Frauenquote wirkt, Unternehmensführung aber weiterhin männlich

Die Zahl von Frauen in Aufsichtsratsgremien hat sich in den letzten Jahren erhöht. Die Unternehmensführung bleibt aber Männersache, kritisiert die Arbeiterkammer.

Traditionell sind Frauen in Aufsichtsratspositionen stärker als im Management (Geschäftsführung, Vorstand) vertreten.
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Wien – Die Zahl von Frauen in Aufsichtsratsgremien hat sich in den letzten Jahren erhöht. Verantwortlich dafür ist eine seit 1. Jänner 2018 gültige Regelung für eine verbindliche Quote von mindestens 30 Prozent Frauen für ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis in Aufsichtsratsgremien großer und börsennotierter Unternehmen. Die Unternehmensführung bleibt aber Männersache, kritisiert die Arbeiterkammer.

Traditionell sind Frauen in Aufsichtsratspositionen stärker als im Management (Geschäftsführung, Vorstand) vertreten, die Geschlechterquote für den Aufsichtsrat hat diesen Trend laut dem "Frauen.Management.Report.2020" der Arbeiterkammer (AK) weiter verstärkt. Der Frauenanteil in den quotengebundenen, börsennotierten Unternehmen hat sich seit Einführung der Quote signifikant von 22,4 Prozent im Jänner 2018 auf 31,7 Prozent im Jänner 2020 gesteigert. In den Vorständen der quotenpflichtigen, börsennotierten Unternehmen sind Frauen hingegen nur zu 5,8 Prozent vertreten.

Zwei Drittel der Unternehmen erfüllen Quote

Die Geschlechterquote habe nur zwei Jahre nach der Einführung schon einiges bewirkt, freut sich die Arbeiterkammer. Fast zwei Drittel der quotenpflichtigen Unternehmen an der Wiener Börse erfüllen bereits den Mindestanteil von 30 Prozent im Aufsichtsrat, sieben davon erreichen sogar eine Quote von 40 Prozent und mehr Frauen. Im Gegensatz dazu konnte der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder in den nicht-quotenpflichtigen, börsennotierten Unternehmen von 2018 auf 2020 nur von 11,9 auf 15,4 Prozent erhöht werden.

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Über alle börsennotierten Segmente hinweg betrachtet hat sich der Frauenanteil im Aufsichtsrat von 22 Prozent im Jänner 2019 auf 24,6 Prozent im Jänner 2020 erhöht. Positiv ist dabei insbesondere die Dynamik im Leitindex ATX hervorzuheben, wo der Frauenanteil in den Aufsichtsräten auf 31,9 Prozent angestiegen ist. Zwölf der 20 ATX-Unternehmen übertreffen die 30-Prozent-Marke, fünf davon liegen bei 40 Prozent und mehr Frauen.

Wirtschaft fast gänzlich ohne Frauen an Unternehmensspitze

Vor dem Hintergrund, dass Frauen zuletzt vermehrt in Führungspositionen der europäischen sowie der österreichischen Politik vertreten sind, scheint es überraschend, dass die heimische Wirtschaft fast gänzlich ohne Frauen an der Unternehmensspitze auskommt. Börsennotierte Gesellschaften werden immer noch zu 93,2 Prozent von Männern geführt, in den 200 umsatzstärksten Unternehmen sind nach wie vor 81,3 Prozent der insgesamt 2369 Spitzenpositionen (Geschäftsführung, Aufsichtsrat) mit Männern besetzt.

In den an der Wiener Börse notierten Unternehmen sind im Jänner 2020 lediglich 15 von 222 Vorstandspositionen mit Frauen besetzt. Das sind 6,8 Prozent. Eine ähnliche Unterrepräsentanz zeigt sich in den 200 umsatzstärksten Unternehmen des Landes, dort liegt der Geschäftsführerinnenanteil bei niedrigen acht Prozent, und das bei leicht sinkender Tendenz.

Die Arbeiterkammer hält in ihrem Report fest, dass die verpflichteten Unternehmen zwei Jahre nach Einführung der Quote das Mindestanteilsgebot von 30 Prozent Frauen bei Neubestellungen durchwegs berücksichtigen und bisher keine Plätze in Aufsichtsräten leer geblieben sind. Daher war auch keine Sanktionierung wegen Nichteinhaltung notwendig. Mehr als ein Drittel (35,9 Prozent) der neubestellten Aufsichtsratsmitglieder sind Frauen. Einer AK-Erhebung zufolge sind weibliche Aufsichtsratsmitglieder in Österreich vergleichsweise jünger und formal besser qualifiziert (gemessen am Akademisierungsgrad) als männliche Aufsichtsratsmitglieder.

„Es braucht eine Quote ohne Wenn und Aber."
Christina Wieser (AK Wien)

Zusammenfassend stellt die Arbeiterkammer in ihrem Bericht fest, dass Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert sind und dass das Geschlechterverhältnis – je relevanter und mächtiger die Position ausgestaltet ist – ungleicher wird. Die Interessensvertretung sieht hier den Gestaltungswillen der Politik gefragt, um die notwendigen nächsten Schritte zu setzen. Dazu gehöre laut Studienautorin Christina Wieser von der AK Wien etwa eine Anhebung der Aufsichtsratsquote auf 40 Prozent und eine Ausdehnung auf weitere Unternehmen. Darüber hinaus wäre die Einführung einer Quote im Management erfolgversprechend, um die Männerwirtschaft aufzubrechen. „Es braucht eine Quote ohne Wenn und Aber", forderte Wieser.

Die Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsratsgremien staatsnaher Unternehmen von 35 auf 40 Prozent, wie im Regierungsprogramm 2020-2024 angekündigt wurde, ist für die Arbeiterkammer eine richtige Maßnahme - der allerdings eine Zielvorgabe für die geschlechtergerechte Besetzung von Geschäftsführungen folgen sollte. (APA)


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