Tiroler Hochschulen stellen wegen Covid-19 bis Ostern auf Fernunterricht um

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, finden ab dem heutigen Dienstag an der Uni Innsbruck – ebenso wie an Hochschulen in ganz Österreich – keine Lehrveranstaltungen mehr statt. Ein Innsbrucker Studentenwohnheim steht teilweise unter Quarantäne. Schulen werden vorerst nicht flächendeckend geschlossen.

Im Kampf gegen das Coronavirus stellen alle Tiroler Hochschulen auf Fernunterricht um.
© APA/EXPA

Innsbruck – Nach Bekanntwerden eines positiven Corona-Falles unter den Studierenden hat die Universität Innsbruck am Montagabend entsprechende Maßnahmen angekündigt: Ab dem heutigen Dienstag werden in den Universitätsräumlichkeiten keine Lehrveranstaltungen mehr abgehalten. Es wird also von Präsenz- auf Fernlehre mittels digitaler Mittel umgestellt. Wie lange die Maßnahme gilt, war zunächst unklar: „Wir werden die Situation aber weiterhin täglich evaluieren und Sie entsprechend informieren“, hieß es. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) gab bei einer Pressekonferenz am Dienstag bekannt, der eingeschränkte Betrieb soll bis zu den Osterferien andauern.

Wie am Dienstagnachmittag bekanntgegeben wurde, schließt sich auch die Privatuniversität UMIT in Hall den Maßnahmen an. Die Präsenzlehre wird ausgesetzt und soweit möglich durch Fernlehre kompensiert. Außerdem werden alle Veranstaltungen, die im März geplant waren, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, heißt es. Die Universität bleibt geöffnet, allerdings sollen Studierende sie nur im konkreten Anlassfall betreten. Verdachtsfälle oder Infektionen wurden an der UMIT bislang nicht registriert.

Innsbrucker Studentenwohnheim teilweise unter Quarantäne

Eine am Montag positiv auf das Corona-Virus getestete Studentin ist auch Bewohnerin eines Studentenwohnheimes in Innsbruck, wie am Dienstag bekannt wurde. Am Morgen wurden daher Teile der Einrichtung bis auf weiteres gesperrt und die Bewohner in den betroffenen Räumen unter Quarantäne gestellt. Wie viele Personen von der Maßnahme betroffen sind, ist noch unklar.

Von spätestens Montag an gelten die Einschränkungen für sämtliche Universitäten, Privatuniversitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen in Österreich. An den mehr als 70 Hochschulen studieren insgesamt fast 380.000 Personen. „Alles, was publikumsintensiv ist, wird zurückgefahren", so Faßmann. Lehrveranstaltungen sollen vor allem über Distance Learning stattfinden. Große Bibliotheksräume werden geschlossen, Sportveranstaltungen an den Universitätssportinstituten nicht stattfinden. Der Forschungsbetrieb wird dagegen weitergeführt.

Die Universität Wien hält ab Mittwoch bis voraussichtlich zu den Osterferien keine Präsenz-Lehrveranstaltungen bzw. Prüfungen mehr ab. Das teilte das Rektorat auf seiner Homepage mit. Der Unterricht werde auch hier auf Home-Learning bzw. E-Learning umgestellt. Studenten sollen keine Nachteile im Studienverlauf erfahren und demnächst über die weitere Vorgehensweise informiert werden. Gleichzeitig wird gewarnt, dass es durch die vermehrten Zugriffe auf Mailserver, die Lernplattform und Websites zu temporären Überlastungen kommen kann.

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Die Universität Graz und die Technische Uni (TU) Graz sowie die FH Kärnten bieten laut Kleiner Zeitung (Online) ebenfalls ab Mittwoch keine Lehrveranstaltungen mehr an. An der Universität Klagenfurt finden laut Homepage ebenfalls ab Mittwoch und „bis auf Weiteres" keine Präsenztermine von Lehrveranstaltungen mehr statt.

Schulen werden vorerst nicht geschlossen

An den Schulen werde man von großflächigen Schließungen dagegen vorerst absehen, betonte Faßmann. Dafür gebe es derzeit „keine Notwendigkeit". Diese sei erst dann gegeben, wenn die Gesamtzahl der Erkrankungen drastisch zunehmen würde – unabhängig von etwaigen Erkrankungen an Schulen selbst. Bei Verdachtsfällen bzw. tatsächlichen Infektionen an Schulen gelten die bisherigen Regelungen etwa mit zeitweiligen Schließungen oder der Absonderung von Klassen.

Grund für die unterschiedliche Behandlung von Schulen und Unis sei die unterschiedliche Form des Kontakts. An den Hochschulen würden zahlreiche Studenten aus anderen Staaten – etwa aus Südtirol – studieren. „Schulen sind viel kleinere lokalere Einheiten", so Faßmann.

Noch nicht klar ist, ob der Schulbetrieb an den Übungsschulen der Pädagogischen Hochschulen (PH) weitergeht. Jede PH hat meist eine angeschlossene Volks- und Neue Mittelschule, an denen die angehenden Lehrer übungsweise unterrichten bzw. am Unterricht teilnehmen.

Campus sollte nur im Ausnahmefall betreten werden

Über Details sollen die Tiroler Lehrveranstaltungsleiter am Dienstag instruiert werden, in weiterer Folge werden auch die jeweiligen Teilnehmer entsprechend informiert. Der Lehrbetrieb solle jedenfalls „so weit wie möglich weitergeführt werden“, schreibt die Universität Innsbruck auf ihrer Webseite. Und weiter: „Studierenden wird daraus auf alle Fälle keinerlei Nachteil für Ihren Studienverlauf entstehen. Diese Maßnahme soll die Verbreitung des Virus eindämmen, weshalb gebeten wird, dass Studierende die Universitätsräumlichkeiten nur noch im konkreten Anlassfall aufsuchen.“

Die Maßnahmen wurden in Rücksprache der Tiroler Hochschulen mit den zuständigen Landesbehörden, der Landeseinsatzleitung und dem Bundesministerium getroffen. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) erklärte, es stünde den Hochschulen frei, individuelle Lösungen zu finden – etwa Prüfungssituationen, Kleingruppenunterricht oder Praktika. Insbesondere im medizinischen Bereich sollen Ausnahmen geregelt werden können. „Bei Veranstaltungen spricht sich die Landeseinsatzleitung für individuelle Einzelfallentscheidungen aus. Dabei gilt es stets, das Gesamtkonzept sowie das dahingehende Risiko für die Teilnehmenden zu bewerten“, sagt Platter. Die Sicherheit eines jeden Einzelnen stünde nach wie vor im Vordergrund: „Wir tun alles in unserer Macht Stehende, damit sich das Virus in Tirol nicht weiter ausbreiten kann.“ (TT.com)


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