Mayer triumphiert bei der letzten Abfahrt der Saison in Kvitfjell

Der Olympiasieger setzte sich in Norwegen vor dem Hausherren Aleksander Aamodt Kilde und dem Schweizer Carloa Janka durch.

ÖSV-Ass Matthias Mayer war in Kvitfjell nicht zu schlagen.
© GEPA pictures/ Christian Walgram

Kvitfjell - Matthias Mayer als Triumphator der Abfahrt, Beat Feuz als Sieger im Disziplinweltcup und Aleksander Aamodt Kilde als neuer Führender im Gesamtweltcup sind die großen Gewinner der letzten Saison-Abfahrt der alpinen Ski-Herren am Samstag in Kvitfjell gewesen. Wobei Kilde vor Heimpublikum auch gern gewonnen hätte, doch war die blitzsaubere Fahrt von Mayer eine für das Lehrbuch.

Während Mayers Glanztat mit der Nummer 13 leuchtete es bei den Zwischenzeiten durchwegs grün auf, am Ende lag er bei seinem vierten Saisonerfolg und dem neunten insgesamt 0,14 Sekunden vor Kilde und 0,37 vor dem Schweizer Carlo Janka. Dabei war Mayer in den Trainings noch weit zurückgelegen. "Ich wollte es mal so probieren, wie es Feuz sonst immer tut. Blufferkönig bleibt aber der Feuz", sagte Mayer, der seine Fahrt selbst "gewaltig" fand.

Bei Kilde habe er sich sofort entschuldigt, hatte dieser den Erfolg vor Heimpublikum doch herbeigesehnt. "Er hat seine Leistung auch heute wieder auf den Punkt gebracht. Er ist in keiner leichten Situation, hat sehr viel Druck und will den Gesamtweltcup heimfahren", erklärte Mayer. Kilde zog den Hut vor dem Tagesbesten. "Eine gewaltige Fahrt, von oben bis unten so flüssig. Ich habe den Sieg schon gewollt, aber er ist ein bisschen zu stark gefahren."

Im der Entscheidung um die kleine Kugel darf sich Mayer aber über Rang drei hinter Feuz und dem Deutschen Thomas Dreßen (Tagesachter) freuen. "Meine Abfahrtssaison war sehr gut und konstant. Es hat nur in Beaver Creek nicht funktioniert und in Garmisch, wo ich nicht am Start war. Es war eine super Saison." Mit Ausnahme von Platz 31 in Beaver Creek und dem elften Rang direkt nach seiner Erkrankung in Saalbach-Hinterglemm kam Mayer immer in die Top Fünf, Highlight war der Sieg auf der Streif in Kitzbühel.

Leih-Kristall für Feuz

Der Tagesvierte Feuz war zum dritten Mal in Folge als Gewinner der kleinen Kristallkugel bereits festgestanden, da das Weltcupfinale in Cortina d'Ampezzo wegen des Coronavirus abgesagt wurde. "Das Wichtigste ist, dass es mit der dritten Kugel geklappt hat, das ist sehr speziell, dreimal in Folge gelingt auch nicht jedem. Ich bin stolz drauf", sagte der Schweizer. "Ich bin vielleicht nicht der absolute Siegfahrer, andere haben gleich viele oder mehr Siege, aber die Konstanz hat mich ausgemacht."

Mayer sei sein Siegertipp für die Abfahrt gewesen, da habe er schon beim Besichtigen für das Training gesehen. "Ich bin zum Sepp hingefahren und habe gesagt, da runter muss man den Mothl schlagen. Und jetzt ist es so", berichtete Feuz von einem Gespräch mit ÖSV-Abfahrtstrainer Sepp Brunner.

Weil es kein Finale gibt, improvisierte der Ski-Weltverband eine Kugel-Zeremonie. Dafür musste aber erst ein Leih-Kristall aufgetrieben werden, da die FIS keines mithatte. Von Aksel Lund Svindal war auf die Schnelle keines zu organisieren, jene von Kjetil Andre Aamodt sind alle gestohlen worden - blieb noch Henrik Kristoffersen, der eine Slalom-Kugel von 2016 zuhause hat. "Einem Abfahrer eine Slalomkugel in die Hand zu geben, ist mutig", witzelte Mayer.

Im Gesamtweltcup übernahm Kilde wieder die Führung, liegt nun 54 Zähler vor dem Franzosen Alexis Pinturault, der in seiner ersten Spezialabfahrt seit sieben Jahren auf Platz 37 kam, und 161 vor seinem Landsmann Kristoffersen, der auf ein Antreten in Kvitfjell verzichtete. Der Technik-Spezialist Kristoffersen könnte damit bereits am Sonntag nach dem Super-G aus dem Rennen sein, da danach nur noch Riesentorlauf und Slalom in Kranjska Gora folgen.

In der letzten Abfahrt der Saison schaffte es kein weiterer Österreicher in die Top Ten, Daniel Danklmaier kam auf Platz zwölf, Vincent Kriechmayr auf 14, Daniel Hemetsberger auf 15 und Otmar Striedinger auf 22.

"Das war in Summe nicht gut genug, überall waren kleine Fehler drinnen", sagte Kriechmayr. "Es hat bei mir so schwierig ausgeschaut und bei Mothl so schön. Er hat den Radius sehr eng gehalten, ist ständig in Position gewesen, mich hat es immer wieder mal rausgeschaut. Morgen muss ich das um einiges besser machen", so Kriechmayr, der im Super-G am Sonntag wie Mayer noch um die Kugel kämpft.

Hemetsberger war "megaerleichtert", dass er seine gute Trainingsleistung vom Freitag (Vierter) auch im Rennen umsetzen konnte. "Es war erst mein viertes Weltcuprennen, ich bin überglücklich und voll zufrieden, dass ich das mit meinen kaputten Haxen geschafft habe." Vier Kreuzbandrisse haben seine Laufbahn immer wieder gestoppt, nun hofft der Zöllner, dass er sich im Europacup den Weltcup-Fixplatz für die nächste Saison sichert. (APA)

Ticker zur Herren-Abfahrt in Kvitfjell:


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