109. Frauentag überschattet von zahlreichen Gewalttaten

Seit Beginn des Jahres wurden in Österreich bereits sechs Frauen getötet. „Bei Gewalt gegen Frauen gilt für mich null Toleranz", teilte Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) im Vorfeld des Frauentags mit.

Eine Frau sitzt im Frauenhaus auf einem Bett
© dpa/Hitji

Wien – Am Sonntag, 8. März, findet der 109. Internationale Frauentag für mehr Gleichberechtigung statt. Grund zum Feiern gibt es aber kaum. Auch wenn in Österreich die weiblichste Regierung aller Zeiten am Werk ist, besteht in vielen gesellschaftspolitischen Feldern Aufholbedarf. Ein düsteres Bild zeichnet die Statistik der Frauenmorde, die der Politik das Thema Gewaltschutz nahezu aufdrängt.

Seit Beginn des Jahres wurden in Österreich bereits sechs Frauen getötet, im vergangenen Jahr waren es 34. Die Täter stammen meist aus dem engsten Umfeld der Frauen. Gewaltschutzorganisationen fordern eine Aufstockung der Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen.

Hilfe bei Gewalt finden Betroffene etwa

  • bei der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie: www.interventionsstelle-wien.at;
  • beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser: www.aoef.at oder bei der Opferschutzorganisation Weißer Ring unter 0800/112-112, www.opfernotruf.at.
  • Wenn akute Gewalt droht, rufen Sie sofort den Polizeinotruf unter 133 oder 112. Gehörlose und Hörbehinderte können per SMS an 0800/133 133 Hilfe rufen.

„Bei Gewalt gegen Frauen gilt für mich null Toleranz", teilte Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) im Vorfeld des Frauentags mit. „Es ist mir deshalb nach der Vielzahl der aktuellen Fälle von Frauenmorden und Gewalttaten gegen Frauen ein zentrales Anliegen, dass der Opfer- und Gewaltschutz gestärkt wird", sagte sie. Ihr Ziel sei es, dass jede in Österreich bedrohte Frau auch einen Zufluchtsort hat. „Wir werden auch verstärkt Augenmerk auf kulturell bedingte Gewalt wie weibliche Genitalverstümmelung oder Zwangsheiraten legen", kündigte die Ministerin an.

Die SPÖ-Frauen forderten anlässlich des bevorstehenden Frauentags am 8. März ein Gewaltschutz-Sofort-Paket. „Der Gewaltschutz muss ausgebaut und darf nicht eingeschränkt werden", stellte Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek klar. „Drohungen müssen ernst genommen werden."

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Im Regierungsprogramm wird in Sachen Gewaltschutz ein „nationaler Aktionsplan" in Aussicht gestellt. Außerdem soll das Frauenressort mehr Budget erhalten – seit 2010 wurden die finanziellen Mittel nicht mehr erhöht. Auch den Ausbau von Frauenberatungsstellen schreibt sich die türkis-grüne Regierung laut Programm auf die Fahnen.

Seit Jahresanfang – also innerhalb von knapp zwei Monaten – sind in Österreich bereits sechs Frauen gewaltsam getötet worden. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 34, 2018 wurden 41 Opfer tödlicher Gewalttaten. Angesichts der alarmierenden Zahlen fordern Gewaltschutzorganisationen im Vorfeld des Frauentages am 8. März einmal mehr eine Aufstockung ihrer Ressourcen.

Blickt man auf die Zahlen der letzten fünf Jahre, wurde ab 2016 eine Häufung von Gewalttaten an Frauen verzeichnet. 2014 wurden nach Angaben des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) mit Verweis auf die polizeiliche Kriminalstatistik 19 Frauen gewaltsam getötet, im Jahr darauf waren es 17. 2016 stieg die Zahl dann sprunghaft auf 28, 2017 auf 36, um im Jahr 2018 den Höchstwert von 41 zu erreichen.

Im laufenden Jahr kam es bis dato zu sechs tödlichen Gewalttaten gegen Frauen.

Eine Chronologie der tödlichen Bluttaten des heurigen Jahres

23. Februar 2020: Ein 34-jähriger Mann tötet seine gleichaltrige Ex-Lebensgefährtin in Großwilfersdorf (Oststeiermark) durch mehrere Pistolenschüsse. Täter und Opfer hatten sich nach mehrmonatiger Beziehung erst vor kurzem getrennt. Die 13-jährige Tochter der Frau befindet sich zu dieser Zeit nicht am Tatort, einem Einfamilienhaus.

13. Februar 2020: Eine weibliche Leiche wird im Keller eines Einfamilienhauses in Kössen (Bezirk Kitzbühel) gefunden. Die 52-Jährige ist laut Obduktion bereits mehrere Tage tot, sie wurde von ihrem Ehemann mit einer Schnur erdrosselt. Der 56-Jährige ist geständig und nennt als Motiv „Streitigkeiten aufgrund finanzieller Probleme".

4. Februar 2020: Eine 33-jährige Frau aus Graz wird im Bezirk St. Peter auf offener Straße von einem 27-jährigen Mann mit einem Messer attackiert und stirbt am folgenden Tag im Krankenhaus an ihren Verletzungen. Der Angreifer gesteht die Tat. Er sagt aus, mit dem Opfer nicht bekannt gewesen zu sein. Laut Polizei gab es zuvor bereits „Zwischenfälle aufgrund psychischer Probleme".

4. Februar 2020: In Trieben in der Obersteiermark ersticht ein 29-jähriger seine 25 Jahre alte Ehefrau während eines Streits mit einem Küchenmesser. Als Motiv gibt der geständige Mann "Eifersucht" an, die Frau hätte sich von ihm trennen wollen. Das aus Afghanistan stammende Paar hat eine dreijährige Tochter.

23. Jänner 2020: Ein 37-Jähriger erwürgt seine 28-jährige Partnerin in Wien-Floridsdorf mit bloßen Händen. In der Wohnung der Frau wird die Leiche fünf Tage nach der Tat vom Vater des Opfers gefunden. Der Verdächtige wird festgenommen.

15. Jänner 2020: Ein 50-Jähriger ersticht seine 42-jährige Ehefrau in Ybbs a.d. Donau (Bezirk Melk). Bei der Einvernahme ist der Mann geständig, als Motiv nennt er „Eifersucht". Das Paar hat eine 18-jährige Tochter sowie einen Sohn im Alter von 16 Jahren. Der Jugendliche hatte den Notruf gewählt und die Polizei alarmiert.


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