Menschenansammlung an Grenzfluss, Berlin will Türkei weiter Geld geben

Immer mehr Migranten versammeln sich vor dem griechisch-türkischen Grenzübergang Kastanies, auch die Überfahrten auf die griechischen Inseln dürften sich heute wieder intensivieren. Die deutsche Regierung will die Türkei weiter verstärkt finanziell unterstützen.

Auf der türkischen Seite der Grenze treffen immer mehr Menschen ein.
© OZAN KOSE

Berlin – Die Krise an den griechisch-türkischen Grenze dauert an. Am Grenzfluss Evros wurden am Donnerstagvormittag Ansammlungen von Menschen auf der türkischen Seite am Grenzübergang von Kastanies beobachtet. Die Sicherheitsbehörden rechneten nach Berichten des Staatsrundfunks (ERT) mit einem neuen Ansturm von verzweifelten Menschen, die aus der Türkei nach Griechenland und damit in die EU kommen wollen.

📽 Video | Alexander Kofler (ORF) aus Griechenland

Auf den Inseln der Ägäis, deren Registrierlager heillos überfüllt sind, richten die Sicherheitsbehörden und die Bewohner den Blick in die Meerengen mit der türkischen Ägäisküste. Die starken Winde, die in den vergangenen zwei Tagen herrschten, haben nachgelassen. Die Küstenwache befürchtete einen neuen Versuch von Hunderten Menschen, in den kommenden Stunden überzusetzen.

Geschlossene Abschiebelager in Griechenland

Athen kündigte erneut an, alle Migranten, die seit dem 1. März illegal nach Griechenland kamen, in geschlossene Abschiebelager unterzubringen. Asylanträge können diese Menschen nicht stellen, hieß es. "Sie werden von dort in ihre Länder ausgewiesen", sagte Migrationsminister Notis Mitarakis am Mittwochabend im griechischen Fernsehen. Das erste Lager entstehe nahe der nordgriechischen Stadt Serres, teilte er mit.

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Im Hafen der Insel Lesbos liegt seit Mittwoch ein Schiff der griechischen Kriegsmarine. Es nahm nach Angaben der Küstenwache mehr als 500 Menschen auf, die nach dem 1. März angekommen waren und abgeschoben werden sollen. Auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos harren zurzeit mehr als 42.000 Migranten aus. Dies teilte das Migrationsministerium mit.

Berlin will Türkei "weiter verstärkt finanziell unterstützen"

Angesichts des Andrangs Tausender Migranten setzt die deutsche Regierung auf eine geschlossene europäische Antwort und mehr Hilfe auch für die Türkei. „Für uns ist klar: die EU muss die Anstrengungen der Türkei bei der Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten weiterhin auch verstärkt finanziell unterstützen“, sagte Außenminister Heiko Maas am Donnerstag. „Denn die Türkei ist weltweit das größte Aufnahmeland von Flüchtlingen, und eine faire Lastenteilung ist auch in unserem Interesse. Aber ebenso klar ist unsere Erwartung, dass sich die Türkei im Gegenzug auch an die EU-Türkei-Erklärung hält“, sagte Maas.

📽 Video | Kurz widerspricht Grünen bei Migrantenaufnahme-Wunsch

Die Türkei hatte entgegen dem Abkommen am Wochenende die Grenzen in Richtung EU für geöffnet erklärt. Seitdem harren Tausende Migranten auf der türkischen Seite der Grenze aus. Griechenland setzte auch Blendgranaten und Tränengas ein, um Menschen zurückzudrängen.

Frontex mit neuem Programm für schnelle Rückführungen

Die EU-Innenminister unterstützen das Vorgehen. „Illegale Grenzübertritte werden nicht toleriert“, heißt es in einer Erklärung, auf die sich die Innenminister der 27 EU-Länder am Mittwoch bei einem Sondertreffen in Brüssel geeinigt hatten.

Ein Brüsseler Sechs-Punkte-Plan sieht vor, dass die EU-Asylagentur Easo 160 Experten der EU-Staaten entsendet. Die Grenzschutzagentur Frontex soll außerdem ein neues Programm für schnelle Rückführungen für jene Menschen auflegen, die nicht in Griechenland bleiben dürfen. (TT.com, APA/dpa)


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