Migrantinnen in Österreich besonders hoch und besonders niedrig gebildet

In Österreich lebende Frauen ausländischer Staatsangehörigkeit sind in den höchsten und niedrigsten Bildungsschichten überproportional vertreten. Auch die Arbeitslosigkeit ist höher.

Symbolbild.
© TT/Thomas Böhm

Wien – In Österreich lebende Frauen ausländischer Staatsangehörigkeit sind in den höchsten und niedrigsten Bildungsschichten überproportional vertreten, während österreichische Frauen häufiger über einen Abschluss auf der mittleren Bildungsebene verfügen. Das zeigt der Bericht des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) mit dem Titel „Frauen und Integration - Zahlen, Daten und Fakten 2019".

🔗 „Frauen und Integration - Zahlen, Daten und Fakten 2019"

2018 verfügten 16 Prozent aller Frauen in Österreich ohne Migrationshintergrund über eine Matura als höchsten Bildungsabschluss. Dieser Wert betrug bei Frauen mit Migrationshintergrund sogar 20 Prozent. Rund 24 Prozent der Migrantinnen verfügten über einen akademischen Abschluss, bei Frauen ohne Migrationshintergrund lag dieser Wert nur bei fast 20 Prozent. Das bedeutet, dass 64 Prozent der Österreicherinnen bildungstechnisch unter Matura-Niveau lagen, bei Frauen mit Migrationshintergrund waren das lediglich rund 56 Prozent.

Sehr heterogen: Je nach Land unterschiedlicher Bildungsgrad

Allerdings stellt sich die Gruppe der Frauen mit Migrationshintergrund äußerst heterogen dar. Frauen aus EU-/EFTA-Staaten sind sehr gut qualifiziert: 31 Prozent hatten einen Abschluss an einer Universität, Fachhochschule oder Akademie. Migrantinnen aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien (außerhalb der EU) waren hingegen weniger hoch gebildet. Fast 66 Prozent der türkischen und rund 38 Prozent der ex-jugoslawischen Migrantinnen verfügten nur über einen Pflichtschulabschluss.

Im Zeitverlauf lässt sich sowohl bei Österreicherinnen als auch bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit ein Anstieg des Bildungsniveaus beobachten: 1971 verfügten noch 70 Prozent der Österreicherinnen und 73 Prozent der Ausländerinnen nur über einen Pflichtschulabschluss. 2018 hatten nur mehr rund 14 Prozent der österreichischen Frauen ausschließlich einen Pflichtschulabschluss, der Wert bei Frauen ausländischer Staatsangehörigkeit lag noch bei 27 Prozent.

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Der Anteil an Frauen mit Universitätsabschluss stieg unter Österreicherinnen von etwas über einem Prozent (1971) auf fast 20 Prozent im Jahr 2018. Unter Ausländerinnen stieg der Anteil an Universitätsabschlüssen im selben Zeitraum deutlich stärker, nämlich von etwa drei Prozent auf 27 Prozent.

© APA

Arbeitslosigkeit bei Migrantinnen deutlich höher

Trotz des guten Ausbildungsniveaus zeigt der Bericht des Integrationsfonds, dass die Arbeitslosenquote unter Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Jahr 2018 mit 12,1 Prozent deutlich höher als jene österreichischer Staatsbürgerinnen (6,2 Prozent) war. Unter den Top 20 Herkunftsländern war die Arbeitslosenquote besonders bei Frauen aus Syrien (75,2 Prozent) und Afghanistan (54,6 Prozent) hoch. Den höchsten Anteil von weiblichen Beschäftigten mit Migrationshintergrund hatten Branchen wie Unternehmensdienstleistungen (z.B. Gebäudereinigung) und die Gastronomie.

Beim Verdienst sind Frauen gegenüber Männern weiterhin benachteiligt - egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Österreicherinnen verdienten im Jahr 2017 im Schnitt fast 21.500 Euro, Männer fast 30.800 Euro. Während männliche Ausländer mit rund 23.200 Euro mehr verdienten als Österreicherinnen, lag das Nettojahreseinkommen bei Ausländerinnen im Schnitt bei etwa 17.200 Euro.

Frauen arbeiten für 2500 Euro 9 Stunden mehr als Männer

Um auf das mittlere Einkommen eines Mannes zu kommen (2.500 Euro brutto pro Monat), müssten Frauen um neun Stunden pro Woche mehr arbeiten als Männer. Frauen kämen damit auf eine 48-Stunden-Woche. Das zeigen neue Berechnungen der Arbeiterkammer. AK-Präsidentin Renate Anderl fordert Maßnahmen zur Beseitigung dieser Ungerechtigkeit.

"Es tut sich seit Jahren wenig bis gar nichts beim Schließen der Einkommensschere", kritisiert Anderl. Gleichberechtigung bedeute, dass Frauen ein von Männern unabhängiges Leben führen können. Gleichberechtigung beginne daher beim Geld.

Berechnungen der Arbeiterkammer zeigen klar den Unterschied: Um auf das mittlere Monatsbrutto eines Mannes von 2.500 Euro zu kommen, arbeiten Männer pro Woche 39 Stunden. Frauen müssten dafür hingegen 48 Stunden Erwerbsarbeit leisten. Dazu kommen bei Frauen im Mittel 27 Stunden Familien- und Hausarbeit, bei Männern 16. Das würde bei gleichem Einkommen insgesamt eine 75-Stunden-Woche für Frauen und eine 55-Stunden-Woche für Männer bedeuten.

Zu Jahresbeginn 2019 lebten fast 882.200 im Ausland geborene Frauen in Österreich, das entsprach 19,6 Prozent der weiblichen Gesamtbevölkerung. Insgesamt haben 23,7 Prozent der Frauen in Österreich Migrationshintergrund.

48,5 Prozent der im Ausland geborenen Frauen stammten aus EU-/EFTAStaaten, 51,5 Prozent wurden in Drittstaaten geboren. Die meisten im Ausland geborenen Frauen stammten aus Deutschland. Weitere wichtige Geburtsländer waren Bosnien-Herzegowina, die Türkei, Serbien sowie Rumänien. Auffallend ist, dass zu Jahresbeginn 2019 mehr Frauen mit ausländischem Geburtsland (882.200) in Österreich lebten als Männer (846.400), schreibt der Integrationsfonds in seinem Bericht, der anlässlich des Internationalen Frauentags veröffentlicht wurde. (APA)

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