„Geschockte“ Teams fordern Offenlegung des Ferrari-Deals

Mercedes und sechs weitere Teams sind vom Vergleich mit FIA der "geschockt". Angeblicher Motor-Regelverstoß von Ferrari im Vorjahr soll der Grund sein.

Der Deal der FIA mit Ferrari sorgt für Ärger.
© PHILIPPE NANCHINO via www.imago-images.de

Wien/Brackley – In der Formel 1 ist kurz vor dem Saisonauftakt ein Streit entbrannt. Sieben Teams, darunter Branchenführer und Serienweltmeister Mercedes, haben in einem gemeinsamen Schreiben den Automobil-Weltverband (FIA) aufs Schärfste angegriffen. Grund dafür ist eine Untersuchung der umstrittenen Antriebseinheit von Ferrari.

Die FIA hatte sich zum Abschluss der Untersuchungen mit der Scuderia geeinigt, dass sämtliche Inhalte unter den beiden Parteien bleiben sollten. Mehrfach war Sebastian Vettels Arbeitgeber Ferrari in der vergangenen Saison Schummelei beim Motor vorgeworfen worden.

"Sind geschockt"

"Wir, die unterzeichnenden Teams, waren überrascht und geschockt", heißt es in dem gemeinsamen Statement von Mercedes, McLaren, Red Bull, AlphaTauri, Renault, Racing Point und Williams am Mittwoch. Sie beziehen sich dabei auf die Mitteilung der FIA vom 28. Februar.

In knappen sechs Zeilen hatte die Regelbehörde unter anderem das beiderseitige Stillschweigen mitgeteilt und dass man sich mit Ferrari auf einige technische Verpflichtungen verständigt habe, um das Überwachen der Antriebseinheit zu verbessern.

Zwischen den Zeilen lasen nicht wenige heraus, dass bei der Scuderia im vergangenen Jahr nicht alles mit rechten Dingen bei der sogenannten Power Unit zugegangen sein muss. Nicht nur einmal hatte es 2019 auch entsprechende Direktiven durch die FIA gegeben. Nach jahrelanger Überlegenheit des Mercedes-Motors war Ferraris Antrieb im vergangenen Jahr auf einmal bis zu einer halben Sekunde auf den Geraden schneller gewesen.

Die Übereinkunft erzürnte nun die Konkurrenz, die ohnehin mit Argwohn das Treiben der Italiener beobachtet hatte. Eine internationale Sportbehörde habe die Verantwortung, mit den höchsten Ansprüchen an Führung, Integrität und Transparenz zu handeln, hieß es in dem Statement, das auch die Formel 1 auf ihrer Homepage veröffentlichte.

Noch keine FIA-Reaktion

Die FIA ist als Verband unter anderem für die Regeln und deren Einhaltung verantwortlich, die Besitzer der Formel 1 haben vor allem die kommerziellen Rechte. Die Teams forderten die FIA nun auf, die Ergebnisse der Untersuchung offenzulegen. "Wir tun das im Interesse der Fans, der Teilnehmer und der Besitzer der Formel 1", wird betont. Die FIA reagierte zunächst nicht.

Die sieben Teams, denen sich nur Ferraris Partner-Teams Haas und Alfa Romeo nicht anschlossen, behalten sich in der Angelegenheit im Rahmen des dafür vorgesehenen Prozederes der FIA auch rechtliche Schritte vor.

Rund eineinhalb Wochen vor dem Auftakt am 15. März in Melbourne in eine Saison, die durch den neuartigen Coronavirus ohnehin schwer beeinträchtigt werden könnte, dürfte dieser Streit auch nicht schnell beigelegt sein. Bei einer Veröffentlichung der Ergebnisse könnte die Front gegen Ferrari noch massiver werden und die FIA sich selbst belasten, sollte sie Regelverstöße womöglich nicht entsprechend geahndet haben. (APA/Reuters/dpa)


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