AKW Mochovce: Stromwerke bestreiten drohenden Supergau

Global 2000 hatte vor einem drohenden Supergau im slowakischen Atomkraftwerk Mochovce infolge veralteter und defekter Notstromgeneratoren gewarnt. Die Slowakischen Stromwerke weisen das entschieden zurück und ortet eine Hetzkampagne.

Luftbildaufnahme des Atomkraftwerkes Mochovce in der Slowakei (Archivaufnahme).
© APA

Bratislava – Die Slowakischen Stromwerke (SE) haben Berichte der Umweltschutzorganisation Global 2000 über einen drohenden Supergau im slowakischen Atomkraftwerk Mochovce infolge veralteter und defekter Notstromgeneratoren entschieden zurückgewiesen. Es handle sich einem Medienbericht zufolge bei den Behauptungen um eine Hetzkampagne gegen die Inbetriebnahme des 3. Blocks in Mochovce, so der AKW-Betreiber.

Beim Start der Notgeneratoren, der auf den von der österreichischen Organisation Global 2000 letzte Woche veröffentlichten Videoaufnahmen zu sehen ist, sei es lediglich dazu gekommen, dass Abgase der Dieselmotoren wegen ungenügender Dichtung „nicht ins Abgasrohr geleitet wurden, sondern teilweise in den Raum entwichen sind“, sagte Miroslav Sarissky, Sprecher der SE, gegenüber der slowakischen Tageszeitung Pravda.

Keine Explosion, keinerlei Sach- oder Personenschäden

Es habe sich keinesfalls um eine Explosion gehandelt, wie von Global 2000 behauptet wurde. Bei dem Vorfall, der auf den Aufnahmen aus dem Jahr 2018 zu sehen ist, sei es auch zu keinerlei Sach- oder Personenschäden gekommen. Probleme mit der Dichtung seien am folgenden Tag beseitigt worden, sagte demnach der SE-Sprecher. Alle Dieselgeneratoren seien inzwischen auch komplett renoviert, mehrfach kontrolliert und gründlich getestet worden und seien in ausgezeichnetem Zustand. „Das Erwecken des Eindrucks, dass die Dieselgeneratoren nicht sicher seien und ein Versagen des AKW verursachen könnten, grenzt an die Verbreitung einer Panikmeldung,“ fügte Sarissky hinzu.

Die slowakische Atomaufsichtsbehörde UJD hat bereits Mitte Februar einen Entwurf ihres Beschlusses für die „Einleitung der Inbetriebnahme der Atomeinrichtung“ veröffentlicht. In Kraft treten wird die Genehmigung allerdings nur, wenn keinerlei Einwände eingebracht werden. Die Frist dafür wird erst Mitte April verstreichen. Es wird somit auf die Reaktion aus Wien gewartet, da die österreichische Regierung einen Stopp des Fertigbaus der Reaktoren 3 und 4 in Mochovce in ihrem Koalitionsabkommen verankert hat. Einwände würden den Genehmigungsprozess erneut verlängern.

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Laut der slowakischen Zeitung hatten österreichische Experten vergangenen Sommer die Möglichkeit, das AKW zu besuchen, ein Sondergesandter aus Österreich war auch bei der kürzlich erfolgten Mission der internationalen Atomenergiebehörde IAEO dabei. Ob dies gereicht hat, werden die nächsten Wochen zeigen, so das slowakische Blatt.

Der Termin zur Befüllung des dritten Mochovce-Blocks mit Brennstäben bleibt somit weiter ungewiss. Mit einem Termin im April, wie die SE noch zu Jahresbeginn behauptet hatten, ist aber sicherlich nicht mehr zu rechnen. Die Stromwerke hatten damals erklärt, mit der Befüllung werde sofort begonnen, nachdem die entsprechenden Genehmigungen rechtskräftig werden. Später sprachen sie von Anfang Sommer oder spätestens im Herbst.

Inbetriebnahme des dritten Blocks ab Herbst

Die weiterhin geplante Inbetriebnahme des dritten Blocks könnte somit frühestens im Herbst beginnen. Nach der Einfuhr der Brennstäbe, die allein rund acht Wochen dauern wird, werden nämlich noch eine Anlaufphase und Tests der Turbine folgen.

Die zwei neuen Meiler in Mochovce werden seit 2007 fertiggebaut, ursprünglich sollten sie noch 2012 ans Netz gehen. Das geplante Baubudget von 2,8 Milliarden Euro ist inzwischen auf 5,7 Milliarden Euro gestiegen. Beim Fertigbau wurden von der slowakischen Atomaufsicht eine Menge von Fehlern und Missständen festgestellt, die vor dem Genehmigungsprozess beseitigt werden mussten.

Federführend beim Fertigbau war der italienische Energiekonzern Enel, einst Mehrheitsbesitzer der Stromwerke. Aktuell sind die Italiener dabei, sich aus der Slowakei zurückzuziehen. Bedingung dafür ist allerdings der Fertigbau von Mochovce. In Anschluss werden die SE vom tschechischen Energie- und Industrieholding EPH übernommen, der bereits aktuell die Stromwerke leitet.

In der Slowakei gibt es so gut wie keinen Widerstand gegen Atomenergie, weder in der Öffentlichkeit noch seitens der Politik. Die ersten zwei Meiler im AKW Mochovce sind seit 1998 bzw. 1999 in Betrieb. Ihre geschätzte Lebensdauer wird erst 2058 bzw. 2060 auslaufen. Die Slowakei betreibt noch ein zweites Atomkraftwerk in Jaslovske Bohunice, knapp 80 Kilometer von der Hauptstadt Bratislava und auch von der österreichischen Grenze entfernt. (APA)


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