Frauenanteil in Österreichs Politik gestiegen

Erstmals gibt es in der österreichischen Bundesregierung mit mehr Frauen als Männern. Von halbe-halbe sind die meisten anderen Ebenen zwar noch weit entfernt, die Zahl der weiblichen Nationalratsabgeordneten ist aber gestiegen.

Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) (li.) und Justizministerin Alma Zadic (Grüne).
© APA/Schlager

Wien – Der Frauenanteil in der heimischen Politik hat sich im letzten Jahr verbessert. Erstmals in der Geschichte Österreichs besteht die Bundesregierung aus mehr Frauen als Männern. Von halbe-halbe sind die meisten anderen Ebenen zwar noch weit entfernt, die Zahl der weiblichen Nationalratsabgeordneten, der Bundesratsmandatarinnen und der Bürgermeisterinnen ist seit Februar 2019 aber gestiegen.

Acht der 15 Regierungsmitglieder von Türkis-Grün – also Minister und Kanzler - sind Frauen, das macht eine Quote von 53,3 Prozent. Nimmt man die zwei Staatssekretäre dazu, kommt man bei neun von 17 auf fast 53 Prozent. Die Übergangsregierung unter Kanzlerin Brigitte Bierlein hatte einen Frauenanteil von 50 Prozent, in der vor einem Jahr noch regierenden türkis-blauen Koalition waren es 35,7 Prozent.

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Der Frauenanteil im Nationalrat ist mit der vergangenen Wahl zum vierten Mal in Folge etwas gestiegen. Die aktuell 72 Mandatarinnen bedeuten einen Anstieg von 37,2 Prozent zu Beginn des Vorjahres auf 39,3 Prozent. Von den 61 Mitgliedern des Bundesrats sind 25 weiblich, das sind zwei Bundesrätinnen mehr.

Die Frauen in der neuen Türkis-Grünen Bundesregierung: (v.l.oben bis re. unten): Susanne Raab (ÖVP/Kanzleramtsministerin für Integration), Karoline Edtstadler (Kanzleramtsministerin für Europafragen/ÖVP), Klaudia Tanner ( Verteidigung/ÖVP),Christine Aschbacher (Arbeit und Familie/ÖVP), Elisabeth Köstinger (Landwirtschaft/ÖVP), Margarete Schrammböck (Wirtschaft/ÖVP), Leonore Gewessler (Umwelt,Infrastruktur,Verkehr/Grüne), Alma Zadic (Justiz/Grüne), Ulrike Lunacek Staatssekretärin Kunst und Kultur/Grüne).
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Mit Mikl-Leitner eine Landeshauptfrau

In den Landesregierungen ist die Zahl der Frauen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres von 27 auf 30 gestiegen (von insgesamt 73 Mitgliedern; inklusive der vier nicht amtsführenden Stadträte in Wien). Nach wie vor gibt es mit Niederösterreichs Regierungschefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) aber nur eine Landeshauptfrau.

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Leicht gesunken ist die Zahl der Frauen in den Landtagen: 140 der insgesamt 440 Mitglieder sind weiblich (vorher 141). Den höchsten Frauenanteil hat Vorarlberg mit 42 Prozent, gefolgt von Salzburg mit 36 Prozent. Den geringsten Frauenanteil hat der Kärntner Landtag mit 22 Prozent.

Nur wenige Bürgermeisterinnen

Nach wie vor gibt es nur wenige Ortschefinnen. Die Zahl der Bürgermeisterinnen ist zwar von 165 auf 181 gestiegen – bei 2096 Gemeinden bedeutet das aber lediglich einen Anteil von 8,6 Prozent. Damit liegt Österreich auch deutlich unter dem EU-Durchschnitt (15,4 Prozent), wie aus Unterlagen von Werner Zögernitz, früherer ÖVP-Klubdirektor und Leiter des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen, hervorgeht.

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Mehr Spitzenpolitikerinnen in Europa

In Europa gibt es mehr Spitzenpolitikerinnen als noch vor einem Jahr. Nicht nur die EU-Institutionen sind im vergangenen Jahr weiblicher geworden, auch auf nationalstaatlicher Ebene hat sich der Frauenanteil in politischen Ämtern erhöht.

Mit von der Leyen erstmals Frau an Spitze

Von den 27 Mitgliedern der EU-Kommission sind 12 weiblich, der Frauenanteil stieg von 32,1 Prozent auf 44,4 Prozent an. Mit Ursula von der Leyen steht seit Dezember 2019 außerdem die erste Frau an der Spitze der Behörde. Auch im Europäischen Parlament ist nach der EU-Wahl des Vorjahres der Frauenanteil von 36,4 Prozent auf 40,4 Prozent gestiegen.

Aktuell werden vier EU-Staaten von Frauen regiert: Dänemark (Mette Fredriksen), Deutschland (Angela Merkel), Belgien (Sophie Wilmes) und Finnland (Sanna Marin), das ist eine Regierungschefin mehr als im Vorjahr. Die Anzahl der Staatspräsidentinnen ist hingegen von vier auf zwei zurückgegangen.

Österreich mit Frauenanteil in Regierung unter Top drei

Der Anteil der weiblichen Regierungsmitglieder in den EU-Staaten ist mit 30,6 Prozent nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr (30,5 Prozent). In vier Staaten liegt der Frauenanteil über 50 Prozent: nämlich in Spanien mit 58,8 Prozent, in Finnland mit 57,9 Prozent, in Österreich mit 53,3 Prozent und in Schweden mit 52,2 Prozent, wie aus einer Aufstellung von Werner Zögernitz, früherer ÖVP-Klubdirektor und Leiter des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen, hervorgeht.

In den nationalen Parlamenten ist die Anzahl der Frauen von 27,8 Prozent auf 32,2 Prozent gestiegen. Der Prozentsatz der Bürgermeisterinnen hat sich laut Zögernitz im EU-Durchschnitt von 14,9 Prozent im Jahr 2017 auf 15,4 Prozent erhöht. Wenig getan hat sich bei den Gemeinderätinnen in den EU-Staaten: Hier gab es einen Anstieg von 32,1 Prozent im Jahr 2017 auf nunmehr 32,6 Prozent.


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