Kritik an fehlender Kinderbetreuung als Vollzeit-Killer

Mehr Plätze, mehr Geld, mehr Personal brauche es, um Frauen die Möglichkeit für Vollzeitbeschäftigung zu bieten, fordert der Österreichische Gewerkschaftsbund.

Fehlende oder unflexible Kinderbetreuung zwingt Frauen häufig dazu, nur Teilzeit zu arbeiten.
© pixabay

Wien – Fast die Hälfte aller Frauen arbeitet Teilzeit. Als Grund dafür wird in erster Linie die Kinderbetreuung genannt. Um Frauen die Möglichkeit einer Vollzeitbeschäftigung zu bieten, müsste die Kinderbetreuung in Österreich verbessert werden, fordert der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) anlässlich des Frauentages. Dafür brauche es mehr Geld, mehr Plätze und mehr Personal.

Teilzeit wegen Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen

Viele der Teilzeit arbeitenden Frauen würden das nicht freiwillig machen, sondern weil die Öffnungszeiten bzw. Schließtage der Kinderbetreuungseinrichtungen nichts anderes zulassen, so der ÖGB. Kinder dürften aber kein Nachteil sein, betont die Interessensvertretung.

Dass die türkis-grüne Regierung im Regierungsprogramm einen flächendeckenden, qualitätsvollen Ausbau von elementaren Bildungsplätzen angekündigt hat, sieht der Gewerkschaftsbund grundsätzlich positiv – auch wenn konkrete Ziel- und Zeitvorgaben fehlen. Aber zumindest die grundsätzliche Finanzierungszusage stimmt die Organisation optimistisch.

„Kinderbildung und -betreuung darf keine Frage des Geldes sein"
Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende

Aus Sicht der ÖGB-Frauen braucht es aber noch mehr. „Kinderbildung und -betreuung darf keine Frage des Geldes sein – denn jedes Kind ist gleich viel wert. Deshalb muss die Kinderbildung für alle kostenlos sein", sagt Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende. Ein Rechtsanspruch auf einen beitragsfreien Kinderbildungsplatz ab dem ersten Lebensjahr wäre nicht nur ein großer Schritt auf dem Weg zur echten Chancengleichheit, sondern würde eine echte Wahlfreiheit für Frauen schaffen, ist sie überzeugt. „So könnten Frauen selbst entscheiden, wie viele Stunden sie arbeiten und wie viele sie zuhause bei ihrer Familie verbringen wollen", meint Schumann.

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Allgemeine Kritik kommt vom ÖGB an der „Baustelle Kindergarten". In der Elementarbildung gebe es eine Reihe von Problemfeldern, die alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellen, wird beanstandet. Unter anderem geht es hier um schwere Arbeitsbedingungen mit großen Gruppen und schlechter Bezahlung und um ein Fehlen von Kinderbildungsplätzen, die eine Vollzeitbeschäftigung ermöglichen würden. Vor allem am Land sei das ein großes Problem, aber auch in den Städten bleibe Wien das einzige Vorzeigebeispiel, kritisiert der ÖGB.

Gruppengrößen von bis zu 25 Kindern bedeuten Stress

„Mütter und Väter müssen sich sicher sein können, dass es ihren Kleinsten gut geht und sie auch pädagogisch bestens betreut werden", betont Frauenvorsitzende Schuman. Dafür brauche es geeignete Rahmenbedingungen, wie etwa ausreichend Platz, kleine Gruppengrößen und ausreichend Personal. Gruppengrößen von bis zu 25 Kindern würden zu viel Stress bei den Beschäftigten führen und eine qualitativ pädagogisch wertvolle Bildung der Kinder erschweren, so Schumann. Zusätzlich zu mehr Personal brauche es daher eine Ausbildungsoffensive und bessere Bezahlung der Beschäftigten – von denen der Großteil weiblich ist. (APA)


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