber noch weit entfernt.
© ERIC BARADAT

Bislang wurden von den Staaten, die bereits gewählt haben – Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina – 155 Delegierte zugeteilt. Das bedeutet auch: Von den insgesamt 3979 Delegierten sind fast alle noch zu vergeben. Und hier kommt der "Super Tuesday" ins Spiel: An diesem Tag wählen gleich 14 Staaten. Mehr als ein Drittel der Delegierten der Demokraten, 1357, werden an diesem Tag verteilt. Darunter Gesandte von großen und gewichtigen Staaten wie Kalifornien oder Texas. Mehr als 1990 gewählte Delegierte benötigt ein Kandidat für die absolute Mehrheit. Kurzum: Vor dem "Super Tuesday" ist aufgrund der geringen Anzahl an Delegierten vieles nur symbolisch und gibt die Richtung vor. Ernst wird es am 3. März.

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Wer hat vor dem "Super Tuesday" die besten Karten?

Ausgestiegen ist kurz vor der Wahl der demokratische Shootingstar Pete Buttigieg. Der frühere Bürgermeister der Kleinstadt South Bend in Indiana war als absoluter Außenseiter in das Rennen um das demokratische Ticket ins Rennen eingestiegen. Nach dem Sieg bei der ersten Vorwahl in Iowa hatte sich der bekennende Homosexuelle zum Geheimfavoriten aufgeschwungen, konnte die Leistung nach einem passablen Ergebnis in New Hampshire anschließend in Nevada und South Carolina aber nicht ausreichend bestätigen. Dem erst 38-Jährigen wurde vor allem zum Verhängnis, dass er unter Afroamerikanern zu wenig Zuspruch erhielt.

Auch Senatorin Amy Klobuchar zog sich zurück. Beide erklärten ihre Unterstützung für Joe Biden.

Damit spitzt sich das Rennen zu. Grob werden die Kandidatinnen und Kandidaten der Demokraten in zwei Blöcke eingeteilt – den moderaten und den progressiveren Parteiflügel. Auf der einen Seite stehen nach dem Rückzug von Buttigieg und Klobuchar noch Ex-Vizepräsident Joe Biden, der Unternehmer Michael Bloomberg und die Abgeordnete Tulsi Gabbard. Auf der linken Seite verorten sich die Senatorin Elizabeth Warren und der Senator Bernie Sanders.

Nach großen finanziellen Einsatz und anfangs guten Umfragewerten sieht Milliardär Michael Bloomberg bei den Demokraten nach schlechten Performances und TV-Diskussionen wenig Land.
© LOGAN CYRUS

Am Dienstag konkurrieren also noch immer mehrere Demokratinnen und Demokraten um die Gunst der eigenen Wählerschaft. Immer mehr deutet sich ein Zweikampf zwischen Joe Biden und Bernie Sanders an. Die restlichen Kandidaten Warren, Gabbard und selbst Bloomberg gelten als weitgehend chancenlos, sind aber weiter im Rennen. Auch, weil sie sich möglicherweise versprechen, beim Parteitag auch ohne Mehrheit noch mitsprechen zu können. Da Sanders und Biden beide in ihrem jeweiligen Einzugsbereich also noch Konkurrenz haben, müssen sie wohl noch Stimmen abgeben. Das ist der derzeitige Zwischenstand bei den Delegierten:

Was passiert, wenn kein Kandidat die absolute Mehrheit erhält?

34 Prozent der Delegierten für den Parteitag werden am Dienstag vergeben. Wer hier gut abschneidet, macht einen großen Schritt in Richtung Nominierung. Gleichzeitig ist auch mit einem guten "Super Tuesday" nicht garantiert, dass man in Richtung einer absoluten Mehrheit rückt. Mehr noch: Dass überhaupt ein Kandidat oder eine Kandidatin die absolute Mehrheit erringt, ist nicht sicher. Je zersplitterter das Kandidatenfeld, umso wahrscheinlicher ist es, dass niemand auf die Zahl von 1990 Delegierten kommt. Und das trifft gerade heuer zu.

Die Statistikplattform FiveThirtyEight gibt die Wahrscheinlichkeit, dass kein Kandidat mehr als die Hälfte der gewählten Delegierten für sich beanspruchen kann, mittlerweile mit 66 Prozent an. Seit der ersten Vorwahl in Iowa ist dieses Szenario immer wahrscheinlicher geworden. Teilen sich Sanders und Biden also weiter die Delegierten untereinander auf – und müssen etliche Delegierte an noch im Rennen befindliche Kandidaten abgeben – rückt eine sogenannter "umstrittener Parteitag" ("contested convention" oder "brokered convention") näher.

Joe Biden war unter Barack Obama US-Vizepräsident. Nach enttäuschendem Beginn bei den Vorwahlen hat er nun nach einem Erdrutschsieg in South Carolina wieder Rückenwind.
© JIM WATSON

Bekommt ein Kandidat also keine absolute Mehrheit zustande, wird am Parteitag so lange um Zustimmung gerungen und abgestimmt, bis ein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht. Dann kommen auch die sogenannten "Super Delegates" ins Spiel, also verdiente Parteigrößen, die sich frei entscheiden können, wem sie ihre Stimme geben. Für die Demokraten wäre das hochriskant. Egal, welche Mehrheit sich herauskristallisiert – die Chance, den Zorn der unterlegenen Seite auf sich zu ziehen, wäre der Partei gewiss. Und wenn sich dies im Wahlverhalten im November niederschlägt, könnte das US-Präsident Donald Trump zur Wiederwahl verhelfen.

Umso spannender wird der "Super Tuesday" – und alle Augen werden darauf gerichtet sein, ob sich ein Kandidat absetzen kann und wie die Konkurrenten darauf reagieren. Oder ob weiterhin ein Patt besteht, das sich weiter ins Frühjahr zieht und die Demokraten vorerst daran hindert, vereint dem Amtsinhaber entgegen zu treten.

Wann ist mit Ergebnissen zu rechnen? Wie berichtet die TT?

Die Wahl findet am Dienstag statt. Wahlschluss ist jeweils am Abend, was allerdings nach mitteleuropäischer Zeit bereits der Nacht auf Mittwoch bzw. dem Mittwochmorgen entspricht. Erste Ergebnisse werden nach 1 Uhr erwartet, wenn die Ostküsten-Staaten Vermont, Virginia und North Carolina die Urnen dicht machen. Dann folgen die ganze Nacht über Ergebnisse aus den restlichen Bundesstaaten. Besonders zu beachten ist dabei Texas (nach 2 Uhr) sowie Kalifornien (nach 5 Uhr).

Die TT berichtet im Liveticker

TT.com wird den Super Tuesday in der Nacht auf Mittwoch mit einem Liveticker begleiten. Alle Ergebnisse, Reaktionen und Eindrücke aus den USA können auf www.tt.com live verfolgt und nachgelesen werden. Der Ticker startet ab Dienstagmorgen hier.

Und was ist eigentlich mit den Republikanern?

Nicht nur die Demokraten, auch die Republikaner bestimmen im Laufe des Frühjahres ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November. Nachdem der amtierende US-Präsident Donald Trump jedoch erneut gewählt werden möchte, räumt dieser nahezu konkurrenzlos alle Delegiertenstimmen ab. Seine Nominierung gilt als sicher, weshalb sich die Berichterstattung auf die Demokraten konzentriert – bei denen noch alles offen ist.


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