Abschuss von Flug MH17: Langes Hoffen auf Gerechtigkeit

Nach dem Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine vor über fünf Jahren startet am Montag der Prozess gegen vier Verdächtige. Den Männern wird Totschlag und vorsätzliche und unrechtmäßige Zerstörung eines Flugzeugs mit Todesfolge in 298 Fällen vorgeworfen.

Das Flugzeug startete in Amsterdam, kam aber nie ans Ziel: Über der Ostukraine wurde MH17 abgeschossen.
© AFP/Van Weel

Kiew/Den Haag – Mehr als fünfeinhalb Jahre nach dem Absturz von Flug MH17 hoffen die Angehörigen der 298 Todesopfer auf Gerechtigkeit: Am Montag beginnt vor einem niederländischen Gericht der Prozess gegen drei Russen und einen Ukrainer wegen des Abschusses der Maschine über der Ostukraine im Jahr 2014.

Den vier Männern, die laut Ermittlern in Verbindung zu prorussischen Rebellen stehen, wird Totschlag und die vorsätzliche und unrechtmäßige Zerstörung eines Flugzeugs mit Todesfolge in 298 Fällen vorgeworfen. "Es ist ein sehr wichtiger Augenblick für die engsten Angehörigen", sagt Piet Ploeg, Leiter eines Opferverbands, der Nachrichtenagentur AFP. Sein Bruder, seine Schwägerin und sein Neffe wurden bei dem Absturz getötet. "Wir werden hören, was passiert ist, warum es passiert ist und welche Rolle der russische Staat gespielt hat. Ich hoffe und bin überzeugt, dass wir alle Antworten bekommen, die wir seit fünfeinhalb Jahren nicht bekommen haben", fügte er hinzu.

Verfahren in Abwesenheit der Beschuldigten

Die Angehörigen der Todesopfer sind im Gerichtssaal des Hochsicherheitsgerichts in der Nähe des Amsterdamer Flughafens Schiphol zugelassen – jenes Flughafens, von dem Flug MH17 gestartet war. Mehr als 400 Journalisten aus aller Welt werden erwartet, für sie wurde eigens ein Medienzentrum gebaut. Das Verfahren dürfte in Abwesenheit der Beschuldigten erfolgen, da weder Russland noch die Ukraine ihre Staatsbürger ausliefern.

Angeklagt sind drei Russen und ein Ukrainer, die eine BUK-Rakete in die Ostukraine gebracht haben sollen. Damit wurde das Flugzeug abgeschossen.
© Robin van Lonkhuijsen / ANP / AFP

Den Russen Igor Girkin, Sergej Dubinski und Oleg Pulatow sowie dem Ukrainer Leonid Chartschenko wird vorgeworfen, eine BUK-Rakete sowjetischer Bauart, mit der das Flugzeug abgeschossen wurde, in die Ostukraine gebracht zu haben. Die vier Verdächtigen "arbeiteten eng zusammen, um die BUK-Rakete zu beschaffen und sie mit dem Ziel aufzustellen, ein Flugzeug abzuschießen", erklärte die niederländische Staatsanwaltschaft.

Nach internationalem Recht werden die Männer laut Marieke de Hoon von der Vrije Universiteit Amsterdam als "Mittäter" beschuldigt. Dies bedeute nicht, dass sie den Abschuss direkt ausgelöst haben müssen, sondern dass sie ihn durch ihr Handeln ermöglichten, erläutert die Rechtsexpertin. Bei einem Schuldspruch drohen den Männern zwischen 30 Jahren und lebenslanger Haft sowie Geldstrafen von bis zu 87.000 Euro.

Hochrangige Kremlbeamte belastet

Die Ermittler suchen nach eigenen Angaben noch nach Beweisen, die hochrangige Kremlbeamte belasten. Russland weist jede Beteiligung am Abschuss der Maschine zurück. "Wir haben von Anfang an die Objektivität der Arbeit des Untersuchungsteams infrage gestellt, da man uns die Möglichkeit genommen hat, daran teilzunehmen", sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow am Mittwoch. Opfervertreter Ploeg ist dagegen "sicher, dass es noch mehr Prozesse geben wird". Auch nach der Besatzung des BUK-Abschussgeräts, das zur 53. Luftabwehr-Raketenbrigade im russischen Kursk gehörte, wird noch gefahndet.

298 Menschen starben bei dem Abschuss durch die prorussischen Separatisten.
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Die Boeing 777 der Fluggesellschaft Malaysia Airline war am 17. Juli 2014 im Osten der Ukraine abgestürzt. Wie eine internationale Untersuchung zeigte, wurde Flug MH17 mit einer BUK-Rakete gezielt abgeschossen. Die Maschine befand sich damals auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur und überflog das Konfliktgebiet im Osten der Ukraine, in dem sich prorussische Separatisten und die ukrainische Armee bekämpften.

Da 196 der 298 Todesopfer Niederländer waren, findet der Prozess in den Niederlanden statt. Ermittler aus Australien, Belgien, Malaysia sowie aus der Ukraine beteiligten sich an den Untersuchungen. (APA/AFP)


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